Punch-Drunk Love (2002)

Punchdrunk Knuckle Love

Punch-Drunk Love (2002) Punchdrunk Knuckle Love

Oder: "I don't know...?!"

Punch-Drunk Love

Blauer Kaffeesatz

Barry Egan (Adam Sandler) verkauft zusammen mit Lance (Luis Gusmán) "wie bring' ich die verstopfte Toilette wieder frei?"-Utensilien und andere aberwitzige Gebrauchsgegenstände irgendwo in Southern California. Barry ist emotional ziemlich instabil. Wird er von jemandem auf seine vergangenen Hammer-Fenster-Werf Geschichten im Jungen-Alter angesprochen, explodiert er innerlich wie äusserlich *chlöpf*.

Grund für diese jahrelang aufgestaute Explosions-Wut sind die wiederkehrenden Zurechtweisungen und Demütigungen durch seine sieben zickig-ekligen Schwestern. Eine ganz hartnäckig kontrollierende Schwester ist Elizabeth (Mary Lynn Rajskub), die ihren Bruder Barry um jeden Preis mit einer ihrer Freundinnen zusammenbringen will. Barry wehrt sich aber mehr schlecht als recht gegen Elizabeths Pläne.

Punch-Drunk Love

Augen zu und durch!

Als der einsame Barry einen Telefonsex-Service anruft, beginnt ein neues, dunkles Kapitel in seinem Leben. Die zu Beginn (in vielerlei Hinsicht) sehr einfühlsame Telefonstimme "Georgia" wird vom verständnisvollen Hot-Girl zur giftig drohenden Verfolgerin. Sie verlangt von Barry $ 750, ansonsten er von ihren Freunden zusammengeschlagen werde.

Bald darauf trifft Barry die ihm bereits flüchtig bekannte Lena Leonard (Emily Watson). Lena scheint vom schüchternen Barry angetan zu sein und verabredet sich mit ihm zum Nachtessen. Das Beisein klappt aber nicht ohne mehrere Zwischenfälle: Barry wird u.a. von "Georgias" Boss und seinen Helfern beraubt, gedemütigt und bedroht. Lena wird unglücklicherweise in einer "Georgia"-Attacke verletzt, wodurch Barry beschliesst, dem Spuk ein für allemal ein Ende zu setzen. Ein Tief, gefolgt von einem kurzen Hoch, dann wieder von einem Tief und... schräg, schräger, punch-drunk love! ... Lena mitten drin, statt nur dabei.


Kinofilm-Rating

Regisseur Paul Thomas Anderson hat mit diesem surrealen, musikalisch speziell begleiteten Film ein ungewöhnliches Werk geschaffen. Und damit beginnt die eigentliche Rating-Schwierigkeit: Ob Punch-Drunk Love in medias res beginnt oder wie oder was, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ja, so ist das. Jedenfalls startet das Movie - von und zu einem Herrn Barry Egan - äusserst verwirrend *drüll*. Doch wie der Titel schon sagt: "punch-drunk" ist so ziemlich alles am Film: "benommen", "wackelig auf den Beinen" oder auch "hirngeschädigt".

Adam Sandler spielt top, ebenso Emily Watson, was nicht einfach selbstverständlich ist; schliesslich muss Ersterer einen eher anormalen Zeitgenossen mimen. Ein weiterer Pluspunk ist, dass die Filmfiguren sich unterschiedlicher nicht entwickeln könnten. Barry zum Beispiel wächst, dank der Liebe zu Lena, ein prächtiges Stückchen in die ersehnte Selbständigkeit. Lena hingegen bleibt ihrer Lebensschiene im Grunde treu, indem sie für den verletzlichen Barry die "gute Fee" oder "rettende Maid" darstellt und sich für ihn gspässig-liebvoll interessiert. Der Zuschauer indes erhält nur soviel Informationen über die einzelnen Charaktere, wie er gerade benötigt, um sich "pro" oder "contra" entscheiden zu können. Barrys fanatische Pudding-Käufe und die damit zusammenhängenden Telefongespräche sind ebenso "hirnrissig" wie "genial". Und während des besagten "Georgia"-Telefonats wundert man sich ebenso oft wie in anderen Szenen...

Zum Soundtrack versuch' ich mich hiermit: Auch wenn es eine difficile Geschmacksfrage ist... der Score zu Punch-Drunk Love scheint mir eines käuflichen Erwerbes würdig. Weiter erwähnenswert ist die farbliche Gestaltung. Erstens trägt Barry stets seinen hochblauen Supersexy-Anzug und zweitens erscheint Lena in einem hocherotischen rosa-roten Zweiteiler (Cardigan und Jupe). Der colourierte Zusammenhang steht somit fest und wird durch die unkonventionellen Farbszenen interpretationstüchtig unterstützt. Herrjeh. Was für ein komischer Film...

Zur Action nur soviel: Sie reicht "gar nicht vorhanden" bis zu "plötzlichem Angriff". (Dazu ein TipTip: Szene *Schnapp dir das Brecheisen des Angreifers und schlag zurück* = Spitzenmässig und mit Abstand die besten Sekunden des Films...!)

Fazit: Gerade weil Punch-Drunk Love so anormal daherkommt, handelt es sich um einen dieser Traditionsbrecher, die den 08-15ern den Garaus machen. Ein OutNow-Empfehlenswert für das etwas filmbewandertere Publikum.

4.3 Sterne
4.3 Sterne (43 Bewertungen) | 4 Kommentare

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09.02.2003 / nd