Suicide Circle - Jisatsu saakuru (2002)
Suicide Circle - Jisatsu saakuru (2002)
Oder: Was hat das zu bedeuten? Auf alle Fälle Überstunden
Der Schrecken beginnt am 26. Mai: Auf einem der vielen Bahnhöfe in Japan fassen sich 54 Schulmädchen bei der Hand, treten an den Perronrand und springen zusammen vor den mit hoher Geschwindigkeit heranrasenden Zug. Dieser kann nicht mehr rechtzeitig bremsen, pflügt sich durch die Schulmädchen und besudelt nicht nur die wartenden Passanten, sondern auch den halben Bahnhof mit Blut. Der Polizei bleibt nichts anderes übrig, als die Leichenteile zusammenzusammeln - einen kriminellen Akt oder gar eine organisierte Tat schliessen sie dabei aus.
Es dauert aber nicht lange, da häufen sich immer mehr solche Selbstmordvorfälle. Seien es Schüler, die vom Dach springen oder spurlos verschwinden, es scheint doch einiges mehr dahinter zu stecken, als bisher angenommen wurde. Als an einem Unfallort dann noch eine weisse Sporttasche gefunden wird, in der sich eine rund dreissig Zentimenter grosse und zehn Zentimeter breite Rolle aus zusammengenähten Menschenhautfetzen befindet, wird auch den Polizisten der Umfang des Falles bewusst. Jetzt liegt es an Detektiv Kuroda (Ryo Ishibashi), das Rätsel zu lösen. Wird er es noch rechtzeitig schaffen, den nächsten Massensuizid zu stoppen?
DVD-Rating
Dass die Japaner kontroverse Filme machen, ist schon länger bekannt. Sei es Battle Royale, die Pseudo-Snuff-Reihe Guinea Pig oder die Folter-Doku Men Behind the Sun, immer wieder haben sie damit Diskussionen und sogar Ermittlungen der Polizei ausgelöst. Suicide Circle spielt zwar nicht ganz in dieser Liga, doch behandelt er mit der hohen Anzahl Selbstmorde in Japan ein nicht minder heisses Thema. Bei Suicide Circle handelt es sich allerdings um eine Independent-Produktion, bei der mit einem sehr kleinen Budget und viel Laiendarstellern gearbeitet wurde.
Kontroverse Filme wie Suicide Circle, haben oft das Problem, dass viel über sie geschrieben wird und man sich deshalb mit verzerrten Erwartungen vor den Film setzt. Suicide Circle ist nämlich bei weitem nicht die Splatterorgie, wie der Inhalt vermuten lässt, sondern ein gewagter Genremix, der dem Zuschauer eine sehr bizarre Welt vorstellt, die zum Nachdenken anregt und auch viele Fragen aufwirft. Diese werden allerdings meisten in der immer verworrener werdenden Handlung nicht beantwortet, weshalb auch ein Sequel, Noriko's Dinner Table, sowie eine Manga- und Romanadaption nachgeschoben worden ist, in denen das Ganze noch etwas linearer behandelt wird.
Um Suicide Circle am ehesten zu geniessen, soll dieser weniger als Horrorfilm, sondern eher als sozialkritische Satire im Stil von Pulse betrachtet werden, die eng mit der japanischen Kultur und ihrer Philosophie arbeitet. Die vielen Referenzen auf die japanische Kultur sind auch der Grund für die meisten Fragen, denn durch die westliche Linse betrachtet ist einiges äusserst schwer nachvollziehbar. Doch dies sind kulturelle Barrieren, welche manchmal unvermeidbar sind, ganz im Gegensatz zur schlampigen Umsetzung und dem gewagen Splatter- und Sozialkritik-Genremix: Die Erzählweise ist träge, die Schockmomente verpuffen wirkungslos, und je länger der Film andauert, desto weniger geht der Genremix auf. Schliesslich kombinieren sich völlig übertriebene Splatterszenen mit
verschachtelter Sozialkritik, doch weder in dem einen noch dem anderen
Aspekt kann er wirklich überzeugen, geschweige denn unterhalten.
Fazit: Suicide Circle ist ein Film geworden, der etwas holprig zwischen den Genres pendelt und überblutige Splatterszenen sowie auch einiges zum Nachdenken bietet. Unter dem Strich ist es aber ein schlecht gespielter, eher langfädiger Film, der am Ende sehr konfus wird und ohne etwas Einlesen in die Japanische Kultur oft mit einem Fragezeichen zurück lässt. Wer jedoch gerne etwas über das Gesehene philosophiert, ist hier sicher an der richtigen Stelle. Wer aber eher auf Intensität, Blut oder Spannung aus ist, wird enttäuscht sein.
Bei der Code-2-DVD ist die edle Verpackung auch das letzte, was überzeugt. Das Bild ist eine unscharfe, kontrastlose und matte Katastrophe, die jeden Filmgenuss verhindert und die japanische Originaltonspur ist mit Stereoton noch schlechter als der deutschen 5.1-Synchro. Das Bonusmaterial besteht neben einigen Trailern lediglich aus Ausschnitten von Q&As während den Premieren und einem eher chaotischen Interview mit dem Regisseur. Beides ist ziemlich holprig synchronisiert.
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3.8 Sterne (4 Bewertungen) | 2 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 29.04.2005
- Bildformat: Widescreen 1.78:1
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Japanisch (DD 2.0)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Interview; Talkshow; Trailer; Trailershow



