Cold Mountain (2003)

Unterwegs nach Cold Mountain

Cold Mountain (2003) Unterwegs nach Cold Mountain

Oder: Reiselust mal ganz ausführlich

Cold Mountain

Spannung herrscht?

Inman (Jude Law) zieht es wie viele junge Männer des Dörfchens Cold Mountain in den amerikanischen Bürgerkrieg. Nach zahllosen Schlachten flüchtet er schwer verletzt und im Wissen all seine Freunde im Krieg verloren zu haben aus einem Lazarett und macht sich auf einen beschwerlichen Heimweg zu seiner Geliebten Ada (Nicole Kidman). Auf seiner Flucht muss er als Deserteur vor seinen eigenen Leuten um sein Leben fürchten und trifft in einer wahren Odysse auf Freund und Feind.

Cold Mountain

*schmacht*

Ada hat selber mit den Widrigkeiten des Kriegslebens zu Hause zu kämpfen. Ihr Vater (Donald Sutherland) verstarb kurz nach Inmans Eintritt in die Rebellenarmee und hinterliess ihr die Farm, die sie alleine nicht zu bewirtschaften versteht. Ausserdem muss sie dem Liebesbuhlen des einstigen Dorfkönigs Teague (Ray Winston), seines Zeichens Befehlshaber der Bürgerwehr, widerstehen, dessen Interesse in erster Linie Adas Landbesitz gilt. Mit Hilfe der burschikosen Ruby (Renée Zellweger) gelingt es ihr zwar die Farm wieder auf Vordermann zu bringen, doch der Krieg scheint auch Cold Mountain einzuholen, Teagues Meute macht Jagd auf Deserteure.


Kinofilm-Rating

Willst du einen erschütternden Film über den amerikanischen Bürgerkrieg sehen? Oder ein packendes Liebesdrama? Einen aufwühlenden Überlebenskampf? Oder vielleicht alles zugleich? Dann geh dir bloss nicht Cold Mountain ansehen. Obwohl Anthony Minghellas Film Elemente aus all diesen Ingredienzen enthält, wird der Film kaum einer davon auch nur annähernd gerecht. Im Gegenteil: Cold Mountain ist ein überlanger, ächzend langweiliger, überspielter und hilflos pathetischer Schinken, bei dem man nach einem ersten Blick auf die Uhr verzweifelt feststellt, dass erst 30 Minuten um sind und das Ding noch zwei Stunden andauern wird.

The English Patient, ein hochdekoriertes Werk von Anthony Minghella, hatte ja durchaus seine Längen, aber auch eine drückend betäubende, sehr poetische Atmosphäre, derer man sich doch gerne hingab, abgesehen von der wunderbar stimmungsvollen Kameraarbeit. Cold Mountain aber vereint all die negativen Seiten, die in Minghellas Englischem Patienten in kleinerem Ausmass schon vorhanden waren, nun über eine Länge von gut zweieinhalb kaum enden wollenden Stunden ausgedehnt. Hinzu kommt eine Nicole Kidman, die ich selten in letzter Zeit so fehlbesetzt sah, stereotype Nebendarsteller (Giovanni Ribisi etwa oder Ray Winston als Oberbösewicht Teague) und selbst die überall so hochgelobte Renée Zellweger mit ihrem überzogen klingenden Südstaaten Akzent kann den bereits zerbrochenen Krug auch nicht mehr zum Brunnen bringen. Und dann glotzt Jude Law als Mischung zwischen Robinson Crusoe und Rächer der Enterbten auch noch minutenlang in die Leere.

Was hart klingen mag, ist unter dem Einwand besser zu verstehen, dass beide, Kidman und Law, ihr bestes (und noch mehr) versuchen und zu viel des Guten tun, um ihre Charktere in ein dramatisch glaubwürdiges Licht zu rücken, während sich die zäh umgesetzte Story mit ihren bedeutungsschweren Sätzen vor sich hinwälzt. Und es bleibt die Frage, wer ums Himmels Willen daran glaubte, dieses Szenario von Buchautor Charles Frazier derartig in einen bemüht beeindruckenden Film zwängen zu können?

Anthony Minghella bleibt seiner Linie treu, Romanwerke mit der grossen Kelle anzurühren. Was bei The English Patient und Talented Mr. Ripley noch funktionierte, geht hier schief, gerade wenn der Cast die Bürde nicht tragen kann. Cold Mountain ist ein allzu berechnender Oscar-Möchtegern, der wohl dennoch sein Publikum erreichen wird, dem ich aber beim besten Willen keinen "must see" Stempel aufdrücken kann. Oder um die Anglizismen zu umgehen: Cold Mountain ist eine mittlere Zeitverschwendung!

3.9 Sterne
3.9 Sterne (107 Bewertungen) | 36 Kommentare

2.0 Sterne2 von 0.0-6.0
26.01.2004 / pb