Darwin's Nightmare (2004)
Darwin's Nightmare (2004)
Oder: Globalisierungs-Albtraum in Afrika
Der Victoriasee ist der grösste See Afrikas und 128 Mal so gross wie der Bodensee. Dort spielt sich tagtäglich eine Geschichte ab, wie sie so typisch sein könnte für die Globalisierung in den Drittweltländern. In den 60er Jahren wurde der Nilbarsch im Victoriasee ausgesetzt, ein Raubfisch, der die meisten andern Fischarten auffrass und ausrottete. Von den ursprünglich 500 Arten auf den Fischmärkten gibt es heute gerade noch drei. Auch wenn ein ökologisches Desaster, ökonomisch gesehen war der Nilbarsch bis anhin ein Erfolg - zumindest für die Industrieländer. Jeden Tag fliegen riesige Frachtflugzeuge mit tonnenweise Nilbarschfilet von Afrika nach Europa. Während in der Umgebung des Sees viele Afrikaner hungern, essen in Europa täglich zwei Millionen Leute afrikanischen Nilbarsch.
Der Regisseur von Darwin's Nightmare, Hubert Sauper, geht in diesem Dokumentarfilm der Frage nach, was die Frachtflugzeuge nach dem Fischtransport nach Europa auf dem Rückweg führen. Sind sie tatsächlich leer, wie überall behauptet wird? Oder lassen sich die Gerüchte bestätigen, wonach die Transportflugzeuge Waffen und Munition für die Kriege in Angola, Kongo etc. mitführen? Sauper lässt dabei die Protagonisten am Ufer des Victoriasees zu Worte kommen: russische Piloten, afrikanische Strassenkinder, Prostituierte, einen Maler, einen Nachtwächter, Fischer, Politiker und andere. Eine ganze Region wurde abhängig vom Fischexport. Er zeigt den Kampf ums Überleben dieser Menschen und den Zusammenhang zwischen ihrem Leid und den Verflechtungen der Globalisierung. Die Menschen in Afrika sterben an Hunger oder AIDS. Manche hoffen sogar auf einen Krieg, weil dieser den Soldaten bessere Einkommen gewähren könnte. Unterdessen spendet die EU Geld für Projekte, um den Export von Nilbarsch noch weiter anzukurbeln.
Kinofilm-Rating
Darwin's Nightmare zeigt den harten Alltag in der Globalisierten Welt. Die Menschen in Afrika kämpfen um zu überleben. Das Strassenkind, das Klebstoff schnüffelt, um dem Alltag zu entfliehen, die Prostituierte, die von einer Ausbildung träumt und schliesslich ermordet wird, der russische Pilot, der sich nach seiner Familie sehnt. Sie alle können sich ihre wünsche nicht erfüllen, weil sie es sicht nicht leisten können. Diese Portraits sind sehr schlicht und realistisch gestaltet. Gerade deswegen sind sie erschütternd, berührend oder auch mal lustig.
Leider gibt es keine fortlaufende Geschichte im Film, weshalb die Reihenfolge der Personenportraits etwas gar zufällig wirkt. Der einzige rote Faden ist immer wieder der Fisch und die Frage, was in den Frachtflugzeugen von Europa nach Afrika gebracht wird. Filmmusik gibt es keine, sondern die Geräusche des Lebens begleiten den Film. Filmerisch könnte sicher noch einiges an diesem Dokumentarfilm verbessert werden. Die verwackelte Kamera und die Stimme des Regisseurs im Hintergrund können zwar anstrengend werden, doch sie vermitteln Authentizität. Der Schluss wirkt leider ziemlich abgehackt. Zusammenfassend überzeugt Darwin's Nightmare sicher nicht wegen der Form, sondern wegen dem Inhalt und der persönlichen Annäherung an ein Afrika, wie wir es kaum sonst zu Gesicht bekommen. Wir sehen die Realität und die Ungerechtigkeit der Globalisierung, ohne dass irgendwelche "Schuldigen" offen angeklagt werden. Vielmehr wird gezeigt, dass Menschen wie du und ich dazu beitragen, dass sich Afrika der Armutskatastrophe zuneigt.
Der Appetit auf Fischstäbchen ist mir jedenfalls vergangen.
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4.6 Sterne (18 Bewertungen) | 3 Kommentare


