Innocence (2004)

Innocence (2004)

Oder: Ganz in Weiss

Innocence

Vampira ward geboren

Ein Internat für Mädchen mitten im Wald. Der Stundenplan besteht aus Bio und Ballet. Die Freizeit verbringt man mit Baden und Hula Hoop Schwingen. Zwei junge Lehrerinnen reichen: Mademoiselle Eva (Marion Cotillard) fürs Ballett und Mademoiselle Edith (Hélène de Fougerolles), die Biologin. Das restliche Personal ist alt, mies drauf und ebenfalls weiblich. Sein Auftrag: Kochen und den Mädchen dienen.

Neuankömmlinge werden im Sarg eingeliefert. So auch die sechsjährige Iris. Wer sie hierher brachte, weiss nicht mal sie selber. Ihre neuen Kolleginnen instruieren sie über die Gepflogenheiten: Nur auf den beleuchteten Waldpfaden laufen, niemals das den Wald verlassen, brav sein. Die Maxime bei der Kleiderwahl ist dieselbe wie beim Tennisturnier in Wimbledon. Nur die Haarschleife erlaubt einen Farbtupfer im Outfit und zeigt die Dauer an, die man schon im Internat verbracht hat. Vom Rot der Neuankömmlinge bis zum Violett der bald zu Entlassenen.

Zu denen, die nicht bis zur violetten Schlaufe warten wollen, gehört Alice. Doch der einzige Weg, früher als vorgesehen weg zu kommen, ist die Selektion durch eine ältere Dame, die einmal pro Jahr stattfindet. Bianca hingegen lebt schon so lange im Internat, dass sie bald raus darf...


Kinofilm-Rating

Kein Festival ohne Vertreter der tückischen Gattung des Scheissfilms. An der fünften Ausgabe des Neuenburger Festival du Film Fantastique (NIFFF) traf es bedauernswerterweise den einzigen Beitrag einer Regisseurin im internationalen Wettbewerb. Innocence hat sich das Prädikat mit den genretypischen Eigenheiten Symbolgehalt, gewollte Langeweile, einer semidepressiven Grundstimmung und der Ästhetik des Widerstands spielend geholt.

Mag sein, dass schon Frank Wedekinds Novelle Mine-Haha, die Lucile Hadzihalilovic als Vorlage diente, nicht gerade eine Geschichte für allzu Erlebnisorientierte war. Doch das alleine ist kein Grund den monotonen Tagesablauf der Mädchen minutenlang zu zeigen. Die Stimmung im Sarg aus dem alle Bewohnerinnen irgendwann mal entsprungen sind, befällt alle Insassinnen und den Zuschauer gleichermassen. Nicht nur die Bediensteten, die für immer und ewig im Internat bleiben müssen, weil sie einmal einen Fluchtversuch wagten.

Viele Fragen bleiben offen. Woher kommen die Mädchen? Warum dürfen sie die beleuchteten Pfade nicht verlassen? Für wen üben sie Ballet? Warum überhaupt Ballet? Ist das derselbe Wald wie in M. Night Shyamalans The Village? Der grosse Vorteil von Hadzihalilovics Film ist, dass er gleich mit dem Abspann beginnt. So hat man den wenigsten schon gesehen, wenn der Film fertig ist. Und alle, die sperriges Kino, das sich den gängigen Konventionen widersetzt, ablehnen, sind von Beginn an gewarnt.

2.6 Sterne
2.6 Sterne (4 Bewertungen) | 7 Kommentare

11
05.07.2005 / rm