Schultze Gets the Blues (2003)

Schultze Gets the Blues (2003)

Oder: Ein Deutscher macht blau

Schultze Gets the Blues

Ein Souvenir zur Pensionierung!

Es war einmal in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Die meisten Männer der Gemeinde arbeiteten im Salzbergwerk, tief unter dem Boden. So auch die Titelfigur Schultze, verkörpert von Horst Krause. Schultzes Leben war klar geregelt: Stollen, Schrebergarten, Musikverein und Stammtisch dominierten sein Leben und das seiner Kollegen. Doch nach Jahrzehnten Arbeit in den Minen wurde Schultze samt seinen beiden Kumpeln Manfred (Karl-Fred Müller) und Jürgen (Harald Warmbrunn) in den Vorruhestand geschickt.

Schultze Gets the Blues

Schultze haut in die Tasten

Die gewonnene Zeit verbrachte der korpulente Sachse dann mit seinem geliebten Akkordeon, auf dem er schon seit Jahren die traditionelle Polka gespielt hatte. Doch eines Abends, als er das Radio einschaltete, entdeckte er etwas Neues. Ein Akkordeon war da schon zu hören aber Polka war das nicht. Was Schultze hörte war Cajun, Musik aus den Südstaaten der USA. Die Melodie wollte Schultze einfach nicht aus dem Kopf gehen uns so übte und übte er sie, um sie schliesslich beim Konzert des Musikvereines vorzutragen.

Schultze Gets the Blues

Schultzes Heimat in Sachsen

"Negermusik!!!" wurde im Publikum geschrien. Geklatscht wurde dann zwar trotzdem, jedoch mehr aus Höflichkeit als aus Bewunderung. Die Polka hätte den Leuten halt einfach besser gefallen. Hier in diesem kleinen Dorf, in dem Veränderung eine unerwünschte Seltenheit war. Doch Schultze konnte seine plötzliche Faszination für die Staaten nicht leugnen und machte sich auf den Weg nach Texas. Dort angekommen, staunte der Deutsche nicht schlecht, dass auch in den USA Polka- und Wurstfeste zelebriert werden.

Schultze Gets the Blues

Alles im Lot!

Mit einem Boot tuckerte er schliesslich durch die Sümpfe von Lousiana, der Heimat der Cajun-Musik, die er so zu schätzen lernte und lebte noch einmal so richtig auf. Tanzfeste besuchte er, Lagerfeuer entzündete er und lernte sogar einige Menschen kennen. Auch das mit der Sprachbarriere hatte er im Griff. Zwar konnte Schultze nicht wirklich Englisch, doch er schlug sich so durch. Wie die Geschichte endete, kann man ab Ostern im Kino sehen.


Film-Rating

Drehbuchautor und Regisseur Michael Schorr gelang mit Schultze gets the Blues nicht nur ein beeindruckendes Erstlingswerk, sondern auch einen der bisher besten Filme des Jahres. Der Film vereint eine herzerwärmende Geschichte mit einer hervorragenden Inszenierung. Mit nur drei professionellen Schauspielern wird die Besetzung des Filmes durch Laiendarsteller ergänzt, deren schrullige Echtheit immer wieder ein Schmunzeln zu entlocken mag.

Doch nicht nur die Menschen, sondern auch die Landschaft, bestimmen die Atmosphäre des Filmes. Der graue, bewölkte Himmel über den Schrebergärtchen scheint den Blues, den Schultze findet, noch zu unterstreichen. Die Landschaft ist besonders prominent, da hauptsächlich mit Totalen gearbeitet wird und der Mensch so immer nur Teil des Bildes ist. Viele Aufnahmen sind von solcher Schönheit, dass man sie am liebsten als Postkarte versenden möchte.

Die Hauptfigur wird von Horst Krause so lebensnah dargestellt, dass sie ebenso echt wirkt wie die anderen Dorfbewohner. Der Humor ist zwar leise und doch immer präsent, wie auch die Wärme, die den Film trägt. Schultze bricht aus seiner Welt aus und erfüllt sich spät in seinem Leben einen Traum. Aus dem Alltag auszubrechen ist etwas, was wir alle oft anstreben, weshalb wir umso mehr mit dem fülligen Protagonisten sympathisieren.

Kurz gesagt ist Schultze gets the Blues ein grosser kleiner Film, der für jeden passionierten Kinogänger mit zum absoluten Pflichtprogramm diese Ostern gehört.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

02.04.2004 / ma

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