Undead (2003)
Undead (2003)
Oder: Eastwood meets Zombies
Im australischen Städtchen Berkeley nimmt das einfache Leben seinen Lauf. Man kennt sich, die Fischerei ist ein einträgliches Geschäft, im Park spielen Buben Cricket mit gemeinen Erwachsenen und sogar eine "Miss Catch of the Day" wird gewählt. Also eigentlich alles paletti, bis eines Tages ein Meteoritenschauer Berkeley heimsucht.
Die grossen Brocken fallen vom Himmel, treffen vereinzelt grad direkt die herumstehenden Leute und verwandeln eigentlich friedliche Bürger in hirnfressende Zombies, die sich nun auf den Weg machen, ihren Bestand zu erhöhen und denjenigen der davon rennenden und schreienden Menschen zu dezimieren. Dabei kommt es immer wieder zu blutigen (sehr blutigen) Auseinandersetzungen. In eine davon wird auch die hübsche Rene (Felicity Mason) verwickelt, die eigentlich die Stadt und somit ihre Vergangenheit hinter sich lassen wollte.
Auf der Flucht trifft sie in einem alten Haus auf einen Clint Eastwood-Verschnitt namens Marion (Mungo McKay). Der trägt Bart, den Hut im Gesicht und seine dreischrötige Flinte erweist sich als gutes Mittel gegen die knurrende Menge der Untoten. Zu den beiden gesellen sich im Lauf der Geschichte eine schwangere Frau, deren Mann, ein stets fluchender Polizist (vor allem im Original recht lustig) und dessen weiblicher Deputy, die heute den ersten Tag im Job zu bestehen hat.
Die Gruppe macht sich nicht schlecht. Zombies werden gemetzelt, das Blut fliesst literweise, Köpfe rollen und Körperteile spicken in der Gegend herum. Als sie im geborgten Auto aus der Gegend fliehen wollen, werden sie durch eine riesige Mauer aufgehalten. Langsam aber sicher dämmerts den Überlebenden. Sollten die Zombies tatsächlich nicht die grösste Bedrohung sein? Und nun machen auch die Geschichten des als Irren betrachteten Marion durchaus Sinn, als er immer wieder von Zombiefischen und Entführungen durch Ausserirdische erzählt.
DVD-Rating
Einer der frühen Erfolge des inzwischen weltbekannten Regisseurs Peter Jackson war ja bekanntlich ein dreckiger Slasher namens Braindead. Dieser Film scheint Eindruck auf die Filmemacher der Gegend gemacht zu haben. Denn Undead macht anfänglich den Eindruck einer Fortsetzung der damaligen Ereignisse oder versprüht mindestens einen ähnlichen Eindruck. Die Gebrüder Michael Spierig und Peter Spierig fröhnen ihrer Liebe zum Low-Budget-Horror und bezahlten Undead (mit ein wenig Unterstützung von Freunden und Familie) praktisch aus dem eigenen Sack.
Die Geschichte fängt recht lustig an. Und spätestens wenn ein Meteoritenteil auf dem Flughafen eine Person im Hintergrund volle Kanne erwischt und diese dann röchelnd wieder aufsteht, weiss man, was es geschlagen hat. Es folgen herrlich überspitzte Szenen, viel (wirklich viel) Blut und Zombies, die einfach keine Ruhe geben wollen. Denn bis die Gruppe um ihr Leben kämpfender Menschen begreift, dass sie den bleichen Leuten ins Gehirn schiessen müssen, damit sie liegen bleiben, vergeht doch einige Zeit. Bis dahin ist man definitiv in einer Geisterbahnt, die nicht wirklich gruslig ist, aber extrem viel Spass macht und einen Gore-Faktor hat, der sich durchaus sehen lassen kann.
Von den Schauspielern kam mir keiner grad auf den Anhieb bekannt vor und das ist gut so. Die Frage, wer als nächster den Löffel abgibt oder ob es dann doch alle bis zum (bitteren) Ende schaffen, wird somit relativ schwer zu beantworten. Die Gruppe Menschen, die sich mit allerlei spitzigem Material gegen die Untoten zur Wehr setzt, kommt gut rüber. Lustig, verrückt und cool. Da wird auch mal im Luftschutzkeller vom Polizisten ein Vortrag über den Besitz von Waffen gehalten und künftige Bussen mal vorgemerkt. Wer allerdings den Vogel abschiesst, ist die Figur des Marion. Ja, genau der mit dem Hut im Gesicht, den Sporen an den Füssen und der Latzhose an. Seine Auftritte sind das coolste, was seit langer Zeit zu sehen ist. Dazu kommen seine One-Liner (wenigstens anfänglich), die ebenfalls für Schmunzel- und Lachattacken garantieren. Schön, wenn er auf die Frage nach dem Waffenschein antwortet "die liegen im Haus oben. Du kannst sie ja holen gehen"...
Fazit: Undead ist verdammt blutiges Spasskino, dass denjenigen mit empfindlichen Mägen bald mal auf denselbigen schlagen kann. Da wird gefetzt, gemetzelt und gerissen. Hauptsache, das Blut spritzt schön rot in die Kamera. Laut diversen Angaben wurden über 600 Liter Lebenssaft für diesen Film verbraucht. Der Film nimmt sich kaum einmal richtig ernst und erinnert so streckenweise auch an den englischen Shaun of the Dead, an dessen Witz und Unterhaltungswert er aber schlussendlich nicht ganz herankommt.
Die DVD dieses Zombiespasses kommt auf zwei Discs daher, wobei auf der ersten natürlich der Film drauf ist, plus jede Menge Trailer. Einerseits zum Film selber, andererseits für genreähnliche Projekte. Ausserdem gibts ein zu lesendes Interview mit den Machern. Auf Disc 2 sind die coolen Sachen zu sehen. Ein 35-minütiges Making-of eröffnet den Reigen an Wissenswertem und Interessantem. Wie die Herrschaften da in amateurhafter Umgebung einen solchen Film zaubern konnten, verdient definitiv Respekt. Ausserdem kommen die Darsteller zu Wort und einen Blick über die Schulter der Monstermacher sieht man auch. Ein Interview der beiden Zombie-Brüder aus Spanien ist der nächste, ebenfalls recht interessante Teil der Extras. Lustig sind die Kamera- und Makeuptests und die Konstruktion einer bestimmten Kamera ("Dolly"), die erstmal speziell gebaut werden musste. In Toronto wurde dem Film Undead die grosse Ehre zuteil, der allerletzte Vorstellung in einem altehrwürdigen Kino zu sein. Darüber gibts natürlich auch einen kleinen Bericht. Ein Animations/RealFilm-Vergleich und ein paar unveröffentlichte Szenen machen den Abschluss. Unter den 8 Sequenzen hats auch einen alternativen Titelspann und zusätzliche Actionszenen, die recht lustig daherkommen. Ton- und Bildtechnisch gibts nichts auszusetzen, auch wenn der prasselnde Regen manchmal die Tonspur recht belastet hat.
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3.8 Sterne (11 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
Special Edition, erschienen am 09.01.2006
- Bildformat: 16:9
- Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Englisch (Dolby 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Interviews, Make-up Test, Trailers, Making-of, Dolly-Konstruktionsvideo, Toronto International Film Festival, Deleted Scenes, Vergleich Animation und Film



