The Five Obstructions (2003)

The Five Obstructions (2003)

Oder: Der Mentor und sein Schüler

The Five Obstructions

Zwei Dänen

Im Jahr 2000 fordert Lars von Trier den dänischen Dokfilm-Veteranen Jørgen Leth - seinen Lehrer und Mentor - heraus. Er soll von seinem 12-minütigen Kurzfilm mit dem Titel Det perfekte menneske fünf Remakes anfertigen. Der perfekte Mensch ist ein Dokfilm über das menschliche Verhalten. Der Schwarzweiss-Film entstand 1967 und Lars von Trier behauptet, diesen aus Bewunderung schon über 20-mal gesehen zu haben.

Lars von Trier kann es aber nicht lassen, Leth jedes Mal Hindernisse in den Weg zu legen. Fünfmal diktiert ihm von Trier Beschränkungen, Diktate und Verbote. Ganz wie man es vom der Gallionsfigur der Gruppe um das Keuschheitsgelübde Dogma95 gewohnt ist. Leth nahm die Herausforderung an. The Five Obstructions zeigt die Resultate der Herausforderung und die Streitgespräche zwischen den beiden Regisseuren.


Kinofilm-Rating

Tausendsassa Lars von Trier ist zurück und stellt uns seinen Mentor Jørgen Leth vor. Leth zeichnet sich auch hauptsächlich für den Film verantwortlich. Aber man soll es dem Verleih nicht verübeln, wenn beide Namen in gleicher Schriftgrösse im Inserat stehen. Von Trier lockt auch bei schönem Wetter die Massen in die Arthouse Kinos.

The Five Obstructions ist ein Experiment. Original, Remakes und das Making-of verschmelzen zu einem Film. Das Original von 1967 studiert mit der Kamera je einen Mann und eine Frau. Die Kamera analysiert Ohr, Mund, Knie, wie ein Mensch umfällt, wie er isst und so weiter.

Die Dialoge zwischen von Trier und Leth sind mit der wackligen Handkamera aufgenommen. Von Trier figuriert als Giftzwerg, der mit allen Mitteln versucht Leth an seiner Arbeit zu hindern. Ins Blaue hinaus listet er die Behinderungen für Leth auf. "Nur 12 Bilder pro Einstellung! Ich will einen elenden Drehort, den man aber nicht zeigen darf. Mach einen Trickfilm!" bellt von Trier und Leth gehorcht, um dann die Kappe gewaschen zu bekommen nach der Visionierung des fertigen Produktes. Leths Gesichtausdrücke dabei sind unbezahlbar. Denn von Trier schafft es nicht, Leth zu einem schlechten Film zu zwingen. Beim ersten Remake - in Kuba gedreht - wird das Hindernis der zwölf Frames zum unbezahlbaren Stilmittel. Sogar das von beiden verhasste Genre des Trickfilms - beim vierten Remake angewendet - kommt nicht schlecht heraus. Im Stile von Linklaters Waking Life wird dem Original ein neuer Stempel aufgedrückt.

All dies erstaunt nicht, denn auch beim Film gilt die Devise "Not macht erfinderisch". Die Liste der Regisseure, die dank Hindernissen aller Art beim Drehen auf innovative Ideen kommen mussten, reicht von Hitchcock bis Peter Jackson. Was als Schnapsidee in einer E-Mail zwischen zwei Freunden begann, wurde schlussendlich eine kleine Forschungsreise in die Welt des Filmemachens - lustig und philosophisch zugleich.

4.0 Sterne
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06.04.2004 / rm