Honey (2003)

Honey (2003)

Oder: Eyecandy für Gangster und solche, die es nicht bleiben wollen

Honey

Honigsüss...

Honey Daniel (Jessica Alba) und ihre Freundin Gina (Joy Bryant) halten sich in Harlem mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als Barkeeperin in einer Grossraumdisco kann Honey jeweils kaum ihr Schichtende erwarten. Dann zieht es sie auf die Tanzfläche, wo sie ihre wahre Leidenschaft auslebt, das Tanzen. Die Inspiration für ihre Bewegungen holt sie sich auch bei den Kindern aus der Nachbarschaft, für die sie im Gemeindezentrum Hip-Hip Workshop organisiert.

Honey

"Hip-Hop, wasn das?"

Als ein Talentscout eines stadtbekannten Videoclipregisseurs (David Moscow) sie auf der Tanzfläche entdeckt, kommt Honey ihrem Traum, als Hip-Hop Choreographin berühmt zu werden, rasch näher. Ohne ihre Tanzstunden droht einem Jungen aus ihre Tanzgruppe aber bald das Absinken in die Kleinkriminalität und auch das Musikbusiness entpuppt sich nicht nur als eitel Freud und Sonnenschein. Für ein neues Probelokal braucht es finanzielle Mittel, die Eltern schauen mit grösser werdendem Argwohn auf die Machenschaften der Tochter, Gina bemängelt das mangelnde Timemanagement und zu all dem beginnt sich auch der Nachbar (Mekhi Phifer) für Honey zu interessieren...


Kinofilm-Rating

Jessica Alba als Zuckerpuppe von der Breakdancetruppe mit dem Herz am rechten Fleck gibt ihr Bestes, um ihrer Schauspielkarriere wieder auf die Sprünge zu helfen. Seit dem abrupten Aus von James Camerons TV-Serie Dark Angel ist sie unterbeschäftigt. Das Drehbuch zu diesem Film verlangt nun aber fast Unmenschliches von ihr.

Während den 94 Minuten kämpft ihre Filmfigur gegen das Treiben der Dealer in den Strassen von New York, den Sexismus im Musikvideobusiness und die Verwahrlosung der Kinder von erwerbstätigen Eltern. Die beruflichen Perspektiven, die der Film einem schwarzen Jugendlichen in den amerikanischen Grossstädten gibt, sind aber beschränkt. Dealer, Friseur, Basketballer oder Tänzer sind die männlichen Protagonisten in diesem Film. Für die Mädchen kann Jessica Alba bis zu einem gewissen Grad als Rollenmodel dienen. Die Leichtigkeit mit der sie am Ende des Films alle Probleme gelöst hat, bedarf aber eines grossen Masses an Gutgläubigkeit in die geballte Girlpower. Noch selten sahen Sozialarbeiterinnen so sexy aus wie Jessica Alba und Joy Bryant. Die Stylistin des Films nennt den Look der Mädchen "Urban Fabulous". Leider ist das Drehbuch nicht so fabelhaft.

Man merkt dem Film an, dass sich der Regisseur Bille Woodruff einen Namen gemacht hat als Videoclipregisseur (u.a. für Hot in Here von Nelly). Mindestens alle 10 Minuten wird in diesem Film getanzt und nicht weniger als 6 mal spielt das Geschehen in den Kulissen zu einem Videoclipdreh. Der Plot ging bei all diesem Gehüpfe aber flöten. Missy Elliott, Tweet, Ginuwine und Jadakiss & Sheek steuerten nicht nur Songs zum Soundtrack bei, sondern haben auch ihre Cameoauftritte. Wobei der von Missy Elliot, der Mutter aller Hip-Hopper, die als einzige auch einem breiteren Publikum bekannt ist, die amüsantesten sind. Lil' Romeo (nicht zu verwechseln mit Lil' Bow Wow, dem anderen Kinderstar der Rapszene oder Lil' Kim, deren Texte gar nicht jugendfrei sind) gibt den kleinen Gangster welchen Honey vor der Drogenhölle retten möchte. Der 13jährige hat sicher Talent, aber es sei an dieser Stelle an das Zitat des alternden Rockstars aus Love Actually erinnert: "Kinder kauft keine Drogen, werdet Popstars dann bekommt ihr sie gratis."

Honey ist ein Feelgoodfilm für Leute, die beim Erklingen von R'n'B Beats gleich die Hände in Luft halten. Auch Fans von Flashdance, Coyote Ugly und Save the Last Dance kommen auf ihre Kosten. Bei Abneigungen gegenüber all den Hüpfdolls aus den Spartenkänalen VIVA und MTV ist von einem Kinobesuch abzusehen.

3.3 Sterne
3.3 Sterne (76 Bewertungen) | 40 Kommentare

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04.12.2003 / rm