Closer (2004)
Hautnah
Closer (2004) Hautnah
Oder: Potentially Pöbel Offensive*
Die junge, amerikanische Stripperin Alice (Natalie Portman) trifft in ihrer neuen Heimat London 'unfälligerweise' auf Dan (Jude Law), einen aufstrebenden Journalisten, der seine Brötchen mit Schreiben von Todesanzeigen verdient. Die Zwei verstehen sich auf Anhieb und werden ein Paar.
Zeit vergeht... Dan, nun Schriftsteller von Beruf, veröffentlicht (weniger erfolgreich) seine von Alice inspirierten Bücher. Als er jedoch auf die amerikanische Fotografin Anna (Julia Roberts) kennenlernt, ist er augenblicklich von ihr hingerissen. Es folgt ein ultrakurzes Knutschabenteuer, das Anna aber umgehend abklemmt.
Dan, durch die Abweisung bestürzt, gekränkt und in seiner Gefühlen sonstwie verletzt, sinnt auf ungewöhnliche Rache. Er gibt sich in einem Internet Sex Chat als willige "Anna" aus und begegnet dort dem "Chat-Newbie" und Dermatalogen Larry (Clive Owen), der denkt, er habe Onlinesex mit einer Frau. Das Ganze endet mit einem reellen Treffen von Arzt und (echter) Fotografin. Auf das geklärte Missverständnis folgt eine längere Beziehung.
Doch Dan und Anna können die Gedanken aneinander nicht verdrängen. Das gegenseitige Begehren und die betrügerischen Lügen durchdringen mehr und mehr die Beziehungen... sowie die darin Involvierten.
Kinofilm-Rating
Der Anfang: So "selbstgefallend anstössig" und (vereinfacht) 'bekleidet pornografisch' (vgl. Auszüge auf Rottentomatoes) sind weder Story, noch Dialoge, noch das gesamte Werk an sich nicht. Die 35mm Version von Patrick Marbers Theaterstück Closer besteht vielmehr - um nur drei Elemente zu nennen - aus einer ordentlichen Portion englisch angehauchtem Humor, viel unterhaltsamem Zynismus sowie einer klugen Erzählstruktur. Dabei wird dem Kinopublikum während der gesamten 140 Minuten ein (Vergrösserungs-)Spiegel hingehalten. Und als Zückerchen obendrauf, darf derjenige, der sich letztlich - wenn auch nur entfernt - darin wiedererkennt seine Entdeckung entweder für sich behalten oder aber schwungvoll in die Welt herauspalavern.
Das Zwischenfazit: Was an Closer und dem Drumrum 'über'trieben ist, sind die verklemmten, pfui-pfui-abstinenten FilmkritikerInnen, die mit und in ihren Moralschriften schon im Vorfeld manch einen Closer-Gutfinder als vulgären Lüstling bezeichnen. Die Quartettgeschichte sagt, was Mann und Frau denkt. Wer dies langweilig, pervers oder sonstwie verwerflich findet, der muss ja ein ganz spannender Asket sein.
Zum weiblichen Cast: Julia Roberts mimt nach Ansicht einiger Kinoenthusiasten ihre Rolle zu hölzern; sich einen glänzenden Hollywood Mami-Star von Roberts' Format als leicht masochistische Anna vorzustellen, gefällt anscheinend nicht jedem. Was soll's, denn jedem das Seine. Und wer sich damit noch immer nicht zufrieden gibt, der kann sein Augenmerk auf das Girlie "Alice", gespielt von Natalie Portman, werfen. Sie strippt neben Julia Roberts nämlich sämtliche handgeschnitzten Pinocchias an die Wand.
Zum männlichen Cast: An den potenten Mannen Dan und Larry resp. an deren Verkörperung gab's meines Wissens da draussen noch nichts zu meckern; sind die Männer etwa Lämmer? Nicht ganz. Aber fast...
Gewagtes Fazit und PPO*: Closer ist kein Film für den moralistischen Pöbel. Auch fundamentlose Lästerer und Mahnfinger-Schwinger sollten sich und ihre Hintern vor Closer-verschmutzen Kinosesseln in Acht nehmen... Der entspannte Rest kann ja dann seine konkreteren Kommentare hinzubrösmeln, please! Ich fand Closer erste Sahne, super gut und äusserst vielschichtig.
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