Love's Brother (2004)
Italienische Hochzeit
Love's Brother (2004) Italienische Hochzeit
Oder: Viva gli Sposi!
Ende der 50er Jahre herrscht in Australien eine Überschuss an Männern in der italienischstämmigen Gemeinschaft. Abhilfe schaffen die Proxy-Brides, junge Mädchen, die nach einer Ferntrauung dem ausgewanderten Ehemann in das jeweilige Land folgen. Der zurückhaltende Angelo Donnini (Giovanni Ribisi) ist Stammkunde bei Signora Carmellina, der lokalen Kuppelexpertin, da seine Versuche bei der Brautschau bis anhin kläglich scheitern. Immer wieder werden seine Heiratsanträge abgelehnt und die Matchmakerin stöbert in ihrer Verzweiflung schon nach einbeinigen Heiratswilligen in ihrer Kartei.
Der charmante und gutaussehende Gino (Adam Garcia), der Bruder von Angelo, verdreht hingegen jeder Frau den Kopf. Seine Freundin Connie (Silvia de Santis) möchte ihn lieber heute als morgen heiraten, aber der Tradition folgend, muss der ältere Bruder zuerst unter die Haube kommen. Es ist deshalb auch in seinem Interesse, dass es mit Angelo baldmöglichst klappt.
Die wunderschöne Rosetta (Amelia Warner) ist Angelos nächstes Objekt der Begierde. Im Bewusstsein seiner geringen Chancen entschliesst er sich, dem Brief ein Foto seines Bruders beizulegen. Und siehe da, es klappt. Rosetta verliebt sich sofort unsterblich in den vermeintlichen Schönling und reist nach Australien. Dort herrscht eine Riesenfreude und die Hochzeitsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Bildertausch bleibt vorerst noch Angelos Geheimnis...
Kinofilm-Rating
Von der Seite des Filmverleihs bleibt nichts unversucht, aus Love's Brother einen ähnlichen Superhit wie Il Postino oder Cinema Paradiso zu machen. Gemäss Presseheft sind das "Filmtitel, die auf der Zunge zergehen wie eine köstliche Zabaione". Leider ist der Vergleich mit einer Büchse Ravioli eher angebracht. Jan Sardis Erstlingswerk als Regisseur ist kitschig, langatmig und vorhersehbar. Der Film wird aber wahrscheinlich doch ein Renner in der Open-Air Saison 2004. Denn ein bisschen Italianità ist in lauen Sommernächten immer gerne gesehen, solange sie sich nicht als hupende Autokarawane manifestiert.
Der Film spielt zwar in Australien, aber die Stimmung, die er verbreitet, steht dem Bilderbuchitalien ähnlicher Werke in nichts nach. Zur Freude aller Heimweh-Italiener wird die allererste Espressomaschine des fünften Kontinents in Betrieb genommen. Man ist endlich erlöst von der Qual der schwarzen Brühe australischer Provenienz. Die katholische Kirche, repräsentiert durch den Pater, ist bei der Segnung der Espressomaschine und auch während dem Rest des Films omnipräsent. Das Akkordeon dudelt zwar auf der Tonspur, aber komischerweise essen die Menschen nie Pasta. Auch nicht in Süditalien, wo die Nonna der Nipotina, die Regeln des Schicksals erklärt.
Amelia Warner sieht aus wie eine Kreuzung aus Julia Ormond (Was wurde eigentlich aus der?) und Catherine Zeta-Jones. Das ist durchaus schön anzusehen, aber mehr als schmachten darf sie nicht. Adam Garcia, der schöne Bruder, könnte in einem TV Movie auch John Kennedy Jr. mimen, und Ribisi erinnert an einen Physiklehrer. Da versteht man gut, dass Rosetta sich nicht von ihren Plänen abbringen lässt, Gino zu ehelichen. Ribisis Angelo hat etwas Bedrohliches an sich, das einen zumindest hoffen lässt, dass er im Schlussdrittel Amok läuft oder sonst ein bisschen Unvorhergesehenes in den 0815-Plot einbringt. Aber stattdessen findet wie in romantischen Filmen üblich, jedes Töpfchen sein Deckelchen. So fühlt man sich bei den Endcredits wie nach dem Verzehr einer Büchse Ravioli. Man ist zwar satt, aber ein Genuss war es nicht wirklich.
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