Crash (2004)
L.A. Crash
Crash (2004) L.A. Crash
Oder: 36 Stunden L.A. - der ganz normale Wahnsinn!
36 Stunden in L.A, eine kurze Zeitspanne, in der das Schicksal elf verschiedene Personen abermals zusammen führt und sie so immer wieder "kollidieren" lässt. So könnte man grob den Inhalt von Million Dollar Baby-Drehbuchautor Paul Haggis' neuem Film schildern.
Da wären einerseits Peter (Larenz Tate) und Anthony (Chris "Ludacris" Bridges), zwei afroamerikanische junge Männer, die unter sehr ärmlichen Verhältnissen leben und die eines Tages das weisse Ehepaar Jean (Sandra Bullock) und Rick (Brendan Fraser) Cabot überfallen und deren Auto stehlen. Dumm nur, dass Rick Staatsanwalt ist, der sich mit Vorliebe für Schwarze einsetzt. Wie soll er nun auf den Überfall reagieren, ohne dass er schwarze Wähler verliert?
Weiter wären da Officer John Ryan (Matt Dillon) und sein junger Partner Tom Hansen (Ryan Phillippe), die auf die Suche nach dem gestohlenen Auto angesetzt werden. Ryan, der wegen seinem schwer kranken Vater gerade einen sehr schlechten Tag hatte, lässt daraufhin seine Wut an einem schwarzen Ehepaar (Thandie Newton, Terrence Dashon Howard) aus, welches dasselbe Automodell fährt, wie das als gestohlen gemeldete. Obwohl das Nummernschild und die Personenbeschreibungen nicht übereinstimmen, lässt er die Beiden aussteigen und in einem erniedrigenden Verfahren überprüfen. Erst nachdem er die Frau regelrecht begrabscht hat, lässt er sie mit einer Verwarnung davon kommen.
Ausserdem ist da auch noch der persische Ladenbesitzer Farhad (Shaun Toub), der ein kaputtes Türschloss hat. Als er sich für die Reparatur den lateinamerikanischen Schlosser Daniel (Michael Peña) holt, wechselt dieser zwar das Schloss, erklärt Farhad aber auch, dass es eigentlich die Tür ist, die in einem schlechten Zustand ist. Aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten hat dieser jedoch das Gefühl, man wolle ihn übers Ohr hauen. Deshalb komplimentiert er Daniel ohne Bezahlung hinaus. Am nächsten Morgen ist sein Laden ausgeraubt und die gesamte Einrichtung wurde zertrümmert. Farhad vermutet Daniel hinter dem Überfall und ist rasend vor Wut. Und Wut und Waffen vertragen sich bekanntlich nicht besonders...
DVD-Rating
Verschiedene Charaktere, deren Vorkommnisse miteinander schicksalshaft verbunden sind und erzählt werden. Das Konzept ist nicht neu (man kennt es von diversen Robert Altman-Filmen oder beispielsweise Lawrence Kasdans Grand Canyon), aber immer wieder faszinierend, wenn die Geschichten stark genug und die Protagonisten interessant genug sind. Beides liefert Crash oder L.A. Crash, wie er in deutschsprachigen Gefilden heisst, auf recht eindrucksvolle Weise.
Paul Haggis' Film sondiert die rassistisch aufgeheizte Lage der Millionen-Metropole Los Angeles mit mehr oder weniger heftigen Nadelstichen. Allen seiner Charaktere liegt irgendein Problem der Hautfarbe zu Grunde, mit dem er/sie sich herumschlagen muss und das die persönliche Erfahrung nachhaltig prägt. Dabei verzichtet Haggis zum Glück auf allzu strapaziöse und bekannte moralische Ansagen zur Besserung der Situation und lässt Bilder, Situationen und Protagonisten für sich sprechen. Nicht überall entgeht der wunderschön fotografierte Film dabei einem gewissen Pathos, die Szene mit dem Kind des Schlüsseldienstmannes ist sicher nahe am Kitsch, aber es bleibt zum Glück eine (ausserdem etwas vorhersehbare) der wenigen Ausnahme.
Haggis verschlingt die Einzelgeschichten wunderbar miteinander, führt sie aneinander vorbei und zusammen, oft in klar ersichtlichen Kreuzungen, hie und da aber auch subtil und andeutungsweise, sei das in Dialogen oder bildlich. Absolut wirksam und zum Gelingen des Ganzen beitragend ist dabei die hervorragende Besetzung, angeführt von einem zurückhaltend agierenden Don Cheadle über Matt Dillon, der je länger je mehr in Charakterrollen zu schlüpfen vermag, aber auch ein Ryan Phillippe endlich in einer dankbaren Rolle. Sie alle faszinieren in ihren kleinen, traumatischen Gefässen.
Crash ist ein kraftvoller, recht pessimistischer Film, der keinen richtigen und eigentlich mehr falsche Wege aufzeigt. Oder wird am Schluss doch das Gute zum Schlechteren und das Schlechtere zum Besseren gedreht? Sehr gelungen und höchst empfehlenswert!
Extras: Für so einen Film ist das gebotene an Specials einfach zu wenig, immerhin darf noch einem Audiokommentar gelauscht werden. Hervorragend kommt das Bild weg. Kontrastreich und scharf, in den düsteren Szenen klar und sauber. Im Tonbereich dominiert der gelungene Score von Mark Isham, die Dialogszenen, von denen es nicht wenige gibt, sind ebenfalls sehr sauber.
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5.2 Sterne (163 Bewertungen) | 6 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 09.01.2006
- Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
- Extras: Audiokommentar, Hinter den Kulissen, Musikvideo, Trailer.



