Alles auf Zucker! (2004)
Alles auf Zucker! (2004)
Oder: Zwischen Queue und Beerdigung
Als Jaeckie Zuckers (Henry Hübchen) Mutter stirbt, kommt ihm dies ziemlich ungelegen. Das hat verschiedene Gründe. Erstens wünscht sich seine jüdisch-orthodoxe Mamme ein Grab in Berlin, bei Jaeckie. Das bedeutet zweitens, dass Jaeckies ungeliebter und strenggläubiger Bruder Samuel (Udo Samel) mitsamt Familie und Mutter im Sarg aus dem westlichen Frankfurt anreist. Was wiederum Jaeckie gewaltig nervt, weil er drittens in einer Ehekrise steckt und viertens kurz vor dem Schuldenknast steht.
Doch es kommt noch dicker: In ihrem Testament hat die Mamme festgehalten, dass Jaeckie und sein Bruder zusammen mit ihren Familien im Anschluss an das Begräbnis sieben Tage Shiva (ein jüdisches Trauerritual) sitzen müssen. In dieser Zeit, in der niemand das Haus verlassen darf, sollen sich Jaeckie und Samuel nach vierzig Jahren Streit endlich aussöhnen. Gelingt ihnen dies nicht oder bricht jemand die Shiva, fällt das Erbe an die örtliche jüdische Gemeinde und die Zuckermanns gehen leer aus.
Alleine die Aussicht, sich sieben Tage mit dem verhassten Bruder herumschlagen, die eigene zerwürfelte Familie irgendwie zusammen halten und sich wie ein orthodoxer Jude benehmen zu müssen, ist für Jaeckie ein einziger Alptraum. Noch viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass just in diesen Tagen ein grosses Pool-Turnier stattfindet - ein Turnier, das Jaeckie zu gewinnen gedenkt. Billard ist nämlich das Einzige, was der ehemalige Sportreporter wirklich im Griff hat. Und das Preisgeld von 100'000.- Euro braucht er allerdringendst.
Was tun? Während Jaeckies Frau Marlene (Hannelore Elsner) einen Crashkurs in Sachen jüdische Religion ablegt, Samuels Tochter Jana (Anja Franke) Jaeckies stammelnden Sohn Thomas (Steffen Groth) verführt und überhaupt das Zucker'sche Haus vollgestopft ist mit durchgeknallten, entfremdeten und anderen Familienmitgliedern, versucht Jaeckie alles, um heimlich an seinem Billard-Turnier teilnehmen zu können. Das vollkommene Chaos ist damit vorprogrammiert...
DVD-Rating
Als der Film im Kino lief, hatte ich ihn mir mangels Alternativen angesehen, und war... na ja, nicht so ganz überzeugt. Natürlich war der Film lustig, aber irgendwie konnte er mich trotzdem nicht so ganz überzeugen. Dann bekam ich den DVD. Weil ich die Geschichte ja schon kannte, sah ich mir zuerst die Extras an, wobei mich besonders das Making of faszinierte... und guckte darauf den Film mit völlig neuen Augen. Was man zweifellos feststellen kann: Die Besetzung ist grossartig. Besonders angetan haben es mir Hannelore Elsner, für einmal blond, und der wunderbare Udo Samel als orthodoxer Bruder Samuel. Die beiden sind wie gemacht für ihre Rollen. Aber auch der übrige Cast ist bis in die Nebenrollen super besetzt. Golda Tencer als Samuels Frau ist eigentlich Leiterin eines jüdischen Theaters. Sie ist Polin, die kaum ein Wort Deutsch kann. Trotzdem macht sie ihre Sache dank versteckter Zettelchen sehr überzeugend... nach ein paar Anläufen.
Der Regisseur Dani Levy gab sich sehr viel Mühe, den Film authentisch zu gestalten. Er hat zwar jüdische Wurzeln, praktiziert aber selber nicht. Daher holte er sich Hilfe bei seinem Schwager, der orthodox und Rabbinersohn ist. Da kam es schon mal vor, dass Levy mitten in einer Szene per Handy nachfragte, ob auch wirklich alles an der Deko stimmt. Obwohl Levy auf die Details Wert legt, geht er die Geschichte mit viel Schalk und Ironie an. Liebevoll wird darauf hingewiesen, dass Jude sein ganz schön kompliziert sein kann. Ich frage mich allerdings, wie viele kleine Anspielungen uns Nichtjuden entgehen.
Das 50-minütige Making of ist meiner Meinung nach der Höhepunkt der Extras. Die anderen sind eher Durchschnitt. Ein Trailer zum Film, die Biographien der SchauspielerInnen und einige Eindrücke vom Entstehen der Musik, die mir übrigens sehr gut gefallen hat.
Doch zurück zur Filmkritik. Levy hat eine temporeiche Komödie geschaffen, die vor allem von den Gegensätzen ihrer Figuren lebt. Natürlich geht es vor allem um den schrägen Jaeckie, doch mich unterhielten vor allem die Verwirrungen innerhalb der Familien. Die orthodoxen Zuckermanns aus Frankfurt vs. die unkonventionellen Zuckers aus Berlin, das kann ja nicht gut gehen.
Meine Empfehlung: ansehen und lachen.
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4.2 Sterne (46 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 29.09.2005
- Bildformat: 1:1.33
- Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1)
- Extras: Audiokommentar, Biographien, Dokumentation, Trailer, Making-of



