Oldboy (2003)

Oldboy (2003)

Oder: Die spinnen, die Asiaten

Oldboy

Vorsprechen bei Tarantino...

Oh Dae-Su (Min-Sik Choi) ist ein Süffel. Morgen früh ists und er hat die Birne schon voll. Er wird auf die Polizeistation gebracht und von einem Freund wieder rausgeholt. Seine Tochter hat heute Geburtstag und natürlich will er ihr noch kurz gratulieren. Also, rein in die Telefonzelle und angerufen. Der Freund, der Onkel der Tochter, will auch und als dieser wieder aus der Zelle kommt, ist Oh Dae-Su verschwunden.

Er findet sich selber wieder in einer kleinen Wohnung. Okay, Wohnung ist übertrieben, aber immerhin hats ein Bett, ein TV und eine Ecke für die körperlichen Geschäfte. Was anfangs wie eine "normale" Entführung aussieht, entwickelt sich zur Tragödie. Der Gefangene sieht in den Nachrichten, dass seine Frau ermordet wurde und er selber den Hauptverdächtigen darstellt. Tage vergehen. Stunden. Wochen. Monate und schliesslich Jahre. 15, um genau zu sein. Oh Dae-Su versucht seinen Körper fit zu halten und wird regelmässig durch eintretendes Gas in Schlaf versetzt. Währenddessen wird er hypnotisiert. Was das genau bewirken soll, wird er auch noch merken.

Oldboy

Da vorne gibts Schlitten zum mieten...

Die Jahre vergehen und just als er sich mit Stäbchen ein Loch an die freie Luft gebuddelt hat, wird er wieder betäubt. Als er aufwacht, findet er sich auf einem Dach wieder. Im Anzug und nicht wissend, wie ihm nun geschieht. Immer wieder hat er komische Begegnungen mit Personen, die ihm Sachen zustecken. Geld, Handy oder Informationen. Als er in einem Sushi-Restaurant einen lebendigen (!) Tintenfisch verspeist, macht er die Bekanntschaft von Mi-Do. Sie nimmt ihn auf und ist ihm behilflich auf seiner Suche nach Rache und Vergeltung. Dass sich die beiden verlieben, ist nur eine Frage der Zeit, hat aber für den weiteren Verlauf des Filmes grosse Auswirkungen.

Der Täter gibt sich erstaunlicherweise offen zu erkennen. Woo-Jin Lee (Ji-tae Yu) ist der Böse. Doch er ist nicht nur skrupellos, sondern auch von der intelligenteren Sorte. Denn er stellt Oh Dae-Su eine Bedingung. Wenn er innert 5 Tagen herausfindet, warum er für 15 Jahre eingesperrt worden war, dann darf er seiner Rache frönen. Sollte ers nicht schaffen, wird Mi-Do umgebracht....


DVD-Rating

Ein Film aus Südkorea, der lose auf einem Comic basiert, das ich nicht kenne. Mit Vorschusslorbeeren reichlich gesegnet kommt Oldboy nun endlich auch für Normalsterbliche in den Handel und die DVD verspricht viel. Ausserdem hat der Film ja an den Filmfestspielen in Cannes 2004 den Preis der Jury gewonnen und ist erst gerade kürzlich als bester asiatischer Film an mit einem Hong Kong Award ausgezeichnet worden.

Die asiatischen Filme haben es immer schwer bei mir. Das geb ich offen und ehrlich zu. Zwar mag die Action cool sein, die Geschichten meist recht genial und der Eindruck überwiegend gut, dennoch ergeben sich zeitweise Probleme mit Charakternamen und Gesichtern. Von einem japanischen Kollegen wurde ich einmal informiert, dass es in deren Regionen mit den westlichen Schauspielern genau das gleiche sei. Schwierig zu glauben, aber sicherlich vorstellbar. Diese Info als Grundlage kann man bemerken, dass es ein paar Minuten braucht, bis die einzelnen Charaktere "zugänglich" werden, die Namen richtig zugeordnet werden können und die Geschichte braucht ebenfalls ein bisschen, bis sie so richtig einfährt. Doch sobald man mittendrin, statt nur dabei ist, lassen die Geschehnisse den Betrachter nicht mehr los.

