Before Sunset (2004)

Before Sunset (2004)

Oder: 9 years after Sunrise

Before Sunset

Die zwei im Redefluss

Jesse (Ethan Hawke) ist am Ende seiner Promotionstour für sein Buch angelangt, die ihn in zehn Tagen in zwölf Länder gebracht hat. Er hat die Nacht in Wien mit Céline zu einem Roman verarbeitet, das zum Bestseller wurde und wird nun in Paris von Journalistenfragen gelöchert. In sechs Stunden geht sein Flug zurück nach Amerika.

Céline (July Delpy) wartet aber schon draussen vor der Buchhandlung und bald geht es da weiter, wo sie 1994 aufgehört haben. Sie reden wieder über Gott und die Welt und was sich in den neun Jahren, seitdem sie sich das letzte Mal gesehen haben, getan hat in ihrem Leben.


Kinofilm-Rating

Wer hat sie sie nicht, die Bekanntschaften am anderen Ende der Welt, die man unverhofft oft wieder sieht. Diese Zeitzeugen vergangener Lebensepisoden, mit denen man fast vergessene Erlebnisse auffrischen kann und denen man auch nach Jahren der Trennung kein bisschen fremd ist. Um diese Art von Beziehung geht es in Before Sunset.

Eins vorneweg. Before Sunset kann man sich auch ohne Kenntnisse der Vorgeschichte aus Before Sunrise angucken. Der Film funktioniert für sich alleine. Ein bisschen mehr Spass macht's aber, wenn man Jesse und Céline schon mal zugehört hat. Denn dann ist die Freude über das Wiedersehen ähnlich gross wie bei den beiden Protagonisten im Film. Julie Delpy ist noch schöner als vor zehn Jahren und Hawke sieht über dreissig einfach besser aus. Und viele der Geheimnisse aus dem Film von 1995 werden während der Fortsetzung gelüftet. Hatten sie Sex im Park? Wenn ja, wie war es? Trafen sich die beiden wie versprochen sechs Monate später wieder oder nicht?

Céline, neuerdings Umweltaktivistin mit Songwriterqualitäten und Jesse, der Autor dessen Ehe scheiterte, löchern sich gegenseitig, wollen alles von einander wissen. Die Themen, die sie ansprechen sind immer noch interessant, und mit der Reife, die sie sich über die Jahre aneigneten, fühlt man sich, als sein man mit ihnen erwachsen geworden. Und trotzdem ist bald klar: Genau das, was sie mit der Nacht in Wien verhindern wollten, nie den Moment im Leben erreichen, wo man sich auf eine verpasste Chance zurückbesinnt, ist bei ihnen eingetreten. Céline und Jesse sind zwei verlorene Seelen, die das ganze Leben, ihren Idealen nacheiferten und dabei nie glücklich wurden. Deshalb verpasst Jesse den Flieger diesmal und nur Nina Simon darf wissen, was die beiden mit dem angebrochenen Abend noch machen werden. Schliesslich sind wir nicht mehr an der Donau sondern an der Seine. Und Paris ist bekanntlich die Stadt der Liebe.

4.8 Sterne
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17.05.2004 / rm