One Hour Photo (2002)
One Hour Photo (2002)
Oder: gut Schnappschuss!
Seymour Parrish (Robin Williams) ist ein alleinstehender, einsamer Fotoentwickler mit Standplatz in einem überdimensionalen, neonlichtigen Einkaufszentrum (à la mode américaine). Er sehnt sich nach einer familiären Geborgenheit. Über die Jahre hinweg wird sein Wunsch regelrecht zur psychischen Störung, einer krankhaften Bessessenheit.
Er kopiert heimlich Familienfotos der Stammkundin Nina Yorkin (Connie Nielsen), tapeziert damit zu Hause seine karge Wand und holt sich dadurch die Ersatzfamilie in seine Phantasie. Mehr und mehr verliert Seymour seinen Realitätssinn und steigert sich bis zum Hals in eine Obsession.
Als sein Arbeitgeber seine Macke entdeckt, entlässt er Seymour. Dieser verliert total den Boden unter den Füssen, denn er will von "seiner" Familie nicht getrennt leben müssen. Sein Mittelchen gegen Verlustängste nimmt gewaltige Formen an...
DVD-Rating
Ganz klar: Robin Williams ist überragend als Sy, the photo guy, und hätte zweifelsohne eine Oscarnomination für seine Leistung verdient gehabt (wenn nicht mehr!). Ebenso lässt die atmosphärisch dichte, unheimlich detaillierte Umsetzung - die so viel zum sanften und dennoch so packenden Spannungsbogen von One Hour Photo beiträgt - den Zuschauer am Film kleben. Die Taglines auf der DVD sind mit "nervenzerrende Spannung" und "Psychothrill" aber weit überzogen und könnten höchstens falsche, in eine andere Richtung gehende Erwartungen wecken. Regisseur Romanek legt es weder auf eine effekthascherische noch auf eine reisserische Erzählweise an.
Sicherlich trägt die Tatsache, dass Regieneuling Mark Romanek zuvor vor allem Musikvideos drehte, dazu bei, dass One Hour Photo sehr stilsicher und optisch beeindruckend verfilmt ist. Denn wer so bünzlige Lokalitäten wie einen Supermarkt dermassen eindrücklich und gleichzeitig übergangslos in die Story einbinden kann, hat durchaus ein Händchen und ein Auge für grosses Kino. Romanek nützt die klinische Umgebung von Sy's Arbeitsplatz (seine Privatküche sieht dessen Fotolabor nicht unähnlich) ebenso wie die treffende Garderobe und Maske von Robin Williams um ein feines Geflecht um den Charakter von Sy zu spinnen. Dabei ertappt man Williams nie beim überdrehten Spielen (Psychopathen als Portagonisten stellen für viele Schauspieler ja geradezu eine Spielwiese des Übertreibens dar), er bindet sich total in seine Umgebung und in seinen Charakter ein, der alles andere als ein kalt berechnendes Monster ist. One Hour Photo ist eine Klassefilm und gehört mit zum Besten was das neue Jahrtausend bisher zu bieten hatte. Und er wird die Vertrauenssituation zwischen Kunde und dem heimischen Stundenentwicklungsservice kaum stärken... klick!
Zu bieten hat die DVD einen hervorragenden, blitzsauberen 1.85:1 Transfer. Die Tonspur wird vor allem im tiefsten Bassbereich dann enorm ausgenützt, wenn der pochende Soundtrack zum Einsatz gelangt. In Sachen Extras sind die Kommentarspur von Williams und Romanek, aber vor allem das knapp 30 minütige Interview der beiden beim Besuch in der Charlie Rose Show ein wahres Juwel.
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4.7 Sterne (93 Bewertungen) | 6 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 06.06.2003
- Bildformat: 1:1.85 (anamorph)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte; Englisch
- Extras: Audiokommentar von Mark Romanek und Robin Williams; Cinemax Featurette; Charlie Rose Show; Making Of: "Anatomie einer Szene"



