Hotel Rwanda (2004)
Hotel Rwanda (2004)
Paul Rusesabagina (Don Cheadle) ist ein mittelständischer Angestellter eines Hotels. Eigentlich möchte er nur seine Familie schützen, als er im April 1994 seine Frau (Sophie Okonedo) und seine Kinder im Hotel Mille Collines in der ruandischen Hauptstadt Kigali unterbringt. Er selbst ist Hutu, seine Frau Tutsi. Bisher hat diese Zugehörigkeit in ihrem Leben keine grosse Rolle gespielt. Doch seit Tagen tobt draussen vor der Hoteltür der Mob. Geifernde Radiomoderatoren hetzen jugendliche Banden zum Mord an den Tutsi auf.
Ein Bus mit Waisenkindern rollt in die Auffahrt. Paul Rusesabagabina bringt es nicht übers Herz, sie abzuweisen. Sie dürfen bleiben; vorübergehend, wie er sagt. Immer mehr Menschen flüchten sich ins Hotel; vorübergehend. Der Manager versucht seine Welt nach den Massstäben des Managements vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Er telefoniert herum, er stellt Rechnungen für Zimmer aus, in denen längst keine Touristen mehr wohnen, sondern Flüchtlinge, er organisiert Lebensmittel, besorgt frisches Wasser. Doch der Spuk, von dem er anfangs dachte, er würde vorübergehen, ist kein Spuk. Es ist Massenmord.
DVD-Rating
Eine von der Welt fast vergessene Tragödie unter die Leute zu bringen. Zeigen was passiert ist und wie der reiche Westen versagt hat. Das war dem wahren Paul Rusesabagina ein grosses Anliegen und Regisseur Terry George suchte einen Weg um ein möglichst grosses Publikum zu erreichen. Das bedeutet, dass er nicht dem Genozid auf den Grund gehen und politisches Versagen aufdecken konnte, als vielmehr in einer mehr oder weniger unterhaltenden Weise "der Welt" einen Spiegel vorhalten und damit so viele Menschen wie möglich erreichen wollte. Wenn Joaquin Phoenix im Film sagt, dass die Leute die Bilder vom Massaker wahrnehmen werden und sie vielleicht "grauenhaft" finden um dann zu ihrem Abendessen zurückzukehren, so trifft das den Kern der Sache ziemlich genau, ebenso wie die völlige Hilflosigkeit der Blauhelme unter ihrem kanadischen Kommandanten. Es wird dem Zuschauer überlassen, weshalb die grossen Nationen sich entschlossen, lieber weg- als hinzusehen. Der Film gibt einige knappe Hinweise, politisch lässt er allerdings keine Aufklärungsarbeit zu.
Terry George verzichtet fast gänzlich auf blutgetränkte, brutale Bilder. Das Entsetzen zeigt er in Form von allzu schnell zu Grunde gemachten Hoffnungsschimmern, Chaos und Angst vor der Ungewissheit. Er konzentriert sich auf den hilfsbereiten Hotelmanager Paul, der Wege und Möglichkeiten sucht und findet, in erster Linie das Leben seiner Familie und dann das vieler anderer Flüchtlinge zu retten. Um diesen Charakter baut er die Geschichte auf und zeigt sie aus dessen Sicht, kein schiesswütiger Held, kein Heiliger. Ein sicherlich aufwühlender Film, toll gespielt und ohne Umschweife umgesetzt, dem dennoch das letzte Quäntchen Kraft abgeht.
Extras: Hinsichtlich der DVD-Präsentation ist die Extraseite eine leise Enttäuschung. Gerade hier wären mehr Hintergrundinfos in Form von Dokumentationen und vertiefenden Erlebnisberichten wünschenswert gewesen. Das Making Of "A Message for Peace" gibt einige kurze Einblicke, ergänzt mit Interviews der Beteiligten ergibt sich ein nachvollziehbares Bild. Doch wo sind die auf den Code 1 Discs enthaltenen Audiokommentare? Wo der Film "Return to Hotel Rwanda", der Paul und seine Frau bei der Rückkehr nach Kigali begleitet? Zwar steht dieser Titel hinten auf dem Backcover, zu finden ist er auf der DVD allerdings nirgends. Sehr enttäuschend dieses zweifellos bestehende Bonusmaterial einfach wegzulassen. Dafür hat man dann eine PR-Featurette und die unsägliche B-Roll, die Kamera hinter der Kamera. Unnötig!
![]()
5.1 Sterne (71 Bewertungen) | 10 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 15.09.2005
- Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DD 2.0)
- Untertitel: Deutsch, Französisch
- Extras: Making Of; Featurette; Trailer; B-Roll; Interviews.



