Alien Quadrilogy (2003)

Alien Quadrilogie

Alien Quadrilogy (2003) Alien Quadrilogie

Oder: Das Beste DVD-Set Aller Zeiten

Alien Quadrilogy

Ob Code 2 oder...

Seit dem ersten Schocker Alien von Ridley Scott aus dem Jahre 1979 hat es die Alien-Serie auf drei weitere kommerzielle Auswertungen gebracht. Der revolutionäre Science-Fiction-Film transportierte den Horror in den Weltraum. Leutnant Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und ihre Crew werden dabei von einem unheimlichen Wesen aus dem All terrorisiert. In Aliens von James Cameron, einem martialischen Update des Grundmotivs, kämpfen amerikanische Marines gegen Heerscharen der Biester und entdecken dabei eine weitere Entwicklungsstufe der Aliens. In Alien³ missglückte David Finchers Langfilmdebut. Er lässt Ripley allein unter Mönchen nach einem letzten Kampf gegen ihren Intimfeind ableben. Jean-Pierre Jeunet belebt sie in Alien: Resurrection als Klon wieder, um noch einmal gegen den bösartigen Organismus antreten zu können. Für eine detaillierte Analyse der einzelnen Filme wird auf die individuellen Kritiken auf OutNow.ch verwiesen. Was es mit dem Alien Quadrilogie 9er-DVD-Set auf sich hat, erfährt man im folgenden.

Alien Quadrilogy

... Code 1 - Es herrscht Kaufzwang!

Die Alien Quadrilogie ist atemberaubend. Genau für solche Editionen wurde die DVD erfunden. Besser kann man es nicht machen. Auf neun DVDs findet der Fan alles, was das Herz begehrt. Jeder der Filme kann man sich in zwei verschiedenen Versionen ansehen. Dazu Bonusmaterial im Überfluss: Dokumentationen mit Archivmaterial und neu gedrehten Interviews, Storyboards, Set-Design Zeichnungen, Fotos und Audiokommentare. Nach dem Genuss der neun DVDs bleiben keine Fragen mehr offen, ausser vielleicht der nach der 1999 erschienenen Alien Legacy und ob man diese behalten sollte.

Das Bonusmaterial, das es meist aus Platzgründen nicht von der Alien Legacy auf die neue Quadrilogie geschafft hat, umfasst folgendes: Ridley Scotts Soloaudiokommentar (ein neuer wurde aufgenommen für die Quadrilogie), Jerry Goldsmiths isoliertes Score (wegen rechtlicher Probleme), die alternative Musik- und Produktionstonspur, und das Osterei mit dem Alien Lifecycle und den Nostromo Crew Bios. Bei Aliens fehlt das Interview mit James Cameron. Ebenso fehlen bei Alien³ und Alien: Resurrection die Promotions-Making-Ofs. Die Alien Legacy Dokumentation von der fünften Bonusdisk fehlt auch. Das neue Material entschädigt aber zur genüge, so dass nur Hardcore Fans etwas vermissen sollten.

Was kann man aber nun genau erwarten, wenn man in das mehrere Dutzend Stunden umfassende Bonusmaterial taucht? OutNow.ch hat sich während fast einer Woche mit den Alien-filmen auseinandergesetzt und hat nun folgendes zu berichten.

Jeder Film der Serie wird auf zwei DVDs abgehandelt. Die erste DVD enthält die Kinofassung und die Special Edition des jeweiligen Films, anamorph abgetastet, mit verschiedenen Tonspuren und den Audiokommentaren. Diese wären für alle vier Filme vorhanden und könnten jeweils sowohl mit der Kinofassung als auch der Special Edition angehört werden, wenn man denn die US-Disk hätte. Leider lässt die Navigation auf der Version mit Ländercode 2 nur Kommentare bei jeweils einer der Fassungen zu. Inkonsequenterweise ist es deshalb möglich, Kommentare für die Special Editions der Teile zwei und vier zu hören. Bei den Teilen eins und drei hört der europäische DVD-Fan hingegen mehr Informationen zur Kinofassung. Als weiterer kleiner Nachteil der europäischen Version erweist sich, dass die neuen Szenen in Amerika mit kleinen Einblendungen gekennzeichnet werden können. Was sich praktisch erweist für Fans, die die Filme noch nicht so gut kennen. Diesen "Deleted Footage Marker" kann man praktischerweise auch ausblenden.

