My Life Without Me (2003)

Mein Leben ohne mich

My Life Without Me (2003) Mein Leben ohne mich

Oder: leiser Abschied

My Life Without Me

"Das bist du mit geschlossenen Augen draussen im Regen."

Nasses, kühles Gras unter den nackten Füssen. Das gleichförmige Rauschen des Regens. Abertausende von Tropfen, die auf die Haut prasseln, Kleidung und Haare durchnässen. Kälte. Ann (Sarah Polley) steht regungslos, die Augen geschlossen. Nur ihre tiefen Atemzüge sind zu hören.

Ann ist dreiundzwanzig. Mit siebzehn bekam sie ihr erstes Kind, mit neunzehn das zweite. Gemeinsam mit den Töchtern und Ehemann Don (Scott Speedman) lebt sie in einem Wohnwagen im Garten ihrer verbitterten Mutter (Deborah Harry). Nachts arbeitet sie als Putzfrau in einer Universität. Anns Vater (Alfred Molina) ist im Gefängnis. Gatte Don ist arbeitslos.

My Life Without Me

Anns Mädchen: Penny (Jessica Amlee) und Patsy (Kenya Jo Kennedy)

Trotz allen Schwierigkeiten ist die kleine Familie glücklich. Als Ann jedoch eines Tages unerwartet ohnmächtig zusammenbricht, wird sie zur Untersuchung ins Spital eingeliefert. Diagnose: Krebs in den Eierstöcken. Der Tumor hat sich schon so weit ausgebreitet, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Der Arzt (Julian Richings) gibt Ann noch zwei Monate.

My Life Without Me

"Ich hätte dir so gern ein besseres Leben geboten" Don (Scott Speedman)

Ann erzählt niemandem von dieser schrecklichen Nachricht. In ihrem Tagebuch schreibt sie sich auf, was sie in der wenigen Zeit, die ihr noch bleibt, alles tun möchte: im Stillen für ihre Familie vorsorgen für die Zeit, wenn sie nicht mehr da sein wird. Aber auch sich selbst kleine Wünsche zu erfüllen, zum Beispiel einmal noch Liebe und Zärtlichkeit von einem anderen Mann zu erfahren.

In ihren letzten Wochen darf Ann manche Momente des Glücks erfahren. Das Ende aber nähert sich unaufhaltsam...


Kinofilm-Rating

My Life Without Me ist keine leichte Kost. Es ist eine traurige Geschichte, mit Momenten voller Wärme und Schönheit zwar, aber letzlich eben doch traurig und beängstigend. Wer kann schliesslich wissen, ob ein ähnliches Schicksal eines Tages nicht an die eigene Tür klopft?

Regisseurin Isabel Coixet (A Los Que Aman) setzt Anns Geschichte sehr authentisch um. Die Bilder wirken teilweise wackelig, Geräusche überlaut, Musik hat es nur sehr wenig. Das wirkt hier nicht stümperhaft, sondern sehr intim. Gerade so eben, als ob jemand Ann mit der Handkamera in ihrem Alltag begleiten würde.

Und Ann ist eine Persönlichkeit, die fesselt. Sarah Polley (The Claim) scheint mit ihrer Figur zu verwachsen, macht sie lebendig, real und sehr präsent. Oder wie es Regisseurin Coixet ausdrückt: "Sie [Sarah Polley] ist die Seele von My Life Without Me."

Das geht ein bisschen zu Lasten der übrigen Charaktere des Films. Obwohl die Schauspieler ihre Figuren durchaus glaubwürdig verkörpern (witzig: Amanda Plummer (Pulp Ficiton) als dauer-diätierende Laurie), wirken sie neben ders starken Ann nicht ganz so ausgereift und etwas unscharf.

My Life Without Me ist, wie gesagt, keine leichte Kost. Aber wie an einem grauen Regentag, wenn das gleichmässige Rauschen des Regens manchmal trübe Gedanken aufkommen lässt, reisst am Ende die Wolkendecke auf und am Horizont wird ein Sonnenstrahl sichtbar.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (19 Bewertungen) | 3 Kommentare

5.55.5
04.11.2003 / rs