Bridget Jones: The Edge of Reason (2004)
Bridget Jones: The Edge of Reason (2004)
Oder: Darcy vs. Cleaver
Realität ist kompliziert: Anders als in Märchen und Erzählungen geht das Leben auch nach dem Happy-End weiter. Eine Tatsache, die ganz schön nervt, wie Bridget Jones (Renée Zellweger) bald feststellen muss.
Denn in Mark Darcy (Colin Firth) hat sie zwar endlich den perfekten Mann fürs Leben gefunden. Doch bereits nach sechs unbeschwerten Wochen vollkommener Glückseeligkeit meldet sich in der Liebe der Alltag zurück und der rosa Schleier beginnt sich zu lüften. Marks neue - und in Bridgets Augen geradezu ausserirdisch attraktive - Assistentin verunsichert die pummelige Ms Jones und weckt eifersüchtige Gefühle. Ausserdem scheint die chaotische Bridget ein Talent dafür zu entwickeln, den immer korrekten Mark bei jeder Gelegenheit zu blamieren. Ein Umstand, der ihrer Beziehung nicht gerade gut tut.
Als ob die ständigen Missgeschicke und die Probleme mit Mark nicht schon genug wären, taucht auch noch Daniel Cleaver (Hugh Grant) - seines Zeichens charmanter aber unmoralischer Ex-Freund von Bridget und Erzfeind von Mark - an Bridgets Arbeitsstelle beim Fernsehen auf. Die totale Katastrophe ist damit vorprogamiert. Und während Bridget von einem Desaster ins nächste schlittert, scheint ein neuerliches Happy-End mit Mark Darcy immer mehr ins Reich der Märchen und Legenden abzudriften...
Kinofilm-Rating
Ein bisschen Witz, ein bisschen Liebe...
Betrachtung aus drei Blickwinkeln:
I) Der Film als Film für sich. Bridget Jones: The Edge of Reason ist eine romantische Komödie - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer schwarzen britischen Humor erwartet, wird genauso enttäuscht wie jemand, der auf Fäkalienwitze à la American Pie & Konsorten hofft. Bridgets Pleiten, Pech und Pannen sind unterhaltend, manchmal etwas brav und zahm, häufig aber doch ziemlich lustig. Renée Zellweger (Cold Mountain) ist eine durch und durch sympathische, leicht schrullige Bridget. Hugh Grant (About a Boy) macht in der Figur des egoistischen Womanizers einfach mehr Spass als in seinen sonstigen Darbietungen als scheuer aber treuer Goldjunge und sorgt für gute Unterhaltung. Einzig Colin Firth (Hope Springs) ist als geradliniger Mark Darcy etwas gar formell, und wenn Daniel Cleaver fragt, ob es wahr sei, dass Darcy sich beim Sex dafür entschuldige "jetzt dann zu kommen", dann kann man sich das relativ leicht vorstellen. Insgesamt ist The Edge of Reason ein Film, bei dem man als Zuschauer weiss, worauf man sich einlässt: Eine rund präsentierte Story, in der Handlung manchmal ein bisschen voraussehbar, in der Musik etwas gar durchschnittlich, alles in allem aber schwungvoll und sympathisch präsentiert. Viereinhalb Sternchen für die zur kalten (Kuschel)Saison passende Komödie.
II) Der Film als Sequel zu Bridget Jones's Diary. 2001 entstand unter der Regie von Sharon Maguire mit Bridget Jones's Diary der erste Film über die chaotische Single-Frau. Während die Truppe der Schauspieler praktisch unverändert geblieben ist, oblag die Regie für Teil 2 neu der Regisseurin Beeban Kidron (Swept from the Sea) (die übrigens, glaubt man den Angaben von www.hollywood.com, einst als Stripperin gearbeitet haben soll). Kidron hat gute Arbeit geleistet: The Edge of Reason braucht sich nicht zu verstecken und kann mühelos mit seinem Vorgänger Schritt halten. Nicht zuletzt dank der guten Buchvorlage muss sich der Film den Vorwurf, die gleichen Missgeschicke aus Teil 1 in anderer Form aufzutischen, nicht gefallen lassen: Bridgets Tritte von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen sind - wenn vielleicht nicht gerade superbrandneu - anders, überraschend und insgesamt sehr unterhaltend. Ergo: Fünf Sternchen für eine gelungene Fortsetzung.
III) Der Film als Umsetzung von Helen Fieldings Buch "The Edge of Reason". Buchverfilmungen sind so eine Sache. Manche Regisseure halten sich akribisch genau an die Vorlage (wie z.B. Peter Jackson mit seiner Lord of the Rings-Trilogie), bei anderen filmischen Umsetzungen reduziert sich die Gemeinsamkeit von Buch und Film insgesamt auf den Titel (aktuelles Beispiel: The Bourne Supremacy). The Edge of Reason seinerseits basiert - wie schon sein Vorgänger Bridget Jones's Diary - eher lose auf dem gleichnamigen Buch aus der Feder von Helen Fielding. Für das Grundmuster sind einige Szenen aus dem Buch als Ausgangslage genommen, dann aber abgeändert, gekürzt oder erweitert worden. Für den Leser des Buches, der sich punkto Handlung abgeklärt im Bilde wähnt, birgt das einerseits die eine oder andere Überraschung und damit ein spannenderes Filmerlebnis. Auf der anderen Seite macht sich aber auch leichte Enttäuschung breit, wenn die eigene Lieblingsszene stark verändert (Ski-Ausflug) oder gar ganz weggelassen wurde (Firth-Interview) oder ein Charakter nicht so umgesetzt worden ist, wie man es sich vorgestellt hat (Rebecca). Nichts desto trotz: Auch wenn für mich persönlich der Film punkto Witz und Unterhaltung nicht ganz an die gedruckte Vorlage heran reicht - insgesamt eine gute Umsetzung und vier Sternchen für Aspekt III.
Ergibt nach Adam Riese für die Gesamtnote: viereinhalb Sternchen.
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3.3 Sterne (72 Bewertungen) | 21 Kommentare



