Inosensu: Kôkaku kidôtai (2004)

Inosensu: Kôkaku kidôtai (2004)

Oder: Wer will schon Mensch sein?

Ghost in the Shell 2: Innocence - Inosensu: Kôkaku kidôtai

Wie hiess nochmal der Preis am Zurich Film Festival?

Roboter, nach menschlichem Vorbild erschaffen und als Haushaltshilfen eingesetzt, laufen Amok und töten ihre Besitzer. Nichts aussergewöhnliches eigentlich, denn immer wieder mal kommt es zu Fehlfunktionen, die verursachen, dass einzelne Modelle eine der Grundregeln der Robotik verletzten: niemals einem Menschen schaden zuzufügen. Ein Routinefall für die Polizei also, wenn da nicht ein paar pikante Details wären, die die Aufmerksamkeit der Anti-Terror-Einheit Sektion 9 erregen. Keine einzige der betroffenen Familien hat die Firma Locus Solus, die für die Produktion dieser Roboter verantwortlich ist, verklagt, man hat sich ausnahmslos aussergerichtlich geeinigt. Grund dafür dürfte sein, dass es sich bei besagtem Modell um einen sogenannten Gynoiden handelt, einen weiblichen Roboter, der nicht nur putzt und kocht, sondern auch in Sachen Liebe zu Diensten steht. Unter den Opfern waren auch einflussreiche Persönlichkeiten, was bei der Sektion 9 den Verdacht erregt, die Gynoiden könnten gehackt und bewusst als Mordwaffen benutzt worden sein. Desweiteren wurde ein Lieferwagenfahrer von Locus Solus in seine Einzelteile zerlegt und in Glasbehälter eingemacht. Wohl das Werk eines Psychopathen, oder hat doch die Yakuza, deren Handlanger in der Nähe des Tatorts gesehen wurden, ihre Finger im Spiel? Um harmlose fehlerhafte Schaltkreise scheint es sich auf jeden Fall nicht zu handeln.

Ghost in the Shell 2: Innocence - Inosensu: Kôkaku kidôtai

All is full of Love?

Licht in diese rätselhafte Mordserie zu bringen, das ist nun Batôs Angelegenheit. Der Agent der Sektion 9, Vollblutcyborg mit nur noch winzigsten Anteilen Mensch, bildet den Rambopart eines Ermittlerduos. Togusa ist sein weit weniger mechanisierter Partner, der sogar Familie hat und dessen Aufgabe vornehmlich ist, Batô ein bisschen im Zaum zu halten. Seit seine frühere Partnerin Kusanagi, oder schlicht "The Major", sich entmaterialisiert hat und im Cyberspace verschwand, ist Batô der Melancholie verfallen und sein Hund ist das Einzige, was ihm noch wirklich etwas bedeutet. Doch viel Zeit bleibt dem Hünen nicht um Trübsal zu blasen, denn er und sein Partner werden in eine Geschichte hineingezogen, die nicht nur äusserst gefährlich ist, sondern einmal mehr die Frage aufwirft, ob dem Menschen wirklich die Krone der Schöpfung gebührt und was menschlich oder artifiziell sein überhaupt ausmacht.


Kinofilm-Rating

Mamoru Oshii hat ein wahres Bilderfeuerwerk erschaffen und demonstriert eindrücklich, was mit der neuesten Computertechnik alles möglich ist. Denn anders als im Vorgänger kommt hier auch 3D-, verbunden mit traditioneller Animation zu Einsatz. Das Resultat ist sowohl beeindruckend, als auch gewöhnungsbedürftig und wird wohl manchen Anime-Puristen aufschreien lassen. Die Szenerien sind gigantisch und farbenprächtig, so etwa das Schloss in das sich der Hacker zurückgezogen hat, oder die unüberschaubare Industriemetropole mit seinem seltsamen Karneval.

Ghost in the Shell 2 fährt nicht einfach dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat, sondern ist ein neuer haarsträubender Fall der Sektion 9, allerdings in einer "Postkusanagi-Welt". Mit dem Verschwinden der Titelheldin geht aber auch viel davon verloren, was Ghost in the Shell zu einem Klassiker des Anime machte. Genau wie Batô sehnt man sich als Zuschauer nach "The Major" und Ausstrahlung. Togusa ist zwar ein wackerer Kerl, ein anständiger Cop halt, aber ihm fehlen schlicht die Klasse und die Aura, wie sie die eigenwillige Kusanagi hatte. Bezeichnenderweise funktioniert ebendiese im zweiten Teil als eine Art Schutzengel, der in Not auch mal eingreift. Ganz ohne sie geht's eben wirklich nicht.

Der Film beginnt als packender Kriminalfall, doch leider verlieren sich die beiden Detektive zunehmend in Zitate- und Phrasendrescherei. Da wird von Descartes bis Grimm alles wiedergekäut, was mal etwas Interessantes von sich gegeben hat. Ein etwas fragwürdiger Versuch Philosophie mit der Brechstange in die Geschichte zu bringen, der dem Film viel von seiner Illusionskraft raubt. Da hätte Mamoru Oshii ruhig mehr Vertrauen in sein Werk haben können und es nicht auf diese Art und Weise zu bevormunden gebraucht. Denn der gelungene Schluss spricht dann wieder für sich selbst und bringt auch eine herrliche Lösung für das Rätselraten um die mordenden Gynoiden. Und er bringt auch fertig, was all die krampfhaften Zitate zuvor nicht geschafft haben, er präsentiert dem Zuschauer einen neuen Standpunkt in der altbekannten Mensch-Maschinen-Frage.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (19 Bewertungen) | 3 Kommentare

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11.03.2006 / mazemaster