The Aviator (2004)
Aviator
The Aviator (2004) Aviator
Oder: A golly good Picture
Mit 22 erbt Howard Hughes (Leonardo DiCaprio) von seinem Vater die texanische Ölfirma und wird auf einen Schlag Multimillionär. Mit dem neuen Reichtum zieht es ihn nach Hollywood. Filmemachen ist sein Traum und Fliegen seine Leidenschaft. Sein Kriegsfilm "Hell's Angels" soll die beiden Obsessionen verbinden. Geld ist kein Problem. Bald hat Hughes die grösste private Flugzeugflotte Amerikas zusammengekauft. Kameras hat er zwar schon 24 - üblich waren damals maximal zwei - doch zwei mehr könnten es schon noch sein. Nur das Wetter will nicht wie Hughes es will. Ohne Wolken im Hintergrund sehen die Luftaufnahmen lahm aus, sagt der Regisseur, und da Wolken keine "mir nichts, dir nichts"-Requisiten sind bezahlt Hughes sein Team (inklusive Flugplatz und Werft) einfach nur für's Herumstehen, während man geduldig auf die richtige Wolkenkonstellation wartet.
Auch in der Wüste kamen dann einmal Wolken. Doch als der Film endlich im Kasten ist, wurde der Tonfilm bereits erfunden. Hughes lässt sich nicht lumpen und dreht einen Grossteil der Szenen nochmals - diesmal mit Ton. Diese Akribie Hughes' macht den Film zum teuersten seiner Zeit. Als er mit dreijähriger Verspätung in die Kinos kommt, ist er aber ein umfassender Erfolg. Howard Hughes wird DER Erfolgsproduzent.
Hughes setzt nun aber vermehrt auf die Fliegerei. Sein bei den Dreharbeiten zu Hell's Angels angeeignetes Wissen über die Luffahrt erweist sich als hilfreich bei den Plänen des Luftfahrtpioniers. Er bricht Charles Lindberghs Geschwindigkeitsrekord und konkurrenziert mit seiner Fluglinie TWA, die er aufgekauft und zum boomen gebracht hat, den Monopolisten PanAm auf der Atlantikroute. Der PanAm-Vorstandsvorsitzende Juan Trippe (Alec Baldwin) ist nicht erfreut. Es bleibt aber auch ihm nur noch das staunen, als Hughes in 91 Stunden rund um den Globus fliegt.
Auch den Frauen entgeht Hughes' Erfolg nicht. Gegensätze ziehen sich an während seiner Beziehung zur elitären Katherin Hepburn. Die schnellsprechende Dame von der Ostküste will nicht so recht zum introvertierten und in grosser Angst vor einer Vireninfektionen lebenden Texaner passen. Die Beziehung geht zu Bruch und die kühle Ava Gardner (Kate Beckinsale) und das Starlet Faith Domergue (Kello Garner) folgen als Objekte der Begierde.
Doch Hughes wahre Leidenschaft bleibt das Fliegen. Bei einem Flugzeugabsturz wird er lebensgefährlich verletzt. Seine Phobie vor Keimen wird immer akuter. Die Konkurrenz von PanAm will ihn in einem Senatshearing endgültig aus dem Weg räumen. Kann er sein Lebenswerk fortsetzen?
Kinofilm-Rating
Obwohl Howard Hughes etwa genau so reich wie Mr. Burns war, kennt man ihn bei weitem nicht so gut wie den schwerreichen Atomkraftler aus Springfield. Vielleicht ist Hughes den einen ein Begriff als mysteriöser Einsiedler, der mit eklig langen Fingernägeln und einer riesigen Angst vor Keimen in der obersten Etage von Hotels hauste, wie ihn die Biographen in der zweiten Hälfte seines Lebens beschreiben. Andere wissen von seiner Glanzzeit in Hollywood als Produzent von Hell's Angels, Scarface (1932) oder The Outlaw davor. Unter Aviatik-Fans ist er legendär als der der Gründer der Trans World Airlines (TWA) und der Erbauer der "Spruce Goose", dem Flugboot mit der grössten Spannweite sowie der grössten Flügelfläche aller jemals gebauten Luftfahrzeuge.
Martin Scorseses Film The Aviator befasst sich mit der glorreicheren Zeit im Leben dieses aussergewöhnlichen Menschen. Leonardo DiCaprio verkörpert Howard Hughes zwischen 1927 und 1947 als einen Mann, der Filme, Flieger und Frauen liebte. Wer sich nur für eines dieser drei Themen ein bisschen interessiert, sollte sich den Film anschauen gehen.
