One Hour Photo (2002)
One Hour Photo (2002)
Oder: Wahnsinns Alltags-Schnappschüsse
Seymour Parrish (Robin Williams) ist ein alleinstehender, einsamer Fotoentwickler mit Standplatz in einem überdimensionalen, neonlichtigen Einkaufszentrum (à la mode américaine). Er sehnt sich nach einer familiären Geborgenheit. Über die Jahre hinweg wird sein Wunsch regelrecht zur psychischen Störung, einer krankhaften Bessessenheit.
Er kopiert heimlich Familienfotos der Stammkundin Nina Yorkin (Connie Nielsen), tapeziert damit zu Hause seine karge Wand und holt sich dadurch die Ersatzfamilie in seine Phantasie. Mehr und mehr verliert Seymour seinen Realitätssinn und steigert sich bis zum Hals in eine Obsession.
Als sein Arbeitgeber seine Macke entdeckt, entlässt er Seymour. Dieser verliert total den Boden unter den Füssen, denn er will von "seiner" Familie nicht getrennt leben müssen. Sein Mittelchen gegen Verlustängste nimmt gewaltige Formen an...
Kinofilm-Rating
Die Kulisse definiert sich durch Sterilität, Eintönig- und Einseitigkeit. Der Supermarkt und Arbeitsplatz von "Sy" wirkt oberflächlich sauber und spiegelt indirekt den inneren IST-Zustand des Protagonisten dar. Seymour, der einsame Mann, dem es an Wärme, Geborgenheit und Familienglück fehlt. Äusserlich ein anständiger, unscheinbarer Arbeiter, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und diesem mit Präzision und Herzblut nachgeht. So "täuscht" er teils bewusst teils unbewusst sein Umfeld. Man wird dazu neigen, Mitleid zu verspüren und sich fragen, wie das Alleinsein aus einem Menschen einen Psychopathen formen kann.
Robin Williams zeigt sein Talent zum Tragödienspiel mit einer derart überwältigenden Überzeugungskraft, dass einem beinahe die beschreibenden Worte fehlen. Diese Schausspielfähigkeit muss man einfach miterlebt haben! Verstärkt wird das einseitige Leben von Seymour durch die perfekte Kameraeinstellungen, die Umgebung und Kulissen sowie durch die übrigen Akteure. Dem Film fehlt es an offener Übertreibung, an Glanz und Gloria, was umso besser den Fokus auf die Hauptperson richtet.
Ein Kompliment an Regisseur Mark Romanek, dessen Regieliste noch kurz ist. Ein Kompliment an die gesamte Crew. Ein wahrhaft sehenswerter Film mit unglaublichem Tiefgang.
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4.7 Sterne (93 Bewertungen) | 30 Kommentare



