Tokyo Godfathers (2003)

Tokyo Godfathers (2003)

Oder: Hinter den Sieben Shinkansen Gleisen

Tokyo Godfathers

Ei, Dotter was passiert nun?

An Heiligabend finden drei Obdachlose in einer Müllhalde in Tokyo ein Findelkind. Die alternde Drag Queen Hana freut sich, dass sie endlich ihre mütterlichen Gefühle ausleben darf. Gin, ein vermeintlicher Ex-Velorennfahrer, möchte das Baby lieber so schnell als möglich loswerden und die Ausreisserin Miyuki ist fast selber noch ein Kind. Bald schliessen die drei aber das kleine Ding ins Herz und machen sich auf die Suche nach seinen Eltern. Sie erleben dabei wirre Abenteuer mit spanischen Entführern, der Yakuzi, einer Krankenschwester und vielen anderen Japanern...


Kinofilm-Rating

Einer der Allgemeinplätze über Mangas und Animes, den auf japanischen Comics basierenden Trickfilmen ist, dass viele davon für Erwachsene konzipiert sind. Dies gilt trotz weihnachtlichem Veröffentlichungstermin auch für Tokyo Godfathers von Satoshi Kon (Patlabor II). Der ist Nix für Kids. Die drei Hauptfiguren werden ein klein wenig verwirrlich von ihrem Vorleben eingeholt. Es gibt gewaltsame Entführungen, Drag Queens und stillende Mütter. Wobei letzteres zumindest in Europa noch als für Kinder tauglich durchgeht. Nichtsdestotrotz sind diese Göttis wieder Willen nur auf der Leinwand wirklich kinderfreundlich aber nicht zu den ganz Kleinen davor.

Es ist trotzdem ein bisschen überraschend das Tokyo Godfathers am Festival des Fantastischen Films in Neuchatel (NIFFF 2004) den Publikumspreis und den Preis für den besten asiatischen Film gewann. Der actionreiche Showdown und eine wunderbar animierte Stadtlandschaft (Sehr schön bei den Anfangstiteln zu sehen, die auf Plakatwänden und ähnlichem in Handlung eingebunden werden) sind überdurchschnittlich. Es fehlt aber an wirklichen Sympathieträgern. Die Schicksale der heimatlosen Randständigen wären auf Papier herzzerreissend, aber richtiges Mitgefühl können weder sie noch das Baby hervorrufen. Es gibt zwar eine ganze Reihe von unerhofften Begegnungen und Rettungen in letzter Minute, die man als kleine Wunder bezeichnen könnte, wie sie in Weihnachtsfilme vorkommen sollten. Ob Tokyo Godfather aber auch interkontinental für besinnliche Gefühle sorgen kann, wird sich weisen müssen. Wie Weihnachten in Japan wird der Film wahrscheinlich nur von einer kleinen aber feinen Minderheit als etwas spezielles gefeiert werden. (Das CIA Fact Book listet nur 0,7 % der japanischen Bevölkerung als Christen).

3.8 Sterne
3.8 Sterne (11 Bewertungen) | 3 Kommentare

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18.11.2004 / rm