5x2 (2004)

5x2 (2004)

Oder: Szenen einer Ehe

5x2

Liebe ist, gemeinsam der Sonne entgegen zu waten.

Scheiden tut weh. Vor allem, wenn einem der Scheidungsrichter das Dokument, das die Trennung besiegeln soll, nochmals laut und deutlich vorliest, bevor man zur Unterzeichnung desselben schreiten darf. Marion (Valeria Bruni-Tedeschi) und Gilles (Stéphane Freiss) tragen es mit der nötigen Fassung.

Eine nochmalige Nacht gemeinsam im selben Hotelzimmer zeigt, dass da wirklich nicht mehr viel zu retten ist. Das war mal anders in den letzten vielleicht fünf Jahren. Damals in Italien, als sie sich kennen lernten, bei ihrer Hochzeit, bei der Geburt des Kindes oder wenn der Bruder von Gilles zu Besuch war...


Kinofilm-Rating

François Ozons neuester Film befasst sich mit der Frage, was es heisst, ein Paar zu sein. Das Paar im Film durchlebt nochmals fünf Szenen ihrer Ehe. Und zwar beginnt Ozon mit dem Ende; wie mit den Erinnerungen, die auch frischer sind, je kürzer sie zurück liegen. Durch die Umkehr des zeitlichen Ablaufs wird aus der Liebesgeschichte, die schlecht endet eine, die gut anfängt, wie es Hauptdarstellerin Valeria Bruni-Tedeschi ausdrückt.

So geht es also zurück in der Zeit und es fällt einem nicht sofort auf, aber der Regisseur bestätigt es im Interview, dass jede, der mit sentimentalen Canzoni verbundenen Episoden sich stilistisch an einem anderen Filmgenre orientiert. Der Film beginnt mit einem psychologischen Kammerspiel im Hotelzimmer. Das Abendessen mit Gilles Bruder und seinem festen Freund ist eine Art klassischer französischer Film. Die Hochzeit orientiert sich an amerikanischen Filmen wie The Deer Hunter. Das Kennen lernen soll in etwa die Atmosphäre der Sommerfilme von Eric Rohmer widerspiegeln.

Ozon bleibt dem Krimigenre, in dem er sich mit seinen letzten Filmen 8 Femmes und Swimming Pool bewegte, aber im Geiste treu. Statt der Frage "Wer ist der Mörder?" wird die Spannung durch die Frage "Wie kamen die Zwei zusammen?" aufrecht erhalten. Trotzdem bleibt man am Schluss ein bisschen ratlos im Saal zurück. Ist am Ende Gilles sogar ein verakappter Homosexueller? 5x2 deutet immer nur an, woran eine Paarbeziehung scheitern könnte. Die letzte Einstellung vor dem eigentlich romantischen Sonnenuntergang ist trügerisch lange. François Ozon lässt dem Zuschauer bewusst Zeit, die Gedanken über das Gesehene zu ordnen.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (16 Bewertungen) | 8 Kommentare

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31.08.2004 / rm