Wrong Turn (2003)

Wrong Turn (2003)

Oder: Retro-Horror für die 00er Jahre

Wrong Turn

"Wo hab ich bloss meinen Holzpflock?"

Chris Finn (Desmond Harrington) ist unterwegs zu einem Job-Interview. Alles läuft optimal, sein frisch renovierter Mustang schnurrt herrlich und er ist zuversichtlich, dass das Leben besser nicht sein könnte.

Als er eine, durch einen Autounfall blockierte, Strasse nicht passieren kann, macht er Kehrtwende und findet einen Weg durch den Wald, der eine Abkürzung zur Autobahn verspricht. Der Weg sieht zwar unbefahren aus, aber was soll's. Wir sind ja nicht in einem Horrorfilm, oder?

Wrong Turn

"Ich glaube, sie ist tot, Jim"

Also macht er sich auf den Weg und fährt, bedingt durch Ablenkung im Wald und den unebenen Boden, in einen stehenden Range Rover. Auch das noch! Die Besitzer des Wagens, Jessie (Eliza Dushku) und ihre Freunde, sind durch eine Stacheldraht-Falle zum Stillstand gekommen. Da sind sie nun. Eine Gruppe von Menschen im grossen, dunklen Wald. Was jetzt? Auf der Suche nach einem Telefon, bleiben 2 Personen bei den Autos, während sich der Rest auf die Wanderschaft begibt.

Schon bald entdecken die Fremden eine Waldhütte, die zu ihrem Schrecken mit allerlei gräulichem Jagdwerkzeug und erschreckenden Jagd-Souvenirs ausgestattet ist. Als dessen Bewohner mit diversen frischen Leichen, plus den beiden kaputten Autos im Schlepptau ankommen, scheint die Lage aussichtslos. Und allmählich wird auch dem langsamsten Denker klar, dass sie sich hier auf einer Jagd befinden. Und zwar als Beute.....


DVD-Rating

Ich könnte mich auslassen darüber, dass der Teenie-Slasherfilm nicht einfach totzukriegen ist. Nachdem die Scream-Serie von Kevin Williamson alle Klischées auf äusserst amüsante Art ironisch in die Postmoderne geführt hat, dachte man sich trotz all den Nachfolgefilmen, dass die Sache nun ein Ende genommen hätte. Wrong Turn zeigt, dass dem nicht so ist.

Ohne Augenzwinkern verlaufen sich junge Menschen wieder im Wald, überleben als Jungfrauen und sterben mindestens zehn Minuten nach Vollzug des Geschlechtsaktes blutige Tode auf der Leinwand. Die ewig gleichen Strukturen machen auch heute noch Kasse. Es gehört wahrscheinlich zum Erwachsenwerden, mit einem Horrorfilm im Kino oder auf Video die Grenzen der eigenen Furcht auszuloten. Beim Schreibenden war das damals Friedhof der Kuscheltiere. Aber wie gesagt, wollte ich mich ja nicht darüber auslassen. Denn Wrong Turn ist ein erstaunlich guter Film, trotz oder gerade wegen seiner filmhistorischen Vorgeschichte. Endlich wieder ein gradlinig erzählter Horrorfilm, ohne postmodernen Sarkasmus. Die Freude an Wrong Turn ist ähnlich den Gefühlen beim Wiederaufleben von Shows wie "Was bin ich?" im Fernsehen. Was früher schon Zuschauer fand, kann doch heute nicht schlecht sein? Die mode- und trendbewusste Jugend von heute guckt sich die Klassiker aus den Siebzigern ja nur schon wegen der Frisuren nicht an. Deshalb hat so ein Update durchaus seine Berechtigung. Ich wünsche allen viel Vergnügen bei der Mutprobe. Es gibt in den untersten Regalen der Videotheken viel Schlechteres zu diesem Zwecke. Und wenn ihr dann das Alter erreicht, wo man zu denken beginnt, dass früher alles besser war, habt ihr wenigstens recht in Bezug auf "die guten alten Horrorfilme mit Eliza Dushku".

Die Floskel von der guten alten Zeit wollte ich eigentlich nicht verwenden. Nun ist es doch passiert...Aber über klischéebehaftete Horrorfilme wollte ich mich ursprünglich auch nicht auslassen.

Die DVD im Detail

Das anamorphe Bild ist solid, erreicht aber nicht die Referenzklasse. Tonspuren gibt es deren fünf: Deutsches Dolby Digital und DTS, englisches Dolby Digital und noch je eine englische und deutsche, die für 5.1 Sound im Kopfhörer sorgen soll. Dieser sogenannte Headphone-Surround hat aber nicht so richtig funktioniert beim Test. Der Ton ist sonst recht beeindruckend. Eine breite Stereofront, viele Splitteffekte und immer wieder Waldgeräusche von allen Seiten. Ob die deutsche Synchro auch so effektvoll ist, konnte ich leider nicht beurteilen. Die Dialoge und vor allem Dushkus Stimme waren einfach zu dämlich. Leider stand ihre deutsche Stimme aus Buffy nicht zur Verfügung.

Eliza Dushkus raues Original-Organ hört man dafür auf dem Audiokommentar. Zusammen mit Desmond Harrington und Regisseur Rob Schmidt blödelt sie sich durch die 90 Minuten hindurch. Nicht sonderlich prickelnd, auch wenn die drei den Film nicht allzu ernst zu nehmen scheinen und sich gegen Ende immer mehr über ihre Figuren lustig machen.

Hörgeschädigte sind mit der Wrong Turn-DVD doppelt gestraft. Zwar gibt es für sie spezielle Untertitel. Bei Wrong Turn sind sie aber mit Farben für die verschiedenen Sprecher ausgestattet, wie man das aus der Teletext-Untertitelung kennt. Das ist alles eigentlich recht nett. Nur bei Horrorfilmen in der Art von Wrong Turn wird einem damit die Spannung verdorben. Da nur den wichtigsten Darstellern Farben zugeteilt werden, ist schnell klar, dass wer im neutralen Weiss redet, nicht überleben wird.

Im übrigen ist noch viel weiteres Material auf der mit Spoilerbildchen verschandelten Hülle vermerkt. Altmeister Stan Winston, der die Masken machte, und Eliza Dusku, das "Babe in the Woods", werden in ihren eigenen Features über den Klee gelobt. Making-of, Behind the Scenes Footage, Interviewschnipsel, den Trailer und das mit neun Minuten am längsten dauernde Berichtchen "Frischfleisch: Die Make-up Effekte" sind auch nicht sonderlich erhellend. 12 weitere Trailer, alle deutsch ausser dem Hong Kong-Film Internal Affairs, der englisch synchronisiert wurde, kann man sich auch noch angucken.

3.6 Sterne 3.5 Sterne
3.6 Sterne (91 Bewertungen) | 10 Kommentare

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
23.03.2004 / muri (Inhalt), rm (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 17.03.2004

  • Bildformat: 1,85:1 (anamorphic Widescreen)
  • Sprachen: Deutsch 5.1 und DTS, Englisch 5.1, Headphone Surround in beiden Sprachen
  • Untertitel: deutsch für Hörgeschädigte
  • Extras: Audiokommentar von Rob Smith, Desmond Harrington und Eliza Dushku, Making-Of, "Frischfleisch: Die Make-up Effekte", "Eliza Dushku Special", "Stan Winston: Herr der Monster", Interviews, B-Roll, Fotogalerie, Trailer