Lost in Translation (2003)
Lost in Translation (2003)
Oder: Karaoke bis zum Abwinken!
Bob Harris (Bill Murray) ist ein alternder Ex-Hollywood-Star der seinen Lebensunterhalt jetzt mehrheitlich mit Fernsehwerbung verdient. Grund seines momentanen Aufenthaltes in Tokyo ist denn auch ein Shooting für einen japanischen Whisky. Das Drehen ist für ihn eine Qual. Vor allem der Umstand, dass der Regisseur nicht englisch spricht und so jede Anweisung übersetzt werden muss belastet Bob's Nerven arg. Doch seine Aversion gegen das lokale Filmbusiness weitet sich schnell auf so ziemlich alles Japanische aus, dass ihm begegnet. Als ihn dann sein Manager dazu anhält, nach seinem Werbespotdreh zwecks eines Besuchs beim aktuellen Top Fernsehshowhost von Tokyo noch ein paar Tage anhängen soll, sieht sich Bob gezwungen, die meiste Zeit in der Hotelbar hinter sich zu bringen.
Die unverhoffte Wende bringt die junge Charlotte (Scarlet Johansson), Frau eines Fotographen (Giovanni Ribisi). Dieser hat einen grossen Auftrag in der Metopole und Charlotte ist ihm gefolgt, um bei ihm sein zu können. Doch auch sie findet keinen Zugang zur Stadt und deren Bewohner. Sie langweilt sich mindestens genauso wie Bob. Zudem stellt ihr Mann ihre Ehe auf die Probe, indem er sehr intensiv seiner Karriere nachgeht. Bob und Charlotte kommen sich in ihrer Langweile näher und erleben zusammen Tokyo auf eine ganz andere Art.
DVD-Rating
Lost in Translation ist für mich DER Kinofilm 2004, was also soll ich negatives über den Film berichten ausser ein Erlebnis nach Ende des Films, als zwei mittelalterliche Damen, ich behaupte es waren Krankenschwestern, die Treppe zum Kinoausgang emporstiegen und die eine zur anderen meinte: "Also ich fand es ja nun überhaupt nicht richtig lustig!" Tja, so viel zum Thema Erwartungshaltung.
Lost in Translation ist eine wunderschöne, fast alltägliche Geschichte um Liebe, Verdruss und der allmächtigen Frage "was bin ich und wieso?", verpackt in ein dezent bissiges Korsett aus Sarkasmus, grüblerischen Momentaufnahmen und kurzen Slapstick-haften Situationen, die zum Schmunzeln und nie zum platten Schenkelklopfen anregen. Wahrscheinlich haben das die beiden eingangs erwähnten Damen nicht ganz verstanden, ebenso wie die Konstellationen der Hauptakteure an ihnen vorbei geflogen sind.
Der abgehalfterte, in Japan nach wie vor gefeierte Altstar und die junge Ehefrau, beide gehören sie eigentlich nicht dorthin, wo sie sind. Beide wollen sie ausbrechen aus der Anonymität einer Megastadt wie Tokio, aber vor allem aus ihrem grau gewordenen Leben, in dem der eine seit vielen Jahren steckt und die andere gerade erst reingerutscht ist. Verflucht, wie oft haben wir uns, nur eben nicht in Tokio, in den selben dämmrigen Lebenssituationen gefunden oder stecken noch immer drin?
Nun gab es Stimmen, die dem Film japanfeindliche Tendenzen, sprich eine Verhunzung und übertriebene Darstellung der japanischen Lebensweise unterstellen. Klar benutzt Sofia Coppola die Fremdartigkeit einer für unsere Lebensweisen andersartigen "Welt", mir scheint es aber deshalb gelungen, weil gerade dadurch die milde Verzweiflung der beiden Protagonisten umso besser nach aussen gekehrt werden kann. Ein Ausbruch ist wohl nur in dieser fremden Lebensmentalität möglich. Ausserdem sollte man bitte auf dem Boden der Realität bleiben, denn der Film ist weder Doku noch Reisebericht. Lost in Translation bleibt auf DVD, was der Film auch schon auf der Kinoleinwand war: eine vorzügliche Parabel, ganz toll gespielt und schnörkellos in Szene gesetzt. Ein absoluter Filmvolltreffer mit erhöhtem Kultstatus.
Leider vermag das Bonusmaterial dieses mit einem Oscar ausgezeichneten Films nicht sehr zu überzeugen. Am besten gefallen dabei noch die entfallenen Szenen und die Kurzkonversation zwischen Sofia Coppola und Bill Murray.
![]()
4.9 Sterne (171 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 05.08.2004
- Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch (für Hörgeschädigte)
- Extras: Darsteller-Infos; Making Of; B-Roll; Deleted Scenes; Gespräch mit Bill Murray und Sofia Coppola; City Girl Musikvideo; Matthew's Best Hit.