Auf der zweiten Disk befindet sich das Bonusmaterial, das jeweils nach einem einheitlichen Grundmuster unterteilt wird in "Pre-Production", "Production" und "Post-Production". Die DVD erlaubt so, das Material auf der zweiten DVD in geordneter Dosierung anzuschauen. Es wird auch die Option geboten, sich alle Dokumentationen bzw. Fotos oder die Zeichnungen am Stück reinzuziehen. Viel Zeit vorausgesetzt - die Dokumentationen dauern alle um die drei Stunden - ist das sicher der Weg, den man beschreiten sollte. Weiteres Material wurde aus Platzgründen auf die neunte Disk verschoben. Nun aber zu den Disks im einzelnen.


DVD-Rating

Disk 1: Alien

Die Bildqualität vom Alien ist hervorragend. Trotz seiner 25 Jahren kann er mit seinen jüngeren Nachfolgern mithalten, wenn nicht sogar übertreffen. Die Restauratoren habe sehr gute Arbeit geleistet und man sieht eine Steigerung gegenüber der Bildqualität der Alien Legacy. Die Tiefenschärfe ist erstaunlich, man erkennt die Hintergründe noch eine Spur besser als vorher. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Filmartefakte während des Vorspanns. Winzige schwarze Punkte, die mit der Kamera mitfahren, als befänden sie sich auf dem Objektiv. Die US-Version der Quadrilogie hat diese nicht. Sie waren aber schon auf der Alien Legacy zu sehen.

Beim Ton gibt es für die englische Fassung nur die Höchstnote zu verleihen. Wiederum muss man bedenken, dass das Sounddesign Ende der Siebziger Jahre noch weit von den heutigen Standards entfernt war. Die deutsche Synchronfassung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Sie wird zwar auch als dts-Spur angeboten, vermag aber nicht zu überzeugen. Wer sich diese antun möchte, muss neben den generellen Unzulänglichkeiten einer Synchro, wie die blöden Witzchen über "Spaghetti Nostromo", die nur auf Deutsch zu hören sind, auch noch weitere Mängel aushalten. Alle Aussenaufnahmen, in denen ein Raumschiff vorbei fliegt, haben in der deutschen Fassung einen tieferen Bass, der den Subwoofer leicht erzittern lässt. Bei Innenaufnahmen brummelt die Nostromo auf Deutsch konstant. Die englische Fassung ist da viel subtiler. Zusammen mit den zischenden deutschen Synchronstimmen ist es kein Genuss der Crew auf deutsch zuzuhören. Gerade bei diesem Film spielt die Geräuschkulisse aber eine entscheidende Rolle und wird auch von Ridley Scott im Audiokommentar angesprochen. Die englische Fassung ist zudem viel detaillierter, was das Klangfeld betrifft. In der Szene im Krankenzimmer, in der Ripley, Dallas und Ash nach dem Facehugger suchen, ist auf Englisch zum Beispiel Kanes Atmung zu hören. Bei der Suche nach dem erwachsenen Tier gleich nach der Chestburster-Szene rufen sich die Leute aus verschiedenen Richtungen zu, während die deutsche Spur sehr centerlastig ist. Wenn sich Brett ins Gesicht regnen lässt, hört man die einzelnen Tropfen auf seine Baseballkappe fallen. Auf der deutschen Tonspur gehen diese Details in einem rauschenden Wasserfall unter.

Dem 2003 "Director's Cut" sind nur wenige Szenen angefügt worden. Scott erklärt in der Einführung, dass er mit seiner ursprünglichen Fassung von 1979 sehr zufrieden war. Es handelt sich höchstwahrscheinlich nur um einen Marketing-Gag, um den Film nach 25 Jahren wieder ins Kino zu bringen. Dem Konflikt zwischen den beiden Frauen an Bord wird ein grösseres Gewicht gegeben und der Tod des ersten Besatzungsmitglieds ist blutiger. Als Höhepunkt gibt es die famose Verpuppungsszene, die mit drastischen Bildern zeigt, was das Biest mit seiner Beute anstellt, gleichzeitig aber auch die Klimax bremst, auf die der Film zusteuert. Der "Director's Cut" ist aber trotzdem weniger lang als die ursprüngliche Kinofassung. Denn um dem Sehverhalten des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden, hat Scott den Film gestrafft und an verschiedenen Stellen gekürzt.

