Garden State (2004)
Garden State (2004)
Oder: Gspörsch mi?
Als kleiner Junge verursacht Andrew Largeman (Zach Braff) unglücklicherweise den Unfall welcher zur Paraplegie seiner Mutter führt. Sein Vater (Ian Holm) verschreibt ihm deshalb in seiner Funktion als Psychiater Medikamente, die verhindern sollen, dass Andrew je wieder durch einen Ausbruch von Emotionen jemandem Leid zuführt. Dass sein Sohn dabei in einen Zustand permanenter Lethargie verfällt, ist er bereit zu akzeptieren. Andrew lebt fortan ein Leben so ziemlich ohne Gefühle.
Nach 9 Jahren ohne jeglichen Kontakt zu den Eltern, kehrt Andrew nach Hause zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfährt. Auf die Medikamente, die er bisher ununterbrochen zu sich genommen hatte, beschliesst er für die Dauer seines Besuchs im Heimatdorf ausnahmsweise mal zu verzichten. Was das für eine Wirkung hat, zeigt sich erst allmählich. Die Beerdigung seiner Mutter jedenfalls findet ohne Tränenvergiessen seinerseits statt. Auch die wohl abgefahrenste Party seines Lebens sorgt bei Large, wie Andrew hier genannt wird, innerlich für keine Aufregung.
Die Begegnung mit der notorischen Lügnerin Sam jedoch, geht auch an Andrew nicht spurlos vorüber. Zusammen mit Andrew's ehemaligem Schulkollegen Mark verbringen sie einige Zeit zu dritt. Und langsam versteht Andrew, was ihm bisher gefehlt hat. An seinem letzten Tag vor der Rückkehr nach L.A. begeben sich die drei auf eine verrückte Suche, von der sie anfangs noch nicht genau wissen, was sie finden werden.
Kinofilm-Rating
Grossartigen Filmerlebnissen gehen oft geringe Erwartungen voraus. Denn dann ist die positive Überraschung am grössten. Viel seltener kommt es vor, dass hohe Erwartungen erfüllt werden. Bei Garden State weiss man auf jeden Fall wieder warum man ins Kino geht: In der Hoffnung, dass man irgendwann mal wieder einen solchen Film zu sehen bekommt.
Der Film hat viel Überragendes. Ganz ohne Negativpunkt kommt aber auch dieser Streifen nicht aus. Die Tatsache, dass er das Leben aus einer Very American Perspektive zeigt, wird Leuten, welche für die amerikanische Lebensart wenig Mitleid empfinden können, wahrscheinlich Mühe bereiten. Über andere Ungereimtheiten und Unschönheiten (Little Canyon?) kann man getrost hinwegsehen. Denn ansonsten ist Garden State einfach hinreissend.
So zum Beispiel die Atmosphäre. Die hat Regisseur und Drehbuchautor Zach Braff in ganz spezieller Art erschaffen. Grosse Klasse. Und schwer mit etwas anderem zu vergleichen. Ausser vielleicht die Schlussszene, wo dem Zuschauer Glauben gemacht wird, der Filmanfang (Flugzeugabsturz) sei der vorgezogene Schluss, erinnert vom Gefühl her entfernt an Donnie Dark. Enden tut der Film dann aber anders...
Schauspielerisch kommt Zach Braff in seiner TV-Serie Scrubs zwar mehr zum Zug, doch den gefühlsdeprivierten Andrew mimt er einwandfrei. Unterstützt wird Braff dabei von Natalie Portman, Peter Sarsgaard und Ian Holm. In dieser Hinsicht ist der Film daher auch auf sehr hohem Niveau. Sarsgaard ist bisher zwar kaum durch die Diversität der von ihm verkörperten Charakteren aufgefallen, doch in der Rolle des netten, schrägen Kumpels hat er schon viele Filme bereichert. So auch diesen. Bilbo Baggins-Darsteller Ian Holm spielt gekonnt Andrews Vater, welcher ihm nicht verzeihen kann, obwohl er eigentlich sich selbst verzeihen sollte. Und auch Natalie Portman wird den Erwartungen gerecht. Schön ihr beim Spielen zuzusehen.
Nicht nur die Atmosphäre ist bei diesem Film aussergewöhnlich, sondern auch die Geschichte. Wobei eigentlich nicht allzu viel passiert. Entscheidend ist, wie das was geschieht von Large wahrgenommen wird, wie er langsam aus der Lethargie erwacht und das Leben für ihn wieder Sinn zu machen beginnt. Sehr schön.
Schon im Trailer wird klar, dass Garden State einen auch visuell nicht kalt lassen wird. Wenn Andrew zum Beispiel in seinem Hemd aus Tapetenrestmaterial vor eben dieser Tapete steht oder wenn er und Sam sich vor dem Riesencheminée ihres Kollegen aufwärmen, sind das Bilder, die man nicht in jedem Durchschnittsfilm zu sehen bekommt. Grosse Befriedigung bringt auch die Tatsache, dass nicht nur die Bilder des Trailers musikalisch genial unterstützt werden, sondern dass das auch für den Rest des Filmes zutrifft. Solche Filme hört man nicht alle Tage.
Alles in allem ist der Film sehr gelungen. Dass ihn nicht jeder Zuschauer mit 6 Sterne bewerten wird, ist nachvollziehbar. Dafür ist er vielleicht zu amerikanisch. Dass dieser Film in der Schweiz keinen Verleiher gefunden hat, ist jedoch völlig unverständlich.
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5.3 Sterne (80 Bewertungen) | 20 Kommentare



