Young Adam (2003)

Young Adam (2003)

Oder: Obi-Wan macht sich an die Frauen ran

Young Adam

Damit das klar ist. Das nächste Mal auf einer Matraze, bitte.

Joe (Ewan McGregor) befindet sich im Schottland der Nachkriegszeit in einer Lebenskrise. Er hat auf einem Boot in den Kanälen zwischen Glasgow und Edinburgh angeheuert und findet bei Familie des bodenständigen Les (Peter Mullan) und dessen Ehefrau Ella(Tilda Swinton) Arbeit. Eines Tages wird die Leiche einer jungen Frau angeschwemmt?

Die Polizei findet bald einen Verdächtigen, den Klempner, der die junge Frau als letzter besucht hat. Joe scheint aber mehr über die Leiche zu wissen, als er zugibt. Während Les fasziniert ist von den Berichten über "seinen" Fund in den Zeitungen lassen sich Joe und Ella auf eine heimliche Affäre ein...


Kinofilm-Rating

"Unzensurierte Fassung" steht auf dem Flyer zu Young Adam. Und man hat gehört, dass Ewan McGregors kleiner Freund auch einen Auftritt haben soll. Hoppla, denkt man sich und ist unsicher, ob die Amis mal wieder ihrer ureigenen Prüderie freien Lauf liessen, oder ob da tatsächlich das Sittlichkeitsgefühl einer vom deutschen Privat-TV gestählten Seele zu Schaden kommen wird. Gerammelt wird tatsächlich alle 10 Filmminuten. McGregors Joe ist ein chronischer Womanizer, der sich auf alles Weibliche in seiner näheren Umgebung stürzt - im Gras, im Hinterhof, auf Asphalt (Autsch!), unter Deck, mit Zuschauer, ohne. Ketchup und Salz kommen in der kontroversesten Szene auch mal vor. Spass scheint es ihm aber trotz Brutal-Erotik nicht zu machen. Grimmig schaut er auch postkoital drein und passt sich der sowieso schon düsteren und trostlosen Atmosphäre des Films an. Je mehr man den verschwiegene Anti-Held Joe kennt, desto klarer wird, dass der mit der erhöhten Quantität an Sex seiner innere Leere betäuben will. Selbstlos zeigt sich der Neo-Matrose mit der vergeigte Karriere als Autor nur zweimal im Film, ohne dass es sich für ihn gross lohnen würde.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexander Trocchi. Der Schotte war ein Heroinsüchtiger, der sogar die Eherau zur Prostitution zwang, um seine Sucht zu finanzieren. Er hat sich konstant gegen die Normen der Gesellschaft gewehrt. Trotz seiner Drogensucht hat er es immer noch fertig gebracht, zu schreiben und seine Bücher haben andere Autoren wie Irvine Welsh (Trainspotting) beinflusst. Nach seinem Tod 1984 ist in Schottland ein Kult um den "gequälten Künstler" entstanden. Dies erklärt die allesamt schottischen Hauptdarsteller des Films. Neben McGregor sind mit Tilda Swinton, als undursichtige Mutter, und Peter Mullan, dem gehörnten Les, das Beste, was das Schottische Kino zu bieten hat, zu sehen. Erstaunlicherweise versteht man die Schotten ohne Probleme. Deren Dialekt ist, zumindest in diesem Film, nicht allzu unverständlich ausgeprägt.

Die guten Darsteller und die exzellente Fotografie retten den Film halbwegs, der sonst nur für Fans von Trocchi und McGregor von Interesse sein sollte. Vielleicht wird der Soundtrack von David Byrne noch ein paar Leute ins Kino locken. Die Sexszenen und der eingangs erwähnte kleine Freund sind die Aufregung nicht wert. Allesamt schlaff wie die Zigarette, die im Mundwinkel des Hauptdarstellers baumelt.

3.6 Sterne
3.6 Sterne (37 Bewertungen) | 9 Kommentare

2.52.5
21.07.2004 / rm