Land of Plenty (2004)

Land of Plenty (2004)

Land of Plenty

Ich sehe was, was Du nicht siehst

"Bread of Life" heisst die Mission in Los Angeles, in der Lana (Michelle Williams) als Betreuerin Unterschlupf findet. Sie lebte ein paar Jahre im Osten der Welt und hat dort neben den dortigen Ausschreitungen auch die Reaktionen der Menschen auf den Terroranschlag vom 11. September miterlebt. Sie musste einsehen, dass Amerika nicht überall "the beautiful" ist und dass Hass gegenüber ihrem Heimatland weiter verbreitet ist, als sie es sich vorgestellt hatte. Nun ist sie wieder "zuhause" und versucht in der Mission zu helfen. Denn obwohl in Amerika Luxus, Geld und Reichtum gang und gäbe ist, gibt es zu viele arme Menschen, die auf der Strasse leben und deren einzige warme Mahlzeit die alltägliche Suppenration in eben dieser Mission ist. Sie versucht, den Leuten ein Gesicht zu geben, sich anzufreunden und macht dabei gar keine schlechte Figur. Ebenso ist sie auf der Suche nach ihrem Onkel, dem sie einen Brief ihrer verstorbenen Mutter übergeben soll.

Paul (John Diehl) ist immer auf Achse. Er, ein ehemaliger Vietnam-Soldat, hat eine Aufgabe. Er kurvt mit seinem Überwachungsauto tagtäglich durch die Stadt, filmt und fotografiert verdächtige Personen und dokumentiert jeden seiner Schritte. Denn man kann nie wissen, wann sich diese Menschen mit Turban zu einem weiteren terroristischen Anschlag gegen sein geliebtes Heimatland zusammenfinden. Und genau das muss verhindert werden. Vergessene Plastiktaschen sind ebenso verdächtig, wie Kisten tragende Araber. Man weiss ja nie.

Land of Plenty

"Glaubsch ja sälber ned"

Also sich vor der Mission ein Mord an einem jungen arabischen Obdachlosen ereignet, bleibt Paul keine andere Möglichkeit, als sich mit seiner Nichte zusammen zu tun und diese Tag in ihren Möglichkeiten aufzuklären. Die Vorgehensweise der beiden Personen mag ähnlich sein und der Wille zur Zusammenarbeit durchaus vorhanden. Die Motive könnten aber nicht unterschiedlicher sein. Die junge Lana will den Menschen hinter dem Gesicht kennen lernen. Dessen Herkunft, dessen Familie und ist besorgt, dem Verstorbenen eine menschenwürdige Behandlung zu offerieren. Ihr Onkel allerdings sieht im Toten eine Verbindung zu Al-Kaida und deren Mitglieder. Warum hat der Araber Kisten mit dem Seifenmittel "Botax" verkauft? Warum antwortet niemand in der chemischen Firma die Anrufe zu Bürozeiten? Sind da etwa Terroristen am Werk?

Man macht sich gemeinsam auf in eine kleine Ortschaft, um den Toten abzuliefern. In diesem Dörfchen wird sich für beide Seiten zeigen, ob eine künftige Beziehung zwischen Onkel und Nichte überhaupt möglich ist. Die Nachwirkungen des Vietman-Krieges zeigen bei Paul immer extremere Wirkungen und es wird immer unklarer, wie das Zusammenleben dieser beiden Aussenseiter in Zukunft möglich sein wird.


Kinofilm-Rating

Könnt ihr euch noch an 1984 erinnern? Dort wurde eine Cop-Serie zum Kult. Miami Vice. Und während die Hauptrollen mit gutaussehenden und stylischen Personen besetzt wurden, konnte man in dieser Reihe einen Sidekick namens Larry Zito kennen lernen. Und genau dort wurde ich zum ersten Mal auf John Diehl aufmerksam. Leider dreht der Charakterkopf danach nur noch selten Filme, die ich auch zu Gesicht bekam. Und sonst versauerte er in kleinen Nebenrollen, die ihn zwar immer wieder auf die grosse Leinwand brachten, deren Rollen aber kaum in Erinnerung blieben. Bis ich das Plakat von Land of Plenty gesehen hatte. Und da war klar, dass die Kombination Wim Wenders / John Diehl eine vielversprechende sein kann.

Und diese Kombination hat durchaus einen sehenswerten Film abgeliefert, der versucht, die ganze Paranoia der einzelnen amerikanischen Figuren zu porträtieren, die hinter jedem arabische aussehenden Menschen sofort einen Terroristen vermuten. Und in solchen Szenen, in denen die männliche Hauptfigur sich auf die Suche nach eben solchen Personen macht, sind dann auch wirklich gelungen. Ausgerüstet wie ein mobiles FBI-Büro macht sich der Vietman-Veteran auf die Suche nach einer Bedrohung seines Landes. Dass man anfänglich mehr als einmal schmunzelt ist wohl beabsichtigt. Denn obwohl der Kerl eine ansprechende Figur macht, nimmt man ihn nicht wirklich ernst und tut ihn schnell mal als "Spinner" ab. Je weiter der Film aber fortschreitet, desto mehr bekommt man vom Charakter zu sehen und stellt fest, dass diese Person eher zu bemitleiden ist, als sich über ihn zu amüsieren.

Die weibliche Hauptrolle spielt ein ehemaliges TV-Girl namens Michelle Williams. Sie, grossgeworden in Dawsons Creek verkörpert ihre Figur sehr lebensecht und meiner Meinung nach ein bisschen zu naiv. Aber wenn man versucht, den Hunger und die Armut auf der Welt oder in der eigenen Stadt durch kleine Taten zu bekämpfen mag das zwar lobens- und bewundernswert sein, aber Naivität ist diesem Charakter sicherlich zu zu sprechen. Die Portraitierung ihres Charakters gelingt ihr ganz gut und die Annäherung zu ihrem Onkel lässt den Zuschauer auch in ihre eigene Vergangenheit blicken.

Der Film hat gute Schauspieler und ein interessantes Thema. Leider präsentiert sich die eigentliche Geschichte dafür sehr zäh und in die Länge gezogen. Während man am Anfang noch interessiert auf die Figuren schaut, die Hintergründe erfahren will und ab und zu auch mal schmunzeln kann, zieht sich der Film gegen Ende doch sehr dahin. Schlussendlich ist es klar, wie das Ende sein wird und ausser der Frage, wer denn jetzt diesen obdachlosen Araber erschossen hat, sind alle Fragen schnell einmal geklärt. Und auch die Auflösung dieses letzten Rätsels war ein Schnellschuss.

Fazit: Land of Plenty hat seine starken Momente und lebt vor allem von den feinen und überzeugenden Darstellungen seiner Figuren. Die Story an sich vermag nicht durchgehend zu fesseln und hat vor allem gegen den Schluss immer wieder Längen, die man hätte kürzen können. Für mich wars auf jeden Fall mal wieder eine Möglichkeit, gute Schauspieler zu sehen, die vor einem Hintergrund agieren, der mehr Beachtung und Verarbeitung bedarf.

2.8 Sterne
2.8 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
04.02.2005 / muri