Ein ferpektes Verbrechen - Crimen ferpecto (2004)

Ein ferpektes Verbrechen - Crimen ferpecto (2004)

Oder: Revenge of the Nerdette

Crimen ferpecto

Von Saus und Braus...

Mit seinem Verkaufstalent könnte Rafael (Guillermo Toledo) Kühlschränke an Eskimos verkaufen. Doch das wäre dem leichtfüssigen Lebemann wahrscheinlich zu wenig luxuriös. Rafael ist zu höherem bestimmt. Als unbestrittener Herrscher über die Damenoberbekleidungsetage eines spanischen Kaufhauses schwelgt er auf der Welle des Erfolges fern vom Mittelmass - seinem erklärten Todfeind. Er liest seinen Kundinnen jeden Wunsch von den Augen ab. Seine unglaublich attraktiven Mitarbeiterinnen schmachten ihm nach. Ausserhalb der Öffnungszeiten führt Rafael immer mal wieder eine andere Untergebene in die Delikatess-Abteilung und liebkost sie danach in den seidenen Laken im Rayon der Bettmöbel.

Crimen ferpecto

... zum Leichenschmaus

Der Beförderung zum Chef der gesamten Kleiderabteilung steht nur einer im Wege: Rafaels Erzrivale Don Antonio (Luis Varela), ein griesgrämiger Herrenausstatter mit Toupé, der von Rafaels Frivolität nur angeekelt ist. Wegen eines geplatzten Schecks und dem damit verbundenen nicht Erreichen des Geschäftszieles setzt sich aber Don Antonio bei der internen Ausmachung durch und eine seiner ersten Amtsandlungen ist die Entlassung Rafaels. Der Entscheid hat aber unangenehme Folgen für Don Antonio. Ein unglücklich positionierter Kleiderhaken während eines Handgemenges mit Rafael setzt seinem Leben ein Ende. Rafael hat nun nicht nur eine Leiche am Hals sondern auch eine unliebsame Zeugin des Mordes: Lourdes (Monica Cervera), die hässliche und darum einzige Angestellte des Kaufhauses, mit der Rafael sich noch nicht zum Schäferstündchen getroffen hat. Das durchtriebene Mauerblümchen sieht nun ihre Chance gekommen. Sie hilft mit enthusiastischem Elan beim Beseitigen der Leiche (die Gute war mal Metzgerin) und um ihr Schweigen zu erkaufen, muss Rafael sie ehelichen. Der soziale Abstieg von Rafael in Richtung verhasstes Mittelmass nimmt seinen Lauf...


Kinofilm-Rating

Der spanische Regisseur Álex de la Iglesia hat sich mit Perdita Durango auch in der Schweiz eine kleine, aber feine Fangemeinde aufbauen können. Schwarzer Humor und makabre Witze sind das Markenzeichen des Enfant Terribles. Sein neuester Streich Crimen Ferpecto (der Tippfehler ist gewollt und zugleich eine Hommage an den beschwipsten Obelix in "Die Lorbeeren des Cäsars") ist ein auch Mordsspass. Wie sich Guillermo Toledo vom eitlen Macho innert weniger Wochen in ein psychisches Wrack verwandelt, weil er es mit der verrückten Furie gespielt von der unvergleichlichen Monica Cervera zu tun bekommt, sorgt für kurzweiliges Vergnügen.

Es beginnt bei den Logos vor dem Film. Es hat viele davon und alle sind frisch und witzig. Dann führt uns Rafael mit einer Persiflage auf Werbespots in der Ich-Form in sein Leben ein, bevor das Blut zu fliessen beginnt und Very Bad Things grüssen lässt. De la Iglesia versteht es bestens, die Genres zu mischen. Mit seinem Hitchcock'schen Held und der sehr speziellen Femme Fatale kritisiert er die Konsumgesellschaft und die Dating-Shows im TV gleichermassen. Lourdes' Familie würde in einem Film der Coen-Brüder eine gute Falle machen und ein Prise Sex darf auch nicht fehlen. Der finalen Showdown brächte Bruce Willis zum erröten. Das Action-Thriller-Setting am Ende und die Ausflüge ins Zombiegenre (der Geist von Don Antonio ist zu sehr kinderkanaltauglich, als dass er richtig Freude machen könnte) sind die Abstriche mit denen man leben muss. Ansonsten ist Crimen Ferpecto nahe an der Ferpektion - ein wirklich gauseiler Film.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (20 Bewertungen) | 9 Kommentare

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06.06.2005 / rm

Ein ferpektes Verbrechen - Crimen ferpecto (2004)
Bewertung: 4.4 (20 Bewertungen)
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