Lost in Translation (2003)
Lost in Translation (2003)
Oder: Was tun in Tokyo?
Bob Harris (Bill Murray) ist ein alternder Ex-Hollywood-Star der seinen Lebensunterhalt jetzt mehrheitlich mit Fernsehwerbung verdient. Grund seines momentanen Aufenthaltes in Tokyo ist denn auch ein Shooting für einen japanischen Whisky. Das Drehen ist für ihn eine Qual. Vor allem der Umstand, dass der Regisseur nicht englisch spricht und so jede Anweisung übersetzt werden muss belastet Bob's Nerven arg. Doch seine Aversion gegen das lokale Filmbusiness weitet sich schnell auf so ziemlich alles Japanische aus, dass ihm begegnet. Als ihn dann sein Manager dazu anhält, nach seinem Werbespotdreh zwecks eines Besuchs beim aktuellen Top Fernsehshowhost von Tokyo noch ein paar Tage anhängen soll, sieht sich Bob gezwungen, die meiste Zeit in der Hotelbar hinter sich zu bringen.
Die unverhoffte Wende bringt die junge Charlotte (Scarlet Johansson), Frau eines Fotographen (Giovanni Ribisi). Dieser hat einen grossen Auftrag in der Metopole und Charlotte ist ihm gefolgt, um bei ihm sein zu können. Doch auch sie findet keinen Zugang zur Stadt und deren Bewohner. Sie langweilt sich mindestens genauso wie Bob. Zudem stellt ihr Mann ihre Ehe auf die Probe, indem er sehr intensiv seiner Karriere nachgeht. Bob und Charlotte kommen sich in ihrer Langweile näher und erleben zusammen Tokyo auf eine ganz andere Art.
Kinofilm-Rating
Eines vorweg: Lost In Translation macht keine Werbung für Tokyo. Das störte ja grundsätzlich nicht. Schliesslich sind wir ja leidgeprägt von all den "Werbefilmen" für Florida und Kalifornien, die uns vormachen, dass nur dort das Leben wirklich lebenswert sei. Doch Lost In Translation ist zu sehr das Gegenteil. Schade.
Was aber in der düsteren Grundstimmung schön gezeigt wird, sind diverse interkulturelle Begegnungen die teils zum Schmunzeln, teils zum Nachdenken anregen. Bill Murray ist alt geworden. Das war nicht zu verhindern und es wird im Film auch gar nicht versucht diese Tatsache zu verbergen. Das ist auch gut so, trägt es doch zur Authenzität des Charakters bei (aber auch zur Grundstimmung). Doch seinen Humor hat der Mann nicht verloren. Trocken und voller Sarkasmus ist er, aber das auf die bestmögliche Art. Die Rolle des desillusionierten Ex-Filmstars ist auf Murray zugeschrieben und so ist das Karriereende dieses Schauspielers hoffentlich noch nicht erreicht.
Scarlet Johansson schien anfänglich nicht voll in der Rolle zu sein. Doch lebt sie in der Interaktion mit Murray auf. Als junge Ehefrau, die ihrem Mann in ein fremdes Land folgt, um Zeit mit ihm verbringen zu können, nicht recht weiss, was sie mit ihrem eben abgeschlossenen Studium anfangen soll und langsam an ihrer Ehe zu zweifeln beginnt, spielt die junge Schauspielerin gut. Dies aber vor allem zusammen mit dem erfahrenen Murray. Das zuerst nur langsam aufkommende gegenseitige Interesse kommt gut rüber. Bei den gemeinsamen Szenen von Johansson mit Giovanni Ribisi meine ich einen Niveauunterschied bemerkt zu haben. Das mag aber auch daran liegen, dass letzterer für einmal nicht die bei ihm gewohnte Rolle spielte (Taugenichts - Gone In 60 Seconds, Knockaround Guys).
Jungregisseurin Sofia Coppola scheint ein Gespür für zwischenmenschliche Interaktion zu haben. Auch verfügt sie offenbar über gute Beobachtungsgabe. Sie vermittelt einen detailreichen und pointierten Einblick in die der westlichen Welt fremden japanischen Lebensweise.
Was aber an dieser Stelle noch erwähnt werden muss: Mir drängte sich während und nach dem Film immer wieder das Wort "Valiumsucht" auf. Dies als kleine Warnung. Nehmt doch einfach ein Red Bull o.ä. ins Kino mit. Dass hilft sicher beim Einverleiben dieses Streifens. Unter dieser Voraussetzung kann ich ihn auch gut an Japaninteressierte, Coppola-Clan-Anhänger und/oder Murray-Verehrer weiterempfehlen.
![]()
4.9 Sterne (171 Bewertungen) | 69 Kommentare