Auf dem Audiokommentar sind Regisseur Ridley Scott, Drehbuchautor Dan O'Bannon, der ausführende Produzent Ronald Shusett, Cutter Terry Rawlings und die SchauspielerInnen Sigourney Weaver (seltsamerweise nur hier), Tom Skerritt, Veronica Cartwright, Harry Dean Stanton, and John Hurt zu hören. Der Audiokommentar ist trotz des extensiven Bonusmaterials selten redundant und es hat mehrere Highlights, wie z.B. O'Bannons Ansichten zu Subplots, Weavers Missverständnisse mit dem Cockney-English und Scotts Anmerkung zum Sexualleben des Androiden an Bord. Der Audiokommentar ist deutsch untertitelt, auf der Code 2-Disk aber leider nur für die Kinofassung abrufbar.

Disk 2: Alien - Das Bonusmaterial

Auf Disk 2 befindet sich die Dokumentation The Beast Within - The Making of Alien. Das Filmmaterial zu dieser Doku allein summiert sich schon auf knapp drei Stunden. Dazu kommen noch eine Vielzahl an Zeichnungen und überbordende Fotogalerien.

Zur Kategorie "Pre-Production" gehört Star Beast - Developing the Story, das Einblicke gibt, wie das Drehbuch zusammenkam und warum der Film schlussendlich gedreht werden konnte. Wer hätte gedacht, dass Dark Star von John Carpenter einen Einfluss auf Alien hatte? Das Originaldrehbuch, das in den Grundzügen alle wichtigen Elemente des späteren Films schon beinhaltete, kann als First Draft Screenplay by Dan O'Bannon nachgelesen werden. In The Visualists - Direction and Design erzählt Ridley Scott, wie er zum Projekt stiess und H.R. Giger kommt zum ersten Mal zu Wort. Nicht alle waren schon von Beginn an so von seiner Kunst angetan wie Scott. Truckers in Space erzählt mehr zum Casting. Sigourney Weaver war noch kein Star damals. Aber gemäss Ridley Scott "geboren, um Ripley zu spielen", wie er sich im Kommentar zu den Screen Tests ausdrückt. Ridley Scott ist bekannt für seine Storyboards. Die Ridleygrams waren so überzeugend, dass das Budget sogleich auf 8.4 Millionen Dollars verdoppelt wurde. Im Story Board Archive und im Art of Alien Portfolio, gibt es Hunderte weiterer Bilder, die man sich ansehen kann. Promotionfotos der Besetzung schliessen diesen Teil ab.

Im Teil zur "Production" geht es im gleichen Stil weiter. Fear of the Unknown - Sheperton Studios, 1978 zeigt mit vielen Blicken hinter die Kulissen, wie es menschelte am Set. The Darkest Reaches lässt die Designer der Nostromo und des Alienplaneten zu Wort kommen. Alles, was mit den verschiedenen Lebensphasen des Aliens zu tun hat, wird in The 8th Passenger erläutert. H.R. Giger muss den Leuten am Set einen gehörigen Schrecken eingejagt haben. Für die "Chestburster" Szene wurde übrigens den Schauspielern nicht verraten, was sie erwartet. Die Multi-Angle Sequenzen mit Scotts Audiokommentar zum Dreh dieses Klassikers ist deshalb unbezahlbar und gehört mit den Bildern der geschockten SchauspielerInnen zu den Highlights des DVD-Sets. Wiederum Tausende von Bildern gibt es in der Production Gallery, den Continuity Polaroids, in Sets of Alien und H.R. Giger's Workshop zu sehen.

Der ,"Post-Production" Teil schliesst mit Future Tense, einem Beitrag zum Schnitt und der Filmmusik, die zeigt das Jerry Goldsmith und Ridley Scott das Heu nicht auf derselben Bühne hatten. Outward Bound ist ein simpler Bericht über die visuellen Effekte und in A Nightmare Fullfilled werden die Reaktion zum Film rekapituliert. Viele Leute fanden Alien regelrecht "zum Kotzen". Deleted Scenes gibt es sieben an der Zahl und ein Teil davon war nicht einmal auf der Alien Legacy zu finden. Bilder gibt es wiederum zu sehen in der Visual Effects Gallery, den Poster Explorations und den Fotogalerien zur Premiere und dem Special Shoot zu Promotionszwecken.

