Haute Tension (2003)
Haute Tension (2003)
Oder: Hochspannung garantiert
Die beiden Jus-Studentinnen Marie (Cécile de France) und Alex (Maïwenn Le Besco) stehen kurz vor den Prüfungen. Zum Strebern verziehen sie sich aufs Land ins alte Bauernhaus von Alex' Eltern. Es ist schon spät, als die beiden jungen Frauen endlich ankommen. Das Brüderchen schläft schon. Doch Papa, Mama und der Hund freuen sich sehr, die beiden zu sehen.
In derselben Gegend fährt auch ein klappriger Citroën Bus herum. An Bord ein finsterer Geselle, der sich gerne auch mal vom Kopf einer weiblichen Leiche einen Blasen lässt. Gerade als sich Marie im kuscheligen Bett ein bisschen entspannt, klingelt es an der Tür. Nun ratet mal, wer da ziemlich rabiat um Einlass bittet! Richtig, der Bösewicht aus dem Citroën. Bald ist der Papa einen Kopf kürzer, der Hund hat zum letzten Mal mit dem Schwanz gewedelt, die Mama vermisst eine Hand und der Sohnemann hat ein Loch im Kopf. Kurz: die Prüfungsvorbereitungen der beiden Studis geraten erst einmal ins Stocken...
DVD-Rating
Haute Tension ist ein sehr gut gemachter Hochglanzslasher, der auch ausserhalb der Scary Movie Fraktion seine Freunde finden könnte, wenn nur der finale Plottwist nicht so unsäglich unplausibel wäre, dass sogar das Ende von Saw wie das Werk eines Hochbegabten erscheint.
Aber schön der Reihe nach. Beginnen wir mit dem Positiven. Wunderbar sind die Darsteller, die Tonspur und die blutigen Effekte. Die von Cécile de France aus L'auberge espagnole verkörperte Marie spielt das gepeinigte Mädchen sehr überzeugend. Agil schleichend und heftig schwitzend kämpft sie so effektiv um ihr Leben, das man nur selten auf andere Gedanken kommt, wie zum Beispiel warum französische Studentinnen keine Hosentelefone haben, um Hilfe zu holen. Ihre Onanieszene hätte man sich jedoch sparen können. Gruselig perfekt ist auch Phillipe Nahon als "le tueur", wie er im Abspann genannt wird, als das speckige Grunzelmonster mit Whiskyfahne. Maïwenn Le Besco sieht blutverschmiert ebenso unheimlich wie schön aus. Ihr Gesicht hat etwas Spezielles, was auch schon Luc Besson bemerkt hat, als er sie für die blaue Alien-Diva in The Fith Element ausgewählt hat, welche alle zehn Jahre für fünf Minuten singt. In Haute Tension singt nur einer, Matthew Bellamy der Sänger von Muse. Sein Stück "New Born" ist aber so perfekt in die Handlung eingebetet wie die restliche Musik. Der Score klingt manchmal wie ein Glöckchen, das an einem Kolibriflügel festgebunden ist, dann wieder wie der Piepston zum Testbild, aber untermalt die Horrorszenarien bestens im gut ausgerüsteten Heimkino. Die ziemlich brutalen Effekte von Altmeister Giannetto De Rossi sind auch sehr gut gemacht. Der 1978 geborene Franzose Alexandre Aja kennt seine Vorbilder gut: Maisfelder. Kettensägen (die auch mal ein kreisrundes Sägeblatt haben können). Duschszenen. Alles, was das Horrorherz begehrt, kommt vor. Nur manchmal bedient er Klischees an statt den Vorbildern zu huldigen. Und die ansonsten gekonnt genutzte Cinemascopebreite wird einmal nicht sehr meisterlich einfach auf den Kopf gestellt. Das wären kleine Fehler, die man einem Erstlingsregisseur verzeihen könnte. Nicht aber, der eingangs schon erwähnte unsägliche Schluss, den man aus Spoilertechnischen Gründen zum Glück nicht erwähnen darf. Es gibt Leute, die sagen, zweimal gucken hilft. Ich bezweifle es. Da passt zu vieles einfach nicht zusammen und ist auch mit einer gehörigen Portion Wohlwollen für Regiedebutanten nicht wegzudiskutieren.
Die hier vorliegende DVD ist die ungeschnittene Schweizer Fassung. Sie bietet ein tadelloses Bild und der Surroundsound kommt wie schon erwähnt sehr gut zur Geltung. Neben der originalen französischen Tonspur bietet diese Fassung noch eine deutsche und eine englische Synchro an. Auch wenn der Film nicht unbedingt reich an Dialog ist, muss man trotzdem erwähnen, dass vor allem die englische Fassung unterirdisch ist. Wer mehr über die Hintergründe zum Film erfahren will, ist mit der englischen Doppel-DVD, die unter dem Titel Switchblade Romance erschienen ist, am besten bedient. Sie bietet im Gegensatz zum französischen Doppelpack auch englische Untertitel und hat einen Audiokommentar mit dem Regisseur und der Hauptdarstellerin, der von einem Total Film-Redakteur geleitet wird. Finger weg von der deutschen Doppel-DVD, die ist gekürzt.
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4.2 Sterne (43 Bewertungen) | 10 Kommentare
DVD-Infos
Special Edition, erschienen am 27.01.2005
- Bildformat: 2.35 : 1 (Anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1, Französisch: Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Nix


