Monster (2003)
Monster (2003)
Oder: Endstation Strassenstrich
Aileen 'Lee' Wournos (Charlize Theron) hegt als Mädchen vor dem Spiegel Träume, die sich nicht gross unterscheiden von dem, was andere Kinder mit 7 Jahren werden möchten. Reich und berühmt soll sie sein, wenn sie gross ist, am liebsten als Schauspielerin. Mit Marilyn Monroe als Vorbild wächst sie mit der Hoffnung auf, der nächste Junge - mit der Zeit werden aus den Jungs Männer - möge mehr von ihr wollen als nur ihren Körper. Der Traum ist Mitte Zwanzig ausgeträumt. Unter der Brücke lebend, prostituiert sie sich - von Suizidgedanken geplagt - auf dem Strassenstrich irgendwo in Florida.
Ohne Aussicht auf Besserung trifft sie in einer Bar auf eine andere Aussenseiterin, die Lesbe Selby Wall (Christina Ricci). Aus Notwehr erschiesst Lee einen ihrer Freier und kommt so zu Geld, das den beiden erstmal über die Runden hilft. Lee und Selby bilden von nun an eine Schicksalsgemeinschaft. Ohne festes Einkommen, nur auf ihre Liebe zählend, versuchen sie der Misere zu entkommen.
Kinofilm-Rating
Die Regisseurin Patty Jenkins, die hier ihr Debut als Drehbuchautorin und Regisseurin gibt, benötigt nur zehn Minuten, um einem die beiden Frauen ans Herz wachsen zu lassen. Die verschupfte Lesbe und das vulgäre Strichmädchen passen zusammen wie Dick und Doof und doch werden sie so liebevoll eingeführt, dass man nicht anders kann, als sich für den Rest ihrer auf einer wahren Begebenheit basierenden Geschichte zu interessieren. Eine ausserordentlich tragische Geschichte, die gnadenlos auf das schreckliche Ende zusteuert. Den vom Schicksal arg gebeutelten Frauen wird nichts erspart. Nicht alle Frauen ohne Abschluss haben bei der Stellensuche mehr Schwein als Verstand, wie Erin Brockovich das hatte. Und genau der letzte Freier vor dem wichtigsten Date der beiden entwickelt sich zum Rohrkrepierer. Ob Lee mit ihrer verkorksten Kindheit Freier morden darf, muss jeder für sich selber entscheiden. Gerade wenn der Film Gefahr läuft, auf ein simples Motiv des reaktionären männermordenden Racheengels mit Magnum hinauszulaufen, zeigt er auch ein differenzierteres Bild eines Freiers dar, der unbedarft wie er ist, nicht in das Schema des sexuell gestörten Misogynen passt.
Lee kann aber schlussendlich dem Gesetz nicht entkommen. Dazu ist die Figur einfach zu dumm. Sie bekommt ihre Strafe. Kann aber am Ende des Films die Gewissheit aufweisen, wenigstens einmal in ihrem Leben richtige Liebe erfahren zu haben. So hat wirklich alles, was uns im Leben passiert, eine Bestimmung. Die Leinwand am Ende des Films ist weiss. Lee verschwindet darin, als würde sie erleuchtet werden.
Die Darstellung des Milieus in dem die Geschichte stattfindet, ist sehr treffend dargestellt. Von den Bildern an den verdreckten Wänden, bis zu den Jeans, die Theron und Ricci tragen, haben die Kostümbildner und Setdesigner ganze Arbeit geleistet. Genauso stellt man sich das Umfeld und die Kleidung solcher Leute vor. Schier unglaublich auch die Maskenbildner, die aus dem südafrikanischen Schwan Charlize Theron, das hässliche Entlein Lee machten. Mit schwabbeligen Pobacken und einem aufgedunsenen Gesicht, dass eher an Jon Voight als an ein Ex-Model erinnert, scheint die richtige Massenmörderin Aileen Wournos auf der Leinwand aufzuerstehen. Ob sich der (kalkulierte) Aufwand für Theron gelohnt hat, werden wir an der Oscarverleihung am 29. Februar 2004 erfahren. Die Academy hat eine Schwäche für junge Blondinen mit der Courage zur Hässlichkeit (siehe Nicole Kidman und die Nase im Jahre 2003) und Underdogs (Julia Roberts für 'Erin Brockovich', und Hillary Swank im ähnlich gelagerten 'Boys don't cry'). Die Auszeichnung wäre verdient.
![]()
4.7 Sterne (70 Bewertungen) | 19 Kommentare