Disk 3: Aliens

Aliens ist der einzige Film in der Alien-Reihe, der im Verhältnis 1.85:1 gedreht wurde. Es konnten keine Unterschiede in der Bildqualität festgestellt werden beim Vergleich der Legacy mit der Quadrilogie. Obwohl es ein sehr guter Transfer ist, kommt er aber nicht an das Glanzresultat des restaurierten Alien heran. Das Bild wirkt kalt und ein bisschen schummrig.

Was den Sound betrifft, ist Aliens schon immer ein Klassiker gewesen. Er wird seinem Ruf auch auf dieser DVD gerecht. Die deutsche Synchronfassung kann diesmal in bezug auf die Toneffekte mit der englischen Fassung mithalten. Leider war es nicht möglich, die im "Director's Cut" hinzugefügten Szenen mit denselben Synchronsprechern anzufertigen. Wenn also Ripley plötzlich mit der deutschen Synchronstimme von Meg Ryan spricht, und Private Hudson (Bill Paxton) tönt wie Biff Tannen aus Zurück in die Zukunft, weiss man sofort, dass es sich um neue Szenen handelt. Ausserdem sind die Übergänge zwischen den alten und neu hinzugefügten Szenen zum Teil unsauber. Wortfetzen wiederholen sich oder werden verschluckt. Bildtechnisch sind die eingefügten Szenen nicht von den anderen zu unterscheiden.

Die Special Edition möchte James Cameron deutlich als "Director's Cut" verstanden haben. Die längere Fassung entspricht somit ganz klar seinen Vorstellungen. Die kürzere Kinofassung ist in der Quadrilogie zum ersten Mal auf DVD erhältlich. Sie enthält weniger Szenen auf der Erde, und zeigt weniger Angriffe der Aliens auf das Lager der Marines.

Der beste Audiokommentar des Sets wird bestritten vom Regisseur James Cameron, der Produzentin Gale Anne Hurd, dem Alien Effects Creator Stan Winston, den Visual effects Supervisors Robert und Dennis Skotak, dem Miniature Effects Supervisor Pat McClung und den SchauspielerInnen Michael Biehn, Lance Henriksen, Jenette Goldstein, Bill Paxton, Carrie Henn und ihrem Bruder Christopher Henn. Vor allem Camerons Äusserungen sind sehr interessant. Er hat sich das Original genau angesehen und sich viel dazu überlegt. Er lässt den Zuschauer unter anderem teilhaben an seinen Gedanken zum Widescreenformat. Heute würde er Alien auch in 2.35:1 aufnehmen. Cameron entschuldigt sich im Audiokommentar bei richtigen Marines, für die aus heutiger Sicht "undisziplinierte Darstellung" der Soldaten. Er wusste damals einfach zu wenig über amerikanische Elitesoldaten. Achtung, Fertig, Charlie! ist also nicht der einzige Film mit falscher Darstellung des Armeelebens. Für den Spass sorgen die Stellen mit den Schauspielern. Deutsche Untertitel sind einblendbar und der Audiokommentar ist auf der europäischen Disk nur während der Special Edition zu hören.

Disk 4: Aliens - Das Bonusmaterial

Auf Disk 4 befindet sich die Dokumentation Superior Gunpower - The Making of Aliens. Das Filmmaterial zu dieser Doku summiert sich auf über drei Stunden. Dazu kommen noch eine Vielzahl an Zeichnungen und überbordende Fotogalerien.

Der "Pre-Production"-Teil startet mit 57 Years later. Fans wissen, genau so lange irrte Ripley im Weltall bis sie wieder zur Erde fand. Die Produzenten erzählen, dass es ihnen schon lange klar war, einen zweiten Teil drehen zu müssen. Sigourney Weaver gefiel die Geschichte. James Cameron und seine damalige Ehefrau und gleichzeitig die ausführende Produzentin Gale Anne Hurd waren aber junge Filmemacher, die sich erst beweisen mussten. Building Better World zeigt - wie schon beim ersten Teil - wie aus der Not eine Tugend gemacht wurde und aus Getränkeautomaten und Rotorenblättern Innenräume in Raumschiffen werden können. In den Previsualizations kann man im Multi-Angle-Verfahren sehen wie die Bauten auf ihre Kameratauglichkeit getestet wurden. Das Casting-Feature Preparing for Battle zeigt Original-Interviews mit der Besetzung von 1986 und bietet daher die Möglichkeit zu vergleichen, wie sich die Leute verändert haben. (Ich bezweifle, dass Paul Reiser heute noch einen rosa Wollpullover tragen würde.) Hinter dem Original Treatment versteckt sich das Drehbuch von James Cameron. Bilder bietet das Portfolio The Art of Aliens und die Cast Portrait Gallery.

