Fahrenheit 9/11 (2004)
Fahrenheit 9/11 (2004)
Oder: Burn Motherfucker, burn!
Es war einmal ein Präsident eines grossen Landes. Er wäre eigentlich gar nicht Präsident geworden, aber seine Freunde auf verschiedenen einflussreichen Positionen haben ihm zum Amt verholfen. Er verbrachte viel Zeit in den Ferien auf seiner Ranch bis am 11. September 2001 sein Land aufs heftigste attackiert wurde. Er hätte dies eigentlich voraussehen können, wenn er nur nicht so oft in den Ferien gewesen wäre.
Diejenigen, die sein Land angriffen haben, kamen aus einem Königreich in der Wüste und waren Kumpels von seinem Vater, der auch einmal Präsident war. Das Wüstenreich investierte viel Geld in einen Rüstungskonzern, dem auch der Vater des Präsidenten angehörte. Diese Leute galt es nicht zu verärgern, denn ihnen gehörten schon 7% des Landes des Präsidenten. Gleichzeitig durfte das Volk natürlich nichts davon erfahren. Es wurde deshalb eher halbbatzig ein anderes, kleineres Land angegriffen, wo sich der Oberbösewicht angeblich befinden sollte, den man dann schlussendlich nicht finden konnte. Stattdessen baute man im Land, das erfolgreich erobert wurde, eine lange Gasröhre und verdiente ein Heidengeld damit.
Im Land selber lebte die Bevölkerung aber immer noch in Angst und Schrecken, durch die heftigen Attacken vom 11. September. Die Menschen waren sehr besorgt und der Präsident hatte bald einen neuen Bösewicht, der chemische Waffen hortete, die ein noch grösseres Leid hätten ausrichten können, wenn sie in die falschen Hände gerieten. Zum Beispiel in die vom Kumpel seines Vaters. Der Präsident hat deshalb noch ein Land angegriffen. Ein Land, in dem viele Leute lebten, die keinem etwas zu Leide getan haben und eigentlich nur ihre Ruhe wollten.
Die Soldaten sahen bald keinen Sinn mehr im zweiten Krieg, in den sie gezogen sind. Die Massenvernichtungswaffen, von denen der Präsident sprach, wurden nie gefunden. Sie mussten unschuldige, arme Menschen töten und viele starben selber dabei. Die Armee brauchte deshalb immer mehr frische Leute für die Truppen. Diese fand man in der Unterschicht des Landes des Präsidenten, die sich durch die Armee eine bessere Zukunft erhofften, die ihnen der Präsident sonst nicht geben konnte.
Unter den vielen Söhnen und Töchtern, die das Land in den Krieg schickte, waren auch besonders viele einer sehr patriotischen Familie aus Flint in Michigan. Als einer deren Söhne beim Absturz eines Helikopters im Krieg starb, wurde ihnen bewusst, dass das Übel nicht in der Ferne zu suchen ist, sondern im eigenen Land: Beim Präsidenten und seinen Freunden und deren Freunden. Fast keiner dieser Leute schickte nämlich eines ihrer Kinder in die Kriege, die sie angezettelt haben, stattdessen versuchten sie wie schon im anderen Land finanziellen Profit aus dem Krieg zu ziehen und versetzten das Volk weiter in Angst mit diffusen Terrorwarnungen.
Kinofilm-Rating
Es waren die Berner Kino-Nächte im Oktober 2002. Es sollte noch einen Monat gehen bis zum offiziellen Start von Bowling for Columbine in den Schweizer Kinos. Um zwei Uhr morgens in der Nacht von Freitag auf Samstag hatten neben mir noch sieben weitere Nachtaktive Lust auf Dokumentarisches eines in der Schweiz fast komplett unbekannten Herren namens Michael Moore. Kurze Zeit später wurde der Film über die "US Gun Nuts" ein Renner an den Kinokassen. Der Rest ist Medienhysterie.
Heute ist Michael Moore bekannter als Mickey Mouse, seine Bücher verstopfen die Bestsellerlisten weltweit und seine Filme wurde auch in der Schweiz alle wiederaufgeführt. Wer noch nie was von Fahrenheit 9/11 gehört hat, lebt wahrscheinlich bei den Zuppigers auf dem Sahlenweidli. 2004 steht ganz im Zeichen dieses einen Event Movies. Von den 2,4 Kinobesuchen zu denen jeder Deutschweizer vom Baby bis zum Rentner gemäss der neuesten Broschüre des Bundesamtes für Statistik pro Jahr antritt, wird wohl einer auf diesen Dok-Film fallen. Sogar die Tante, die bei Multiplex zuerst an einen Knorpel hinter der Kniescheibe denkt, wird ihn sich anschauen gehen.
Was soll man also dazu noch schreiben. Es ist egal, welche Stellen brüllend komisch sind, an welchen Stellen man abgrundtief traurig wird. Moores Message ist so montiert, dass sogar Homer Simpson sie schnallen wird. "Ein Präsident, der von Britney Spears unterstützt wird, kann kein guter Präsident sein."
Deshalb nur ein politisch neutraler technischer Kommentar. NTSC-TV Bilder sehen auf Leinwandgrösse hochgezoomt sehr unscharf aus. Aber auch dafür ist gesorgt. Moore wird die DVD noch vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf den Markt bringen. Wenn sie dann an den Supermarktkassen im ganzen Land käuflich zu erwerben ist, wird diese Manko auf dem kleinen TV-Schirm zur Nebensache. Und der Onkel, der es wegen der Stauchung des Knies nicht in den Multiplex schaffte, wird den Film auch noch sehen können.
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