Es gibt ein paar Szenen, die für Furore gesorgt haben. Natürlich diejenige im Restaurant mit dem lebendigen (!) Tintenfisch, der da verschlungen wird. Übrigens wurden vier solcher Viecher für dieses Szene "gebraucht", wie man auf verschiedenen Informations-Webseiten nachschauen kann. Dann gabs da noch weitere Momente, die haften blieben. Die Szene im Gang, wo der Hauptdarsteller eine Gruppe Schläger auseinander nimmt. Oder die Phase, wo des Rätsels Lösung dem Hauptcharakter präsentiert wird. Allesamt Momente, die ich wohl nicht mehr so schnell vergessen kann, denn sie fahren einem direkt ins Gehirn und bleiben dort präsent.

Über die Schauspieler kann ich nicht viel berichten, da ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten von deren früheren Filmen habe. Sie machen aber allesamt einen sehr überzeugenden Eindruck und vor allem der Hauptdarsteller lässt den Zuschauer durch sein intensives Spiel immer wieder schaudern. Auch der Bösewicht macht einen "guten" Eindruck und verleiht der Figur etwas animalisches, herzloses, dass seine Handlungsweise noch erschreckender macht.

Fazit: Oldboy hat eine hervorragende Ausgangslage und hält sich stramm an diesen roten Faden. Die einzelnen Szenen haben Kultcharakter und der Film ist verdientermassen diverse Male prämiert worden. Dass so eine Geschichte natürlich nicht lange vor den amerikanischen Filmmogulen versteckt bleiben kann, ist klar. Drum ist für 2006 ein US-Remake geplant, in dem nach ersten Gerüchten Gary Oldman die Hauptrolle übernehmen soll und Johnny Depp seinen Gegenspieler. Obs da auch für solche Szenen wie in der Sushi-Bar reicht, ist zu bezweifeln. Diese Originalversion ist auf jeden Fall ein (Geheim-)Tip für alle Fans des asiatischen Kinos. Ich hatte ein bisschen Mühe mit den Namen und Gesichtern, aber auch das kriegt man mit der Zeit in den Griff.....

Auf der ersten DVD gibt es zusätzlich zum Film noch diverse Audiokommentare, die immer einen Blick oder ein Ohr voll wert sind. Dazu die Trailer und einen wirklich interessanten Bericht über die Dreharbeiten. Dauert ca. 12 Minuten und beschränkt sich auf ein paar interessante und aufwändigere Szenen. Abschliessen tun diese Extras ein paar weitere DVDs aus dem Osten, von denen ich leider noch nie was gehört hab. *schäm*

Die zweite DVD ist randvoll mit Extras. In einem sehr ausführlichen Making-of wird in 5 Schritten erzählt, wie man zum Film kam, was speziell dran ist, wie die Musik wirkt und wie man den Vergleich zum Comic sieht. 11 (!) Kommentare zu den Dreharbeiten kann man sich ebenfalls anschauen. Das geht vom Regisseur über Schauspieler bis zum Manga-Zeichner. Teilweise sehr interessant, was die Leute da von sich geben. Ein schöner Bericht über die Filmfestspiele in Cannes aus 2004 gehört auch noch dazu. Hier verfolgen wir die Crew bei ihrem Ausflug am Festival, an den Pressekonferenzen und natürlich auch an den Gala-Events und den Preisübergaben. Geht knapp 10 Minuten, das Teil. Dann noch ein paar alternative Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben, welche sich hauptsächlich mit den beiden Hauptpersonen beschäftigen. Ein Musikvideo von "Starsailor" ist ebenfalls noch anzuklicken. Cooles Lied. Offizielle Trailer und eine schöne Bildergalerie beschliessen das Angebot, das für allem durch das sehr ausführliche Making-of zu überzeugen weiss.

5.0 Sterne 3.0 Sterne
5.0 Sterne (83 Bewertungen) | 3 Kommentare

4.54.5
03.04.2005 / muri


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 02.03.2005

  • Bildformat: 2.35:1
  • Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Koreanisch (Dolby 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audikommentare, Trailer, Making-of, Musikvideo, Interviews, Bericht über Cannes 04, Bildergalerie, Deleted Scenes, Blick in die Dreharbeiten