Im "Production"-Teil beschreibt This Time it's war die Dreharbeiten, die kein Zuckerschlecken waren. Cameron ist ein Tyrann auf dem Set. Der Kameramann wurde gefeuert und mit den Teepausen der englischen Techniker konnte sich der Kanadier nie anfreunden. Ein Streik der Belegschaft war die Folge. Dem Waffenarsenal, das in Aliens durchgeröstet wird, widmet sich The Risk always lifes - sehr martialisch! Waffennarren werden sich ebenso an der Fotogalerie zu Weapons and Vehicles erfreuen. In Bug Hunt lassen sich die Kreaturenbastler über die Schulter schauen. Der heimliche Star, die Alienkönigin, bekommt ihre eigene Doku: Beauty and the Bitch - der Kampf gegen Ripley im Power Loader darf da auch nicht fehlen. Sigourney Weaver und die Darstellerin der Newt, Carrie Henn, verstanden sich auch hinter der Kamera prächtig wie Two Orphans zeigt. Eine Unmenge an Bildern liefert die Production Gallery, Continuity Polaroids und Stan Winston's Workshop, der H.R. Giger ablöste als Meister der Alienkreation.

Während der ,Post-Production' gab es wieder Spannungen zwischen Regisseur und Komponist der Filmmusik. Die Zeit drängte und James Cameron hatte wenig Geduld mit James Horner wie The Final Countdown zeigt. Fast ein Wunder, dass die beiden später wieder einmal zusammenarbeiteten. So bleibt sogar ein bisschen Zeit über Titanic zu reden. Wenn es schon keine Special Edition-DVD zum Katastrophenfilm gibt, so hört man hier wenigstens ein bisschen von den Gedanken, die sich Horner zur Filmmusik machte. The Power of Real Tech dauert ein bisschen lange und zeigt wie die Skotak Brüder ihre visuellen Effekte bewerkstelligten. Aliens unleashed lässt dann nochmals alle schwärmen, wie gut der Film aufgenommen wurde. Sequels waren in den Achtzigern eher die Ausnahme als die Regel und die sieben Oscarnominierungen kamen für viele überraschend. Zwei weitere Fotoarchive zu den Visual Effects und dem Film Finish & Release gibt's auch noch zu besichtigen.

Disk 5: Alien³

Mit Alien³ kommen wir in die Neunziger, was automatisch zu besserem Ausgangsmaterial für den Transfer führt. Trotzdem ist das Bild von Alien³ aus der Quadrilogie ein kleines bisschen besser als auf der Alien Legacy. Es wirkt schärfer und klarer. Die Braun- und Beigetöne bei der Farbgebung waren aber schon immer sehr gut dargestellt. Der Print scheint auch ein bisschen sauberer zu sein. Beim Ton gibt es nichts zu meckern. Die tontechnisch interessantesten Szenen sind die, in denen das Alien durch die Gänge gejagt wird. Da kann man die Fortschritte, die die Tontechnik seit 1986 gemacht hat regelrecht fühlen.

Diese Special Edition von Alien³ ist sicher die mit am meisten Spannung erwartete Fassung. Von einem "Director's Cut" zu sprechen ist völlig fehl am Platz. Es wurde gemacht, was man konnte, um der ursprünglichen Vision von David Fincher gerecht zu werden. Den dreistündigen Rohschnitt, von dem in der Dokumentation auf Disk 6 die Rede ist, werden wir wohl nie zu Gesicht bekommen. Was man geboten bekommt, ist die um eine halbe Stunde verlängerte Fassung mit sehr gut integrierten, verschollen geglaubten Szenen. Das Alien entspringt jetzt einem Ochsen statt dem Rotweiler aus der Kinofassung. Die Bergungsarbeiten sind länger eingefangen und erlauben einen ausführlicheren Blick auf das Leben auf Fiorinia 161. Die Special Edition wird auch um einen Subplot mit Golic, einem der Sträflinge, erweitert. Er wird quasi zum Verbündeten des Alien und durchkreuzt die Pläne der anderen Bewohner des Planeten. Der Schluss ist zudem weniger pathetisch.

