The Yes Men (2003)

The Yes Men (2003)

Oder: Yes zum Protest

The Yes Men

Yes. Ich will.

Alles begann, als Andy Bichlbaum und Mike Bonanno eine Website mit einer ähnlichen Adresse wie die offizielle Internetpräsenz von George W. Bush starteten. Sie glich dem Original bis auf wenige Details, und darauf wurde über die Missstände im Umfeld des Weissen Hauses berichtet. W. was not amused und sprach von "Grenzen der Freiheit", die einzuführen seien.

Was für Bush klappte, sollte auch mit der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf funktionieren. Andy und Mike bekamen den Auftrag, unter gatt.org deren Seite zu imitieren. Mit Erfolg. Bald schon landeten die ersten E-Mails mit Einladungen zu Konferenzen in der Inbox von Mike und Andy. Als "offizielle" Vertreter der WTO forderten sie dann in Salzburg das Ende des "grotesk ineffizienten Systems der Volkswahl" durch den Verkauf des Stimmrechts an den Meistbietenden.

TV-Auftritte folgten und die beiden stellten in Tampere den "Business Leisure Suit" vor. Ein goldener Anzug, der Manager per Implantate spüren lässt, wie es seinen Arbeitnehmern geht, während erstere die Freizeit besser geniessen können. Per Bildschirm, der an einem aufblasbaren Phallus eingebaut ist, sind sie dabei immer in Kontakt mit der Belegschaft. Andy und Mike schreckten auch nicht davor zurück, in Australien die Abschaffung der WTO zu verkünden. Man glaubte ihnen - fast überall.


Kinofilm-Rating

Die beiden Yes Men Andy Bichlbaum und Mike Bonanno sind eigentlich nichts anderes als erwachsene Lausbuben. Sie hatten ihren Spass schon vor dem im Film von Chris Smith, Dan Ollman und Sarah Price gezeigten Projekt des WTO-Mimikry. Bonanno gründete die Barbie Liberation Front (BLO), welche Soundchips aus Barbiepuppen mit denen aus "GI Joe"-Figuren austauschte. Plötzlich verkündeten Barbies, dass nur Tote keine Lügen erzählen, während die Buben von ihren Spielzeugsoldaten zum Shopping aufgefordert wurden. Bichlbaum programmierte eine Sim-City-Version so um, dass muskulöse Männer in Badehosen in der PC-Game-Szenerie rumknutschen wollten.

Beide Beispiele zeigen, wie einfach es für die beiden Smart Asses ist, Medienaufmerksamkeit zu erhaschen. Ähnlich leicht scheint es, als WTO-Vertreter ernst genommen zu werden. The Yes Men zeigt auf erschreckende Art und Weise, dass jeder ein Experte sein kann in der heutigen Businesskultur. Frei sprechen können, die Haare scheren, einen Anzug von der Stange und ein paar Kumpels, die professionell Powerpoints und Websites gestalten können, und es stehen dir Tür und Tor offen. Die wie Füllmaterial für eine längere Filmlaufzeit wirkenden Szenen vom Hemdenkauf und der Kopfrasur zeigen die Einfachheit der Methoden, welche die akribische Vorbereitung der Vorträge der Yes Men unterstützen. Da stecken ein paar Mannstunden in jedem ausgeführten Streich. Weder die komischen Künstlernamen wie Hank Hardy Unruh, mit dem sie in Finnland auftreten, noch der total debile "Business Leisure Suit", der weder praktikabel ist noch plausibel irgendwelche Unternehmerprobleme lösen kann, macht die Leute stutzig. Nur ein paar amerikanische Studierende zeigen die erwarteten Reaktionen wie Ärger und Unglauben. Die Obrigkeitsgläubigkeit, welche die Yes Men zu Tage fördern, ist deprimierend.

Unklar bleibt, was die Yes Men genau erreichen wollen. Sie verstehen sich als eine Art Spiegelkabinett, das die Realität verzerrt wiedergibt, und die Menschen so auf ihre eigenen Schwächen hinweist. Ein konstantes Zustimmen - deshalb Yes Men - bis die Überzeugung des anderen so laut wiedergegeben wird, dass er selber hört, wie falsch sie eigentlich ist. Dabei geht vergessen, dass nicht alle den gleichen Wissensstand über die kritisierte Organisation haben. Mehr Infos zur WTO wären hilfreich gewesen. Die Welthandelsorganisation lassen sie nämlich nur kurz von Michael Moore erklären, der im Film zweimal kurz in die Kamera spricht.

Im Fahrwasser der Erfolge des Vorzeigelinken Moore schippern nun vermehrt pseudodokumentarische Selbstdarsteller mit Filmen in miserabelster Bildqualität in die Kinos. Wie auch bei Super Size Me ist The Yes Men gerechtfertigt durch die Tatsache, dass man gewisse Szenen einfach gesehen haben muss, um sie zu glauben. Ansonsten könnte man die Fälle der Yes Men auch im Internet nachlesen. Sie sind sehr gut dokumentiert. Aber dann hätten die erwachsenen Lausbuben Mike und Andy auch weniger Spass.

4.2 Sterne
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24.01.2005 / rm