Höllentour (2004)
Höllentour (2004)
Oder: Warum bin ich nicht Surfer geworden?
Die Tour de France gilt als die härteste Radrundfahrt der Welt. Die Edition 2003 war die 100. Ausgabe eines Events, der aus dem Sportkalender nicht mehr wegzudenken ist. Die Geschichte der Tour ist reich an sportlichen Höhepunkten. Die Jubiläumsausgabe führte während dreier Wochen über 3500 Kilometern, aufgeteilt in 20 Etappen und einen Prolog, zum Ziel auf die Champs-Elysees in Paris. Es war spannender als in anderen Jahren. Jan Ullrich war Nahe an Lance Armstrong dran und deshalb auch nicht weit von einer Überraschung entfernt. Erik Zabel und Rolf Aldag vom Team Telekom schlugen sich gut.
Kinofilm-Rating
Höllentour räumt das Feld der Sportdokus nicht von hinten auf. Es ist eher eine Flachetappe, in der es keine Bergpreise zu holen gibt. Hauptproblem ist, dass sich das Leiden eines Profifahrers nicht auf die Leinwand bringen lässt. Der deutsche Regisseur Pepe Danquart und sein Schweizer Koregisseur Werner Swiss Schweizer haben mit den radelnden Witzbolden Aldag und Zabel ein sympathisches Duo (um nicht zu sagen "Ehepaar") gefunden, dass sie während der Tour ständig begleiten durften. Aber mehr als ein TV-Hintergrundsbericht wurde nicht aus dem Film. Der Blick ist wohl hinter die Kulissen gerichtet, aber nur auf das, was man sich da schon vorstellt. Wie verrichten Veloprofis ihr dringendstes Geschäft und wie nah fliegt der Helikopter der TV-Crew ans Fahrerfeld? Die Antworten auf diese Fragen hätte man sich denken können. Statt Fragen zum Doping zu stellen, zeigt man lieber die Fanmassen, den Sponsorentross und Polizistinnen, die sich sorgen machen um die Kinder der Zuschauer.
Für die Spannung sorgt der Verlauf der Tour de France 2003 von selber. Aber Radpsport-Fans werden sich noch bestens an den Plastiksack erinnern, in dem sich Lance Armstrongs Lenker verfing, oder Jan Ullrichs Rutschpartie im Zeitfahren. Ähnlich wie die beiden Dokus vom Schweizer Fernsehen, mit der Martin Masafret im Jahr der Fussball-EM in Portugal die Schweizer Fussballnati von ganz nah zeigen wollte, hat man das vermeintlich Neue bald einmal gesehen und ist schlussendlich nur wenig informierter als vorher. Ein Film von, über und für Fans.
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