Der Audiokommentar von Kameramann Alex Thomson, Cutter Terry Rawlings, den Alien Effects Designers Alec Gillis und Tom Woodruff, Visual Effects Producer Richard Edlund, und den Schauspielern Paul McGann und Lance Henriksen ist sehr techniklastig. Wer sich nicht für die Beleuchtung eines Filmsets interessiert, wird ihn äusserst langweilig finden. Genaueres zu Finchers Abwesenheit wird den Zuschauern nicht vermittelt. Deutsche Untertitel sind vorhanden. Auf der Code 2-Disk ist der Kommentar aber leider nur für die Kinofassung abrufbar.

Disk 6: Alien³ - Das Bonusmaterial

Für die Dokumentation zu Alien³ hat man sich nicht mehr die Mühe gemacht einen schönen Titel auszudenken. Sie heisst darum schlicht The Making of Alien³. Unter drei Stunden Dauer schafft auch sie es nicht, obwohl der grosse Abwesende David Fincher überhaupt nichts zu der Doku beigetragen hat. Man hat sich erhofft, er würde wenigstens seine Sicht der Dinge aufzeigen. Speziell nach dem man hier so viel über die Hintergründe zu diesem Fiasko erfahren kann. Leider ist dem nicht so und das Gefühl kommt auf, man könnte noch mehr zu Alien³ erfahren.

Schon bei der "Pre-Production" zeichnete sich das Debakel ab. Die verschiedenen Konzepte für den dritten Teil werden in Development von Renny Harlin, der als erster als Regisseur involviert war, durchleuchtet. Das Ganze nahm eine absurde Wendung als der Autor Vincent Ward mit seiner Idee des hölzernen Planeten aufwartete. Was dahinter steckt kann in Tales of the Wooden Planet angeschaut werden. Wers dann immer noch nicht glaubt, der staune über das Portfolio mit Konzeptionsvorschlägen The Art of Arceon. Pre-Production Part III zeigt wie die ganze Produktion trotz allen schlechten Vorzeichen begonnen wurde. Im grundehrlichen Xeno-Erotic wird schlussendlich breit gewalzt, wie man es sich mit H.R. Giger, der anfänglich an einem Re-Design interessiert war, verscherzte. Storyboards und The Art of Fiorina zeigen Bilder aus dieser konzeptlosen Zeit.

Durch die "Production"-Phase führen die Featurettes Production Part I, Part II und Part III. Part I ist eine normale "Auf dem Set" - Dokumentation. Nur das halt nichts normal ist bei diesem Film. Ohne Drehbuch, aber in den grössten Kulissen, die jemals für einen "Alien"-Film gebaut wurden, filmte man einfach drauflos. Man sieht nun endlich Fincher bei der Arbeit. Keines der Crewmitglieder redet schlecht über ihn. Part II schildert wie die Produktion einfach abgebrochen wurde, wie ein dreistündiger Rohschnitt die Studiobosse schockte und wie mühsam es werden kann, wenn die Haare der Hauptdarstellerin nachwachsen, nachdem sie Rolle mit Glatze gespielt hat. Part III ist ein Portrait über Fincher und wie er als "Anfänger" mit der Hollywoodmachinerie zu kämpfen hatte. Des Weiteren gibt es noch eine technische Doku zum Creature Design Adaptive Organism, die als Highlight zeigt, wie versucht wurde, einen Windhund (sic!) als Alien zu verkleiden. Fotos davon findet man auch in der Production Gallery und dem Archiv aus A.D.I.'s Workshop, die sich für die Kreation der Puppen und Aliens verantwortlich zeigten.

Im "Post-Production" - Bereich gibt es noch einen Film zu den misslungenen visuellen Effekten: Optical Fury, etwas mehr über Music, Editing and Sound und mit Post-Mortem deprimierende Aussagen über die Reaktionen nach der Veröffentlichung. Optical Fury wird begleitet von noch einer Visual Effects Gallery und der Vollständigkeit halber gibt es auch hier Promofotos der DarstellerInnen.

