Veronica Guerin (2003)
Die Journalistin
Veronica Guerin (2003) Die Journalistin
Oder: One woman to fight them all
Mitte der Neunziger Jahre wird Irland von den Drogen beherrscht. Geschätzt 15'000 Menschen spritzen sich täglich Heroin; manche der Abhängigen sind noch keine vierzehn Jahre alt. Dublin, die Hauptstadt Irlands, scheint fast vollständig in die Hände der Drogenbosse und -dealer gefallen und ein eigentlicher Drehpunkt des Drogengeschäfts zu sein.
Schockiert vom Elend der jugendlichen Abhängigen und von der Machtlosigkeit der Polizei, beginnt Veronica Guerin (Cate Blanchett), Journalistin bei der Dubliner Zeitung "Sunday Independent", 1994 im Dubliner Drogenmillieu zu recherchieren. Im Laufe zweier Jahre dringt sie dank geschickten Kontakten, immensem Durchhaltewillen und einer gehörigen Portion Unerschrockenheit immer tiefer in die skruppellose Welt der Drogenbosse ein.
Obwohl Veronica in ihren Recherchen vielen Dealern auf die Spur kommt und an die Namen der Hintermänner gelangt - der Kampf gegen die Drogenmafia scheint aussichtslos. Die strikten irischen Gesetze lassen der Journalistin kaum Handlungsraum. In ihren Artikeln darf Guerin die Drogenbarone nur mit Synonymen wie z.B. "The Monk" bezeichnen; ansonsten muss sie damit rechnen, wegen Verleumdung verklagt zu werden.
Trotz dieser halb gehemmten Berichterstattung scheinen sich die Drogenmänner von Veronica Guerin bedroht zu fühlen. Als die Journalistin immer weiter in ihren Recherchen fortschreitet, erhält sie Morddrohungen, die sich gegen ihren Sohn, ihren Mann, gegen Veronica selber richten. In einem Überfall wird sie angeschossen, bei einem Zusammentreffen mit dem obersten aller Drogenbosse schlägt dieser sie zusammen. Scheinbar furchtlos lässt sie sich von diesen Bedrohungen nicht abschrecken; Veronica forscht und berichtet weiter über den Dubliner Drogensumpf und seine Hintermänner. Sie bezahlt dafür mit ihrem Leben.
Am 26. Juni 1996 wird Veronica Guerin erschossen.
DVD-Rating
Blanchett richtets
Veronica Guerin basiert auf einer wahren Geschichte: Die Journalistin Veronica Guerin hat es tatsächlich gegeben; sie hat in Dublin gelebt, für den Sunday Independent geschrieben und wurde an eben jenem 26. Juni 1996 von irischen Drogenkriminellen erschossen. Tragischerweise war es ihr Tod, der endlich Bewegung in den Kampf gegen die Drogen brachte: Nach der Ermordung Guerins wurde eine wichtige Gesetzesänderung verabschiedet, die es endlich möglich machte, zahlreiche Schlüssefiguren des irischen Drogenhandels zu verhaften.
In Irland ist Guerin eine Gallionsfigur. Während in unseren mitteleuropäischen Breitengraden kaum jemand von der unerschrockenen Journalistin gehört hat, können sich speziell in Dublin viele Menschen daran erinnern, was sie gemacht haben und wo sie an jenem Tag waren, als Veronica Guerin erschossen wurde.
Die Verfilmung einer dermassen bekannten und verehrten Person ist keine leichte Aufgabe - eine Gratwanderung zwischen ehrlicher Darstellung und idealisierender Verherrlichung. Dass sich mit Joel Schumacher (Phone Booth) und Jerry Bruckheimer (Pirates of the Caribbean) ausgerechnet ein amerikanischer Regisseur und Produzent dem Projekt angenommen haben, ist Chance und Gefahr gleichzeitig. Einerseits haben die zwei Amerikaner den Vorteil, eine grössere Distanz zur Person Veronica Guerin zu haben; eine Distanz, die ihnen einen etwas unverklärteren und vielleicht auch mal kritischen Blick erlauben würde. "Würde", denn leider ist Hollywood und insbesondere Bruckheimer nicht gerade für vornehme Zurückhaltung bekannt; das Pompöse nimmt den auch zeitweise überhand.
Der Film Veronica Guerin hat einen Hang, das Dramatische pathetisch werden zu lassen. Womit letztlich der Figur Guerin Unrecht getan wird; von den Zeitdokumenten zu schliessen, scheint sie eine Person gewesen zu sein, die mit beiden Füssen fest auf dem Boden stand. Der Hang zum etwas allzu Feierlichen wäre allerdings noch zu verkraften gewesen. Dass aber das Ende, die Ermordung Guerins, in die erste Szene gepflanzt werden musste, ist ein Vergehen am Film! Für all jene, die die Figur Guerin nicht kennen, ist damit schon nach zwei Minuten jegliche Spannung verloren. Schade.
Eine goldrichtige Entscheidung haben Produzent und Regisseur (oder wer auch immer fürs Casting zuständig war) aber immerhin doch getan: Cate Blanchett (Elizabeth) ist die Idealbesetzung für die Rolle der Veronica Guerin. Blanchett mimmt die Journalistin als die starke, mutige Frau, die Guerin wohl auch gewesen ist. Sie zeigt aber auch, dass unter der furchtlosen Oberfläche eine Mutter steckte, die Angst um ihre Familie hatte, eine Frau, die um ihr eigenes Leben fürchtete und die dennoch mit der schwierigen Aufgabe weiter machen musste, die sie sich selber auferlegt hatte.
Blanchett, oder vielmehr Veronica Guerin, ist es denn auch, die am Ende des Films in Erinnerung bleibt. Es ist das Bild der unerschrockenen Journalistin, das man aus dem Film mitnimt. Nicht die düstere Szenerie, nicht die üblen Schurken, nicht die auf Tränen ausgerichtete Schlussszene. Und am allerwenigsten das (auf der DVD gross angekündigte) zehn sekündige Cameo von Colin Farrell (Phone Booth) als biersaufender Junkie.
Zur DVD: Die ersten zwei Extras des Silberlings, zwei Werbetrailer, kommen unaufgefordert vor jedem Start und sind damit ausgesprochen nervig. Davon abgesehen werden solide Extras wie ein Making-Of ("Public Mask, Private Fears), Audiokommentare des Regisseurs und der Drehbuchautorinnen, ein Gespräch mit Produzent Bruckheimer sowie ein Produktionstagebuch geboten. Das Zückerchen bildet Guerins Rede an der Ehrung des CPJ (Committee to Protect Journalists): Einmal kann die echte Veronica Guerin bei ihrer Rede betrachtet werden, und einmal Cate Blanchett als Veronica (die Szene kommt im Film nicht vor). Der direkte Vergleich zwischen den zwei Frauen ist äusserst spannend!
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DVD-Infos
DVD erschienen am 22.04.2004
- Bildformat: 16:9, für alle Bildschirmformate geeignet
- Sprachen: Englisch, Deutsch, Italienisch, Türkisch (alle Dolby Digital 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Kroatisch, Slowenisch, Bulgarisch
- Extras: "Public Mask, Private Fears" (Making-Of), Gespräch mit dem Produzenten Jerry Bruckheimer, Audiokommentare des Regisseurs sowie der Drehbuchautorinnen, zusätzliche Szene: Veronicas Ansprache vor dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ), Produktionstagebuch



