Kinsey (2004)
Kinsey (2004)
Oder: Was wir schon immer über Sex sagen wollten...
Alfred C. Kinsey (Liam Neeson) ist Biologie-Professor und untersucht eine spezielle Wespenart. Bei einer seiner Vorlesungen kommt er der Studentin Clara näher und heiratet sie schon bald. Da beide noch jungfräulich sind, erleben sie ihr erstes Mal gemeinsam. Doch wie funktioniert "es" eigentlich? Wegen anfänglichen Problemen suchen sie den Arzt auf und dieser kann ihnen zum Glück auch die nötigen Tipps, geben damit es auch mit dem Liebesleben klappt.
Kinsey realisiert, wie schlecht aufgeklärt er ist, und beginnt damit andere Personen über das beschämende Thema zu befragen. Schnell wird klar, dass er kein Einzelfall ist, sondern grosse Ungewissheit über dem Thema liegt. Er realisiert, dass Sexualität nicht weiter totgeschwiegen werden darf und startet mit Vorlesungen, damit sich die Studenten aufklären lassen können. Mit Tatsachen und eindeutigen Bilder rüttelt er die an Blümchen und Bienchen glaubenden Studenten auf. Doch er will mehr und startet mit Unterstützungsgeldern ein wissenschaftliches Projekt, um die intimsten Gedanken Amerikas zu ergründen.
Im Jahre 1948 erscheint Kinseys Werk "Das Sexualverhalten des Mannes" welches sich nicht nur an die Spitze der Bestsellerliste katapultiert, sondern auch eine landesweite Debatte auslöst. Wie weit darf Wissensdurst gehen? Ist es gestattet Sex in jeglicher Form zu legitimieren? Für Kinsey wird es immer mehr zur privaten Angelegenheit...
DVD-Rating
Kennen Sie das Verhalten der gemeinen Gallwespe? Nicht? Sie werden auch nach Kinsey nicht viel schlauer sein! Denn der Biologe wagt alsbald den Sprung von diesem possierlichen kleinen Tierchen zum Sexualverhalten der hach so prüden amerikanischen Bürger. Und Bürgerinnen, jawohl! Nachdem ich die Ehre hatte seinerzeit das Interview von rm mit Regisseur Bill Condon zu übersetzen (was hab ich geschwitzt ob all der spezifisch erotischen Fachbegriffe, die man im normalen Umgangs- und Schulenglisch nun wirklich nicht gelernt hat, normalerweise), wurmte mich die etwas gar kurze Kinolaufzeit von Kinsey schon. Nun denn, die Veröffentlichung auf DVD lässt ja derzeit nicht lange auf sich warten.
Kinsey ist ein köstliches Stück Film. Mit erstaunlicher Gelassenheit präsentiert Bill Condon Sexualpraktiken, vor allem in Wort, aber auch Bild, und nimmt dabei kaum ein Blatt vor den Mund. Dass dabei auch eine gewisse Abgeklärtheit von den Darstellern verlangt wird, sprich Pokerface, zeigt Condon in den vielen Testbefragungen, bei denen Liam Neeson seine Assistenten in die Befragungstechnik einführt. Parallel erzähl wird dazu das gestörte Vehältnis Kinseys zu dessen Vater (John Lithgow) und die Beziehungsgeschichte mit Frau Clara bzw. Mac, wie sie liebevoll genannt wird (Laura Linney), aber auch Kinsey eigentliches Steckenpferd, dass er alsbald zur Forschungsarbeit ausbauen wird, das Sexualverhalten von Mann und Frau und der aussergewöhnlich präzise, unverblümte Fragebogen, mit dem er die Daten sammeln wird.
Ich frage mich in der Tat, wie der Film in den USA wohl angekommen ist und ob die Prüderie, die in den 40er und 50er Jahren in den Staaten herrschte sich wirklich verflüchtigt hat oder eher einem aufgesetzt moralischen Denken gewichen ist. Damals wusste man kaum was über Sex, heute möchte man das Thema wieder hinter "Sitte, Anstand und Religion" stellen. Deshalb ist der Film ein wichtiger Beitrag in Sachen Offenheit und Akzeptanz, wenn er auch gewisse Aspekte des Missbrauchs streift, die unser Leben allzu oft begleiten.
Von hohem Niveau ist die Darstellerriege, ganz besonders gefällt dabei die Besetzung der Nebenrollen mit Chris O'Donnell, Timothy Hutton und John Lithgow, während Liam Neeson eine seiner besten Rollen seit einigen Jahren spielt. Kinsey ist ein ruhiges, kleines und entdeckenswertes Filmjuwel, fein gespielt und süffig umgesetzt.
Bildtechnisch wäre die DVD ganz okay, abgesehen von kleinen Bildunreinheiten hie und da und einer nur mittelmässigen Schärfe bei sehr gutem Kontrast, wenn mein Exemplar nicht von regelmässigen Bild-drop-outs befallen wäre. In der Tat spukte die DVD auf 2 verschiedenen Geräten, wobei eines schliesslich komplett die Wiedergabe versagte. Ich hoffe, mein Exemplar ist eine Ausnahme. Im Tonbereich gibt es wenig zu berichten, wenn auch die Aufteilung des Tons in DD 5.1 und DTS im Deutschen bei einem solchen Film mehr als fraglich ist. Die Extras sind eher mager ausgefallen. Unveröffentlichte Szenen gibt es zwar viele, doch ein grosser Teil davon sind einfach Verlängerungen bestehender Sequenzen. Dann gibt's noch eine mehr oder minder lustige Gagreel. Fertig.
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4.5 Sterne (23 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 04.08.2005
- Bildformat: 2.35:1
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1 & DTS); Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
- Extras: Audiokommentare; 21 unveröffentlichte bzw. verlängerte Szenen; Gag Reel.



