Bride and Prejudice (2004)
Bride and Prejudice (2004)
Oder: der interkontinentale Bollywood-Schwank
Die Bakshis sind eine etwas ärmere Familie aus Amritsar, einem Kaff im Pandschab, Indien. Sie haben vier wunderschöne Töchter. Die älteste Jaya (Namrata Shirodkar) soll, wie es die Tradition verlangt, als erste unter die Haube kommen. Lakhi (Peeya Rai Chodhuri) - süsse sechzehn - zeigt sehr zum Missfallen der Mama gerne Bauchnabel. Maya (Meghnaa), die jüngste, tanzt wie eine Schlange. Die vierte im Bunde ist Lalita (Aishwarya Rai). Sie ist schlauer, als es die Konvention erlaubt, und steht beruflich keck ihre Frau.
Für eine Hochzeit kommt der Auslandsinder Balraj zu Besuch - für Mutter Bakshi die ideale Partie für Jaya. Er bringt seinen Freund William Darcy (Martin Henderson) mit, einen reichen amerikanischen Hotelbesitzer. Darcy denkt Indien ist rückständig und verhöhnt die traditionellen Tänze als "Innschruube. Useschruube." und "Hunde tätscheln". Bei Lalita blitzt er damit gnadenlos ab und auch der gemeinsame Aufenthalt an Goas Küste verbessert das Verhältnis der beiden zueinander nicht. Im Gegenteil: Lalita lacht sich am Strand lieber Johnny Wickham (Daniel Gillies) an. Der Rucksacktourist weiss, dass man mit zuviel Geld nie das wahre Indien kennen lernen und auch mit wenig Geld ein König sein kann.
Zurück in Amritsar hat Mutter Bakshi hat aber andere Pläne für Lalita. Mr. Kholi, ein Buchhalter mit Green Card, der aussieht wie ein Nasenbär. Er wohnt zwar nicht in Beverly Hills 90210, aber trotzdem nah genug bei Hollywood, dass die Mama ganz aus dem Häuschen gerät. Sein Motto "No Life without Wife" bringt ihn in der Gunst der Mutter auf die vordersten Plätze. Bei Lalita bewirkt er damit das komplette Gegenteil. Sie weiss nun nicht, für wen sie sich entscheiden soll. Der Mutter zuliebe für Mr. Kholi, oder Wickham, für den ihr Herz schlägt. Oder doch William Darcy, der vielleicht nicht so arrogant ist, wie er anfänglich schien. Gutaussehend ist er mit Sicherheit und dummerweise laufen sich die beiden in London oder Los Angeles immer wieder über den Weg.
Kinofilm-Rating
Nur in Indien kann wohl eine Frau noch so nach einem Ehemann schmachten wie die Protagonistinnen aus den Romanen von Jane Austen. Gurinder Chadha, die britische Regisseurin mit indischen Wurzeln, hat sich deshalb nach dem Fussballer David Beckham einer zweiten britischen Ikone gebeugt. Unschwer zu erkennen, diente Austens berühmtester Roman "Pride and Prejudice" dem Musical, das hier erzählt wird, als Vorlage. Dank amerikanischen und britischen Geldgebern (Miramax, UK Film Council) verlagert sich die Handlung vom Netherfield Park unter die Tower Bridge und über den Grand Canyon und natürlich auch zum goldenen Tempel von Amritsar. Trotz inländischer Filmcrews auf allen drei Kontinenten wurde Bride and Prejudice aber zum puren Bollywoodkitsch, der ein Bild von Indien vermittelt, das so beschränkt ist wie das Schweizbild bei einer von der SVP organisierten 1.-August-Feier.
Das Cast ist bunt gemischt und vereint Bolly- mit Hollywood. Der Star des Films ist die Julia Roberts Indiens Aishwarya Rai, die von der richtigen Julia Roberts die schönste Frau der Welt genannt wird. Neben der ehemaligen Miss World "Ash" gibt es mit Namrata Shirodkar noch eine Ex-Miss India zu bestaunen. Überhaupt zeigt der Film wieder einmal sehr gut, dass Indien weibliche Schönheit en masse zu bieten hat. Die Damen im Kinosaal dürften hingegen für Martin Henderson bekannt aus The Ring und Daniel Gillies, dem Astronauten in Spider-Man 2, schmachten. Und das ohne allzu sehr von den Machenschaften der weiblichen Konkurrenz auf der Leinwand abgelenkt zu werden. Chemie zwischen "Ash" und ihren männlichen Partnern kommt nie richtig auf. Was nicht nur an der Keuschheit der Bollywoodfilme liegt.
Den Gepflogenheiten entsprechend wird in Bride and Prejudice immer wieder getanzt und gesungen. Die Songs stützen sich, auch wenn teilweise in Englisch gesungen, auf indische Traditionen. Sie klingen deshalb nicht wie beim ähnlich international ausgerichteten Kisna - The Warrior Poet immerzu nach Céline Dion. "Marriage has come to Town" ist sogar richtig lüpfig und die Kostüme der Tänzer farbenfroh wie ein Regenbogen. Unterstes Eurovisionsgedudel erklingt bei "No Life without Wife". Aber die vier Töchter im Pyjama, die diesen Song trällern, entschädigen für vieles.
Schlussendlich ist Bride and Prejudice aber weit entfernt von Bend it Like Beckham, dessen Feel-Good-Faktor um einiges höher war. Die sexy Mixtur zweier Filmwelten misslingt, trotz witziger Anspielungen auf die kulturellen Unterschiede der Kinometropolen. Für die Inder hat es zu wenig Grand Canyon und die Westler zuwenig Bollywood. Wie es ausgeht, erkennen schnell auch die, welche die Austen Romane nicht kennen. Die einzige Überraschung bleibt die Laufdauer, die ungewöhnlicherweise unter zwei Stunden gehalten werden kann.
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