Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran (2003)

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran (2003) Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Oder: A Raber und A Bub

Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran

Gigolo?

Monsieur Ibrahim (Omar Sharif) ist ein Araber. Also eigentlich ist er kein Araber, wird aber von den Bewohnern des kleinen Quartiers vor den Toren Paris, so bezeichnet. Und das nur, weil sein Lädelchen jeden Tag von 8 Uhr bis Mitternacht offen hat. Auch am Sonntag. Das macht eben einen "Araber" aus.

Momo (Pierre Boulanger), ist ein Junge. Noch keine 16 (tut aber gern so...) und lebt zusammen mit seinem Vater ebenfalls in diesem Quartier. Die Mutter hat die Familie schon länger verlassen und der Vater kümmert sich kaum um den heranwachsenden Jungen. Momo wird zur Haushaltshilfe degradiert und in Sachen väterlicher Fürsorge und Liebe ist da nicht viel zu spüren. Seine ersten Erfahrungen in körperlichem Kontakt macht er dann auch mit den lokalen Prostituierten, die ihm je länger je mehr versuchen, ein Mutterersatz zu sein.

Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran

Lachen ist gesund!

So freundet sich Momo langsam mit Monsieur Ibrahim an. Denn der alte Mann scheint jedes Problem mit Hilfes des Korans lösen zu können und ist sichtlich froh, dass es in diesem Quartier jemanden gibt, der in ihm nicht bloss einen Mann sieht, der hinter der Theke eines Lädelchens steht. So beginnt diese generationenübergreifende Freundschaft Fuss zu fassen. Und während der Oldie dem Youngster versucht, das Leben zu erklären und mit ihm verschiedene Sachen (wie fahren ohne Führerschein oder das Klauen von Konservendosen) macht, scheint er in Momo einen Teil seiner unbeschwerten Jugend zu suchen. Ob er die auch findet?

Als dann eines Tages Momo's Vater nicht mehr da ist, versucht Monsieur Ibrahim den Jungen zu adoptieren. Zusammen wollen sie in Ibrahim's Heimat fahren. Denn dort wo die Reise des alten Mannes vor vielen Jahren begonnen hat, soll sie auch enden.


Kinofilm-Rating

Seit ich den Trailer zu diesem Film gesehen habe, wollte ich wissen, was aus Monsieur Ibrahim und seinem jungen Freund wird. Irgendwie ging eine Faszination von dieser Geschichte aus, die mich nicht mehr loslies und deren ich mich dann endlich hingeben konnte.

Was Regisseur François Dupeyron da vorführt ist ein Film, der die ganze Palette von Gefühlen anspricht. So ist es anfangs das Schmunzeln, dass sich zu einem Staunen wandelt. Weiter geht es mit grossem Gelächter (Autofahrstunde) und endet, und da verrate ich sicher nicht zuviel, natürlich im Drama, das einem recht konsterniert und ungläubig im Kinosessel sitzen lässt.

Schauspielerisch stehen hier zwei Personen klar im Vordergrund. Und währen der junge Pierre Boulanger langsam seinen Weg ins Leben findet und dies auch hervorragend darstellt, wird er von alten, freundlichen, spitzbübischen und mich in den Bann ziehenden Omar Sharif noch übertroffen. Ich weiss nicht, was es ist, aber diese Rolle des Monsieur Ibrahim ist ihm auf den Leib geschneidert und er überzeugt in jeder noch so kurzen Szene. Eigentlich hab ich seine Filmkarriere nicht wirklich verfolgt, aber wenn der in jedem Film so beeindruckend spielt, dann ist das wirklich definitiv einer der ganz Grossen.

Fazit: Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran ist ein feines Stück europäisches Kino, dass einen verzaubert. Starke Darsteller, sympathische Figuren und die Zeit rast nur so, wenn man dem Treiben auf der Leinwand folgt. Der Film ist zwar weder besonders spannend, noch lustig oder actionreich, aber strahlt einen Charme aus, den so manche Grossverfilmung vermissen lässt. Ein echter Geheimtipp und wahrscheinlich ein Renner in den kleineren Kinos.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (41 Bewertungen) | 7 Kommentare

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26.03.2004 / muri