Disk 7: Alien: Resurrection

Alien: Resurrection sah schon immer sehr gut aus auf DVD. Jean-Pierre Jeunet ist bekannt für farbige Sets, die aber immer auch mit sehr dunklen, fast schwarzen Stellen kontrastieren. Alien: Resurrection ist der dunkelste Film der Serie. In der Quadrilogie sind die Schwarzwerte noch ein bisschen höher. Alien: Resurrection sollte deshalb in kompletter Dunkelheit geschaut werden, damit er sein volle Pracht entfalten kann. Der Ton ist "State of the Art". Schöne, tiefe Bässe und immer wieder grossartige Surroundeffekte. Für den Audiokommentar haben sich Regisseur Jean-Pierre Jeunet, Cutter Herve Schneid, die Alien Effects Creators Alec Gillis und Tom Woodruff Jr., der Visual Effects Supervisor Pitof, der Conceptual Artist Sylvain Despretz und die Schauspieler Ron Perlman, Dominique Pinon und Leland Orser zur Verfügung gestellt. Jeunets Akzent ist süss. Und Perlmann redet übers Pinkeln im Wasser. Der Kommentar ist deutsch untertitelt und auf der Code 2-Disk leider nur für die Special Edition abrufbar.

Disk 8: Alien: Resurrection - Das Bonusmaterial

One Step Beyond: The Making of Alien Resurrecton heisst die letzte Dokumentation auf der Quadrilogie. Dass auch der vierte Teil mit mehr als drei Stunden Boni ausgestattet wurde, zeugt vom Willen von Fox Home Video, es wirklich allen Recht zu machen. Das ist lobenswert.

Es beginnt wiederum mit der "Pre-Production". From The Ashes ist ein kurzer Beitrag über die Wiederbelebung der Geschichte. Jean-Pierre Jeunet, der Mann, der uns Amélie gebracht hat, ist verantwortlich für den French Twist. Herrlich wie er mit starkem französischen Akzent seine Anekdoten zum Besten gibt. Sein langjähriger Partner Marc Caro mag die Sonne nicht und kann nicht Auto fahren. Logischerweise gefiel es ihm nicht in Los Angeles, und es verwundert nicht weiter, dass er bei diesem Film nicht dabei war. Er hat trotzdem ein Paar Designs gezeichnet, die man in den Marc Caro Portfolios angucken kann. In Under the Skin geht es ums Casting. Jeunet scharte alte Bekannte um sich, damit er sich wohler fühlte im fremden Hollywood. Test Footage besteht aus mehreren Teilen. Für die schlimmen Bilder der berstenden Schädeldecken im ersten Teil, entschädigt ein Blick auf die Brustwarzen von Weaver beim Kostüm testen im zweiten. Ähnlicher Art sind die Kameratests in den Previsualistations. Storyboards, die Bildergalerie The Art of Resurrection und das First Draft Screenplay von Joss Whedon runden den ersten Teil ab.

Die bewegten Bilder der "Production" legen ihren Focus auf coolen Unterwasserszenen. Man lernt bei Death from Below - Fox Studios Los Angeles 1996, dass Beifügen von Milch das Wasser weisser macht und dass die Dreharbeiten im Wassertank nicht ungefährlich waren. Sehr interessant! In the Zone beweist ein für alle Mal, dass Sigourney Weaver in der legendären Basketball Szene, den Korb ohne Tricks und doppelten Boden geworfen hat. Wer immer noch nicht genug hat vom Creature Design, kann in Unnatural Mutation und dem zweiten A.D.I.'s Workshop-Fotoarchiv auf diesem Set nochmals Material über die verschiedenen Lebensphasen des Alien anschauen. Nochmals Hunderte von Fotos gibt es in der letzten Production Gallery. Das beste Sujet ist, wenn Weaver das Alien füttert als wär's ein Kalb.

Der Overkill setzt dann bei der "Post-Production" ein. Genetic Composition über die Filmmusik ist nicht mehr sehr interessant. Virtual Aliens zeigt die ersten CGI Effekte in der "Alien"-Serie. Erstaunlich wie die Technik sich entwickelt hat. Wie man in A Matter of Scale sieht, hatten die Miniaturmodelle aber auch noch ihre Berechtigung. Auch auf dieser Disk lässt man die Reaktion auf den Film nochmals Revue passieren. Leider kommen weder Sigourney Weaver noch Winona Ryder in Critical Juncture zu Wort. Dafür redet man über Ideen zu weiteren Teilen. Interessanterweise verliert dabei niemand ein Wort über Sachen wie Alien vs. Predator. Wer immer noch nicht genug Bilder gesehen hat, kann seinen Hunger weiter stillen bei den Promofotos und der Visual Effects Gallery.