The Aviator ist ein Traum für Filmgeeks. Das Logo des Films, die Stars, die Hughes in seinem Leben traf, die Anekdoten von den Dreharbeiten und die Probleme mit dem Hays Code erinnern an längst vergangene Tage aus der Glitzerwelt Hollywoods. Aber auch dem gelegentlichen Kinogänger werden die drei Stunden Film nie lange vorkommen. Wenn diesen Leuten aber die seltsam grün-rötlichen Farben auffallen, muss ihnen gesagt werden, dass es sich dabei um einen genialen Filmtrick handelt. Scorsese benutzt bei der Farbgebung im Film immer genau die technische Möglichkeit, die damals zur Verfügung stand. Die Szenen vor 1938 sehen in The Aviator deshalb aus, als wären sie mit grünem und rotem Zweiband-Technicolor aufgenommen worden. Sehr gut zu sehen auf dem Golfplatz. Erst später kommt die komplette Farbpalette im Film zum Zug. Dann endlich auch das pure Blau und zwar in einer leuchtenden Qualität, wie man sie aus den allerersten Technicolorfilmen wie The Wizard of Oz kennt. Digitaleffekt sei dank.
Auch die Actionszenen im Film sind oft digitale Effekte, wie man sie bei Martin Scorsese noch nie gesehen hat. George Lucas soll ihn ja bei seinem Besuch des New York Sets in der Cinecittà in Rom, das die Zeit darstellte, als der Big Apple noch selber in den Pferdeäpfeln versank, schmunzelnd darauf hingewiesen haben, dass solche Kulissen heutzutage easy am Compi gemacht werden können. Das hat sich Scorsese bei diesem Film sehr zu Freude der Fliegerfans zu Herzen genommen. Bei Dreharbeiten zu Hell's Angels, dem Top Gun der 30er Jahre, flog Hughes gleich selber mit der Kamera mit. An anderer Stelle stellte er den absoluten Fluggeschwindigkeitsrekord von 567 km/h auf. Sein Jungfernflug mit der "Sproose Goose", dem riesigen Flugzeug aus Holz, sollte sein einziger bleiben. All dies zeigt der Film teilweise per CGI in atemberaubender Schönheit. Aber auch die althergebrachte Modeltechnik kommt zur Verwendung bei Hughes fast tödlich verlaufenem Absturz über Beverly Hills, wo einem die Flammen seltsam gross erscheinen, weil man sich schon so sehr an digital entzündetes Feuer auf der Leinwand gewöhnt hat.
Hughes war aber nicht nur als Pilot ein Siebesiech. Seine Frauengeschichten sind ebenso legendär. Prominent besetzt sind die Rollen seiner Affären. Jane Harlow, Ava Gardner, Katherine Hepburn und eine Reihe anderer Bekanntschaften tauchen in The Aviator als Figuren auf. Cate Blanchett nervt vorzüglich mit den Eigenheiten, die sie der richtigen Katherine Hepburn abgeguckt hat. Dass die Erinnerungen an Hepburn halt meist schwarzweiss sind, ist nicht ihr Problem, aber die vielen aufgemalten Sommersprossen verstärken dieses Gefühl der Ungewohntheit. Kate Beckinsale füllt Ava Gardners Rolle auch deshalb gut, weil sie merklich zugenommen hat. Sie hat aber nicht viel Interessantes zu tun im Film. Dass alle von Gwen Stefani als Jane Harlow reden, ist sicherlich toll für ihr Soloalbum. So sehr ich aber das Video zu "What you waiting for" liebe, eine richtige Schauspielerin ist sie leider nicht. Da könnte man genau so gut das Model Josie Maran erwähnen, deren Auftritt etwa gleich kurz ist.
Bei den Männer ist ganz klar Leonardo DiCaprio der Main Act. John C. Reilly fungiert als Stichwortgeber und Alec Baldwin ist als Chef der Pan Am der Erzfeind von Hughes. Das wiederspiegelt wahrscheinlich so ziemlich die richtigen Lebensumstände des Multimilliardärs, der immer viele Fachleute um sich scharte, aber nie jemanden auf gleicher Höhe haben konnte. DiCaprio selber ist eher energetisch als charismatisch. Die Rolle passt, der Junge ist schliesslich auch schon dreissig Jahre alt. Aber er ist halt immer noch "Leo". Er hat vor allem Kredit, weil ihn Scorsese in den Club brachte und auf ihn baut. Deshalb fällt es immer schwerer, ihn nicht mehr ernst zu nehmen.
Ob nun Frau, Flieger oder Film. The Aviator ist vor allem sehr unterhaltend auch für die breite Masse, was bei Scorseses letzten Filmen nicht immer der Fall war. Nie sind die drei Stunden Filmdauer eine Qual. Dass die etwas drastischeren Seiten im Leben von Howard Hughes wie Heroinsucht, Bisexualität, Paranoia und sein körperlicher Verfall zwar nicht komplett ausgespart werden, aber doch vor allem nur als ein krankhafter Putzfimmel gezeigt werden, steigert die Chancen für den Oscar. Vielleicht gibt es den dieses Jahr endlich für Martin Scorsese. The Aviator ist grosses Kino über einen megalomanischen Self-Made-Man mit einem Psychotick. Normalerweise liebt die Academy so was.
![]()
4.3 Sterne (115 Bewertungen) | 28 Kommentare




