Lichter (2003)
Lichter (2003)
Oder: Deutschland - der Silberstreif am Horizont
Slubice - gegenüber von Frankfurt an der Oder an der deutsch-polnischen Grenze. Ein Lastwagen lädt eine Gruppe ukrainischer Flüchtlinge aus. Darunter auch Kolja (Ivan Shvedoff) und ein junges Paar mit Baby, Dimitri (Sergej Frolov) und Anna (Anna Janowskaja). Für sie ist die Oder der Fluss, der sie vom Leben im "Goldenen" Westen trennt. Kolja versucht auf eigene Faust ohne Schlepper nach Deutschland zu kommen, wird erwischt, verhaftet und soll abgeschoben werden. Unerwartet bekommt er jedoch Hilfe von der Übersetzerin Sonja (Maria Simon - Good bye Lenin), die von der rigiden deutschen Abschiebepolitik entsetzt ist. Und auch Dimitri und Anna haben zunächst Glück. Sie lernen den polnischen Taxifahrer Antoni (Zbighiew Zamachowski) kennen, der ihnen Unterschlupf gewährt und einen Schlepper organisieren will.
Doch auch auf der anderen Seite der Oder sieht es nicht gerade rosig aus. Hier herrschen Arbeitslosigkeit und Frustration. So geht es auch dem Matratzenhändler Ingo, einem bemitleidenswerten Verlierer (Devid Striesow), der zusammen mit seiner Angestellten Simone (Claudia Geisler) von einer Niederlage zur nächsten schlingert und dabei fast die Liebe seines Lebens übersieht.
Auch für viele Jugendliche ist das Leben am Rande zu Osteuropa nicht einfach. Der junge Zigarettenschmuggler Andreas (Sebastian Urzendowsky) muss mit ansehen wie ihm sein ältere Bruder Marko (Martin Kiefer) seine unerreichbare Liebe Katharina (Alice Dwyer) vor der Nase wegschnappt - und wird deshalb zum Verräter.
Und auch dort wo nach aussen hin alles glänzt, ist die Wirklichkeit anders als sie aussieht. Jungarchitekt Philip (August Diehl - "23") trifft im Rahmen eines Projekts zum Bau einer Textilfabrik auf seine ehemalige Liebe Beata (Julia Krynke), eine polnische Übersetzerin. Doch er muss bald feststellen, dass sich Liebe nicht einfach wieder beleben lässt und durch Geld alles käuflich ist. Philips Auftraggeber (Herbert Knaup) drückt dann auch aus, was auf alle Figuren des Films anwendbar ist: "Philip, willkommen in der Wirklichkeit."
DVD-Rating
Lichter wurde im Jahre 2003 mit der "Silbernen Lola" (Deutscher Filmpreis) für den besten Spielfilm und auf der "Berlinale" mit dem Preis der internationales Filmkritik ausgezeichnet. Tatsächlich hat "23"- und "Crazy"-Regisseur Hans-Christian Schmid ein realistisch bedrückendes Drama geschaffen, das es schafft menschliche Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ungeschminkt zu vermitteln. Der Film lebt von seinen Darstellern, ob deutsche Kinostars wie August Diehl und Maria Simonl oder die unbekannten deutschen und osteuropäischen Schauspieler. Alle spielen ihre Rolle mit realistischem Ausdruck, der Ängste und Verzweiflung, aber auch Hoffnung und Sehnsüchte offenbart.
Willkommen in der Wirklichkeit - der Untertitel des Films wurde von Regisseur Hans-Christian Schmid überzeugend verwirklicht, denn die Geschichten, die hier nebeneinander ablaufen, sind bittere Realität an der (ehemaligen) Grenze zur EU. Der Film ist vollkommen desillusionierend, scheinbare Hilfsbereitschaft wandelt sich zu selbstsüchtiger Bereicherung, jeder stielt und betrügt. Auch die, denen geholfen wird, sind nicht frei von Schuld - so klaut Kolja beispielsweise Sonja, die ihn über die Grenze schmuggelt noch die Fototasche, um für seinen Bruder Bilder vom Potsdamer Platz in Berlin machen zu können. Wenigstens diese Szene hätte man anders enden lassen können, zum Beispiel damit, dass er ihr nach den Aufnahmen die Tasche zurück bringt.
So ist der Film durch seine Schonungslosigkeit nichts für schwache Gemüter und keineswegs leichte Kost für einen gemütlichen DVD-Abend. Ebenfalls ein leichtes Manko ist die unruhige Kameraführung von Nachwuchskameramann Bogumi Godfrejow, die einerseits keine Bewegung auslässt, mir andererseits wörtlich in den Magen gefahren ist.
Die Problematik um die illegalen Grenzübergänge wird durch die 30-minütige Dokumentation "An der Grenze" von WDR/3SAT ausführlicher besprochen. Erweitert wurde die DVD ebenfalls durch ausgewählte Filmografien, Interviews, einem Audiokommentar der Regisseur und des Autors, einem Making Of, zusätzlichen Szenen und einer Fotogalerie. Zusätzlich dazu gibt es die obligatorische Programmvorschau mit unterschiedlichsten Trailern.
Die Realität ist leider oft so wie sie hier abgebildet wird, dennoch hätte dem Film ein wenig Optimismus nicht geschadet. Nach der EU-Osterweiterung jedenfalls hat sich das Problem in Frankfurt an der Oder erst einmal erledigt - bzw. verschoben - in Richtung Osten.
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4.7 Sterne (5 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 19.02.2004
- Bildformat: 1:1.78
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: -
- Extras: Audiokommentar / Interviews / Filmografien / Making Of / Doku "An der Grenze" / Entfallene Szenen / Fotogalerie