Disk 9: Bonus Material

Wer gedacht hat, das wär's dann, der irrt. Die neunte Disk bietet zu allen vier Filmen Trailers, Teasers und TV-Spots an, die wohl aus Platzgründen hierher verschoben wurden. Zu Alien gibt es ausserdem den einstündigen Film Alien Evolution von Channel Four aus dem Jahre 2001, der auch Bilder aus Gruyère zeigt und Giger auf Deutsch parlieren lässt. Sehr cool ist das Original Making-of Experience of Terror von 1979 und das Ridley Scott Q&A, das drei Tage nach dem 11. September 2001 anlässlich einer Wiederaufführung von Alien aufgezeichnet wurde. Scott beantwortet dabei viele Fan-Fragen. Als besonderes Läckerli findet man auf dieser Disk auch die komplett aufbereiteten Archive der Laser Disk Editionen von Alien und Aliens. Diese waren 1992 das Nonplusultra im damaligen Heimkinomarkt und werden mit der exakt gleichen, aus heutiger Sicht popeligen Navigation wie auf der Laserdisk angeboten. Eine gute Idee. Zu guter Letzt müssen noch die Aufnahmen der Sammlung von Bob Burns genannt werden. Der Mann hat Unmengen von Filmmaterial aus allen vier Filmen. Deshalb der Titel des Films Aliens in the Basement. Die abschliessende Galerie von Alien Comics aus dem Hause Dark Horse ist wirklich nur für Fans.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Verpackung. Die US-Quadrilogie sieht zwar sehr schön aus, ist aber ein bisschen unpraktisch. Ähnlich wie die X-Files-Staffeln befinden sich die Disks in einer faltbaren Halterung, die in einem Schuber steckt. Ausgepackt auf den Boden gelegt, ist das Packet etwa eineinhalb Meter lang. Wenn man nun nur mal kurz die siebte Disk einlegen will, wird es mit dieser Art der Packung ein bisschen mühsam... Da ist die europäische Quadrilogie angenehmer zu Handhaben. Deren Halterung ist wie ein Buch, in dem man blättern kann und somit schneller auf die DVDs zugreifen kann. Dafür werden die Disk von den FSK-Logos und den englischen Pendants dazu verschandelt.

Welches Fazit kann nun gezogen werden? Die Alien Quadrilogie ist sicher teuer. Aber sie ist jeden Franken wert und sie ist höchst empfehlenswert für jede DVD-Sammlung, die was auf sich hält. Dem Schreibenden ist noch keine bessere DVD- Sammler-Edition untergekommen. Ein dickes Lob geht an Charles de Lauzirika und sein Team, welche diese Quadrilogie zusammengestellt haben. Vergleichen kann man die Alien-Quadrilogie nur mit den Lord of the Rings-Vierersets. Der Vergleich hinkt aber insofern, dass es sich bei der Alien-Reihe um zum Teil 25 Jahre alte Filme handelt. Es war deshalb ungemein schwierig an interessantes Material heranzukommen. Bei Lord of the Rings konnte schon während der Produktion an allfällige DVDs gedacht werden.

Ob man nun die Quadrilogie als Ländercode 1 oder Ländercode 2 kauft, kommt auf den DVD-Player an, den man zuhause stehen hat. Die englischen dts-Tracks sind sicher verlockend. Ob man die Alien Legacy loswerden will, hängt davon ab, ob man als Hardcore-Fan der Serie ohne den Solokommentrar von Ridley Scott leben kann. Dieser ist sicherlich ein "Keeper". Die Filme werden in den USA auch bald als Einzeleditionen erscheinen, ob in Europa dasselbe geplant ist, weiss ich nicht. Die neunte Disk wird sicherlich nur in der Quadrilogie erhältlich sein.

OutNow.ch empfiehlt: Nicht in den Laden gehen, sondern rennen, um sich ein Exemplar zu ergattern.

5.4 Sterne 6.0 Sterne
5.4 Sterne (35 Bewertungen) | 11 Kommentare

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13.02.2004 / rm


DVD-Infos

  • Bildformat: 2,35:1 (anamorphic Widescreen) ausser Aliens mit 1,85:1. Die Dokus sind 4:3.
  • Sprachen: Deutsch 5.1, Englisch 5.1
  • Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
  • Extras: Audiokommentare, mehrstündige Making-ofs, Deleted Scenes, Laser Disk Content, Trailers