Ab-normal Beauty - Sei mong se jun (2004)

Ab-normal Beauty - Sei mong se jun (2004)

Oder: This Torture is brought to you by Nikon

Ab-normal Beauty - Sei mong se jun

Jede/r hat ein Hobby...

Die schöne Kunststudentin Jiney gehört zu den Klassenbesten. Die Sujetauswahl ihrer Fotografien langweilt sie aber sehr. Bis sie eines Tages an einen Autounfall läuft und nicht anders kann als den Auslöser zu drücken. Sie kommt auf den Geschmack und fotografiert von nun an die etwas makaberen Dinge: Zermantsche Vögel, überfahrene Hunde, keine Leiche ist vor ihren Objektiv mehr sicher. Sie ergötzt sich in der Metzgerei bei der Pouletverarbeitung und findet bald auch Bücher anderer Fotografen, die sich mit demselben Thema befassen.

Jineys Umfeld reagiert zunehmend verstört auf die Besessenheit, bis auf die Mutter die emotional und physisch auf Distanz zu ihrer Tochter geht. Als es nach dem extatischen Miterleben eines Selbstmordes sogar Jiney selber zu viel wird, hilft ihr ihre beste Freundin Jasmin, darüber hinweg zu kommen. Gerade als sie geheilt zu sein scheint landen in ihren Spind aber weitere Fotos von verstümmelten Menschen und jemand, der eine ähnliche Fantasien wie Jiney hat schickt ihr Snuff-Videos...


Kinofilm-Rating

Die Zwillingsbüder Oxide Pang Chun und Danny Pang gehören zum Grüppchen der asiatischen Horrorfilmer, die sich in den letzten Jahren weltweit einen Namen machen konnten. Ihr bekanntester Film The Eye wird zur Zeit von Hideo Nakata (The Ring 2) hollywoodisiert - mit Tom Cruise auf dem Produzentenstuhl.

Ab-Normal Beauty der am fünften Festival du Film Fantastique in Neuchâtel gezeigt wurde, zeigt die Stärken und Schwächen der Gebrüder Pang gleichermassen. Visuell sind ihre Filme blendend. Ausgeklügelte Farbwahl verbunden mit einem gekonnten Schnitt. Die Fotos von Jiney werden in die Handlung integriert. Immer wieder sitzt sie in ihrer Dunkelkammer, wo sich spezielle Lichtverhältnisse anbieten. Ebenso stylisch ist der Soundtrack, manchmal sphärisch wie Enya dann mit mehr Perkussion. Diese beiden Elemente fallen sofort auf und lenken ab von der Handlung, die überladen und nur dürftig stringent ist. Genau genommen sind es sogar zwei Geschichten, die durch eine kitschige Frühstücksszene nach der vermeintlichen Heilung Jineys verbunden sind. Zuerst wird einem Jineys morbide Obsession näher gebracht, dann wird Ab-Normal Beauty zum brutalen Stalkerfilm. Ein Kindheitstrauma und eine latent lesbische Beziehung sollten ausserdem Tiefe vorgaukeln, sind aber vom Drehbuch nicht wirklich zu Ende gedacht.

Wenn deine Vorstellung von guter Unterhaltung, die Folter asiatischer Fräuleins ist, solltest du dir Ab-Normal Beauty auf die Liste nehmen. Wegen dem limitierten Schauspielerpersonal (numerisch wie künstlerisch) funktioniert der Film als Whodunnit nur bedingt. Verstörend in Erinnerung bleibt Hauptdarstellerin Race Wong mit einer kosmetischen Gesichtsmaske. Ein typisches Bild für die Pang Brüder. Es hat rein nichts mit der Handlung zu tun, sieht aber ausserordentlich aus.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

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30.06.2005 / rm