Te doy mis ojos (2003)
Öffne meine Augen
Te doy mis ojos (2003) Öffne meine Augen
Oder: Szenen einer Ehe
Mitten in einer kalten Winternacht in Toledo taucht Pilar (Laia Marull) mit ihrem Sohn bei ihrer Schwester Ana auf. "Ich habe sogar noch die Hausschuhe an", schluchtzt sie. Wieder einmal musste sie die Aggressionen ihres Ehemannes antonio (Luis Tosar) über sich ergehen lassen. Sie entscheidet sich eine Weile bei ihrer Schwester zu bleiben, die ihr sogar einen Job als Kassenfräulein in einer Kirche beschafft.
Doch Antonio liebt seine Frau über alles und möchte sie nicht einfach aufgeben. Mit allen Mitteln versucht er sie davon zu überzeugen, dass er sich ändern möchte und sie nie mehr schlagen werde. Er besucht sogar freiwillig einen Therapeuten (Sergi Calleja), der ihm helfen soll die Gewaltausbrüche zu vermeiden. So kehrt Pilar, obwohl ihr ihre Schwester schwer davon abrät, noch einmal zu ihrem Ehemann zurück.
In der Zeit bei ihrer Schwester hat sich aber so einiges an ihrem Leben verändert. Durch ihren neuen Job hat sie Freude an der Kunst gefunden und möchte unbedingt Museumsführerin werden. Auch trifft sie sich öfter mit ihren Arbeitskolleginnen zum Essen. Dabei hat sie ihr Mobiltelefon nicht immer eingeschaltet, was Antonio nicht sehr gefällt. Überhaupt kommt er mit der selbstständigen Pilar nicht klar und eine weitere gewalttätige Auseinandersetzung folgt. Doch schafft sie es dieses Mal ihren Ehemann endgültig zu verlassen?
Kinofilm-Rating
Bim Spanischen Filmpreis 2003 hat Te doy mis ojos gleich sieben Preise eingeheimst und war somit der absolute Abräumer. Und tatsächlich ist Regisseurin und Autorin Icar Bollain mit ihrem dritten Film ein wunderbar berührendes Werk gelungen. Die Darsteller sind erste Klasse. Allen voran Laia Marull und Luis Tosar als zerstrittenes Ehepaar. Man leidet und liebt mit ihnen und hofft, dass sie in Lösung finden oder sich endlich trennen.
Der Zeigefinger wird hier nicht erhoben. So zeigt die Regisseurin beide Seiten der gescheiterten Beziehung. Antonio ist nicht einfach der böse Schläger, der seine Frau missbraucht sondern ein psychisch labiler Mann mit zu wenig Selbstvertrauen, dessen Angst seine Frau zu verlieren ihn zu diesen grauenhaften Taten treibt. So fühlt man stellenweise sogar Mitleid für ihn und kann dadurch beinahe nachvollziehen, weshalb Pilar sich so schwer von ihm lösen kann.
Und obwohl das ernsthafte Thema des Filmes feinfühlig behandelt wird gibt es durchaus auch humoristisches zu geniessen. So sind die Besuche Antonios in der Gruppentherapie eine köstliche Auseinandersetzung mit den gängigen Geschlechterklischees und die leicht überzeichnete, traditionsbewusste Mutter Pilars lädt auch zum Schmunzeln ein.
Passende Musikuntermalung und eine ästhetische Bildregie runden diesen Kinogenuss ab. Doch leider hätten dem Film einige Schnitte gut getan, denn er zieht sich teilweise etwas in die Länge. So hat man bei manchen Szenen das Gefühl, sie doppelt gesehen zu haben, was nicht nötig gewesen wäre.
Es bleibt aber ein bewegendes, hervorragend gespieltes Liebesmelodram welches man nicht verpassen sollte. Wer jedoch 5 Minuten zu spät in die Vorstellung kommt verpasst den schweizer Kurzfilm Busenfreundinnen, der als Vorfilm gezeigt wird. Ob das schlimm ist, ist ebenfalls auf OutNow nachzulesen.
![]()
5.3 Sterne (6 Bewertungen) | 2 Kommentare




