Just a Kiss - Ae Fond Kiss... (2004)

Just a Kiss - Ae Fond Kiss... (2004)

Oder: Romeo und Julia in Glasgow

Just a Kiss - Ae Fond Kiss...

Komm doch auch in den Gitarren-Club!

Die selbstbewusste Tahara hat es gleich doppelt schwer. Sie ist eine dunkelhäutige, muslimische Pakistani an einer katholischen Schule in Glasgow und fant im Fussball für die protestantischen Rangers statt für Celtic F.C., dem Verein der Katholiken. Hänselungen sind an der Tagesordnung und sie ist froh, dass der grosse Bruder Casim ihr manchmal eingreifend zur Seite steht. Eine der Verfolgungsjagden nach den Lausbuben der Schule endet im Klassenzimmer der Musiklehrerin Roisin. So lernen sich der uneigennützige Secondo-DJ und die von ihrem Mann getrennt lebende, katholische Irin kennen. Aus der anfänglichen Sympathie wird bald Liebe.

Casim weiss aber sehr genau, dass auch wenn seine Hochzeit mit der Cousine Jasmin nicht schon geplant wäre, seine strenggläubigen Eltern nie eine Gori - ein Weisse - akzeptieren würden. Bei Roisin auf der anderen Seite, steht die Vollstelle an der Katholischen Schule wegen ihrem in den Augen einiges fanatischen Priesters "sündhaften" Verhalten auf dem Spiel. Wird die Liebe der beiden stärker sein als der Skandal, den sie verursacht?


Kinofilm-Rating

Ae Fond Kiss... erinnert entfernt an Bend it Like Beckham. Das fussballbegeisterte Mädchen, das unter der Kultur ihrer Eltern zu leiden hat, ist die erste Figur, die im Film eingeführt wird, und eine Familie aus Asien in den Hochzeitsvorbereitungen spielt auch hier die Hauptrolle. Es würde aber sehr erstaunen, wenn beim sozial engagierten Filmemacher Ken Loach wie beim Film von Gurinder Chadha der Klamauk die Oberhand gewinnen würde. Ae Fond Kiss... ist eine realere Darstellung des Konflikts der Kulturen, bei der jede Seite zu Wort kommt und viele Facetten beleuchtet werden. Der Humor kommt aber nicht zu kurz und es gibt für einen Ken Loach-Film untypisch sinnliche Szenen.

Eva Birthistle ist bravourös bei der Darstellung von Roisins Wut und Empörung und Atta Yaqub macht ohne schauspielerische Vorkenntnisse einen guten Job als zaudernder Liebhaber und ambitionierten Nightlifeaktivist. Wenn die beiden auf der Leinwand Wäsche zusammenlegen, wünscht man ihnen alles Glück der Welt und weiss trotzdem, dass die Lösung des Problems nicht für alle einfach sein wird.

Dass die Geschichte der Schwester, die die beiden zusammenbringt, im Verlauf der Story nicht vernachlässigt wird, und das wunderbare Sprachgemisch aus Punjabi und schottischem und irischem Englisch sorgen für weiteres Vergnügen. Man schaut dem Schicksal des Paares einfach gerne zu und übersieht dabei leicht die Naivität der beiden, wenn sie sich so ohne weiteres auf einander einlassen oder beim trügerischen Happy End. Ob aus den Zwei ein rundum glückliches Paar wird, ist beim Abspann alles andere als klar. Trotzdem ist Ae Fond Kiss... ein sehr empfehlenswerter Liebesfilm mit herausragenden Darstellern und ein vor allem in der heutigen Zeit immer noch wichtiges Plädoyer für mehr Toleranz.

4.4 Sterne
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18.09.2004 / rm