The Life and Death of Peter Sellers (2004)
The Life and Death of Peter Sellers (2004)
Oder: Is Austin Powers for real?
Peter Sellers (Geoffrey Rush) ist sehr zur Freude seiner dominanten Mutter ein gefeierter Star der The Goon Show bei der BBC. Gerne möchte er jedoch sein Glück beim Film versuchen, was ihm dank einer schlauen List beim Casting gelingt. Seine britische Filmkarriere startet fulminant und bald schon klopft Hollywood an der Tür, was Sellers wiederum ermöglicht, an Sophia Lorens (Sonia Aquino) Türe zu klopfen, um für ein Schäferstündchen zu bitten.
Seine Gattin Anne (Emily Watson) verzeiht dem Kindskopf, der denkbar schlecht mit seinen zwei Kindern umspringt, Seitensprung und andere Flausen. Doch die zerrüttete Ehe ist endgültig dahin, als sich Peter Sellers mit der Rolle des Inspektor Clouseu in The Pink Panter in Hollywoods erste Liga spielt. Obwohl der Film ein durchschlagender Erfolg ist, kann er sich mit seiner berühmtesten Filmfigur nie anfreunden. Sellers will weg von Klaumauk und als Charakterdarsteller ernst genommen werden. Ist die Heirat mit dem schwedischen Busenwunder Britt Ekland (Charlize Theron) der richtige Weg aus dem Dilemma oder die angebotene Rolle von Stanley Kubrick (Stanley Tucci)?
Kinofilm-Rating
Geoffrey Rush hat schon bei vielen verfilmten Biographien mitgewirkt. Vom Rachmaninowklimpler trotz allem David Helfgott bis zum Godfather of Sado-Maso Marquis De Sade. Sein neuestes "Biopic", eine Coproduktion von HBO mit der BBC, befasst sich mit dem Leben und Sterben des britischen Komödianten Peter Sellers, der als Figur in diesem Film irgendwo zwischen Frauenheld de Sade und dem Wahnsinnigen Helfgott angesiedelt werden kann.
Im unterhaltenden Film von Stephen Hopkins wird Peter Sellers dargestellt als ein Muttersöhnchen, welches das Kind im Manne niemals ablegte und vielleicht deshalb zum Schürzenjäger mit Appetit auf Grossbusige à la Loren und Ekland wurde. Erstaunlicherweise sind seine amourösen Touren oft mit Erfolg beschert. Vor dem Hintergrund des Setdesigns aus den Sechzigern führt der ohne Hemmungen ausgelebte Sexualtrieb deshalb immer wieder zu seltsam unpassenden Assoziation mit den Austin Powers-Filmen, ohne den Dr. Evil wohlgemerkt. Kommt hinzu, dass Geoffrey Rush, wie Mike Myers, für mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler einspringt und teilweise als seine Mutter, als Blake Edwards oder als Ehefrau Nummer 1 in die Kamera spricht. Was sich wie ein lustiger Klamauk liest, ist im Film aber als bittere Tragödie konzipiert. Was durchaus auch im Sinne des vom Film vermittelten Bildes von Peter Sellers ist, der sehr unter seinem Image als Komiker gelitten haben soll.
Die Frage, die sich bei realen Lebensläufen auf der Leinwand unweigerlich stellt, ist die nach dem Wahrheitsgehalt des im Film beschriebenen. The Life and Death of Peters Sellers lässt diese Frage auf witzig Weise unbeantwortet, indem man sich Sellers Wirken zusammen mit Peter Sellers alias Geoffrey Rush in einem Fernseher betrachtet. Am Ende des Films schaltet Sellers den Apparat aus, der uns den Film seines Lebens gezeigt hat, und geht in seinen Wohnwagen, zu dem er dem Publikum den Zutritt verweigert. Wir sind also am Ende so schlau als wie zuvor wie der richtige Peter Sellers so war.
Die Unzufriedenheit über die verschiedensten Themen, die zu Beginn des Film kurz und knapp in der Manier eines TV-Movie-Schnellschusses angeschnitten werden, weicht deshalb in der Mitte des Films einer Unsicherheit, ob der brüllend komische Peter Sellers denn wirklich ein Kotzbrocken war. Damit scheitert The Life and Death of Peter Sellers in der Grundaufgabe eines guten Biopics, einem die Geschichte eines Menschen näherzubringen. Die hervorragend gemachten Szenen, in denen Peter Sellers Filme nachgespielt werden, machen hingegen Lust auf die Originale, die den Frust ein bisschen mindern werden, dass man wohl nie genau erfahren kann, wie der ebenso geniale wie seltsame Peter Sellers wirklich war.
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