The Hours (2002)
The Hours (2002)
Oder: Barbarians!
The Hours spannt sich über drei unterschiedliche Zeitperioden. Während "eines Tages" fokusiert sich der Film in paralleler Vorgehensweise auf das Leben von drei Frauen, die bestimmte Gemeinsamkeiten haben: Depression, Fremdheit und Suche nach Liebe.
In der einen Ära wird man Zeuge eines Lebensabschnittes der berühmten Schriftstellerin Virginia Woolf (Nicole Kidman), die einen regelrechten Kampf mit ihrer geistigen Krankheit (= Depression) austragen muss, und schliesslich im Jahre 1941 ihrem Zustand durch Selbsttötung ein Ende setzt.
Eine weitere - diesmal hochschwangere - Frau namens Laura Browns (Julian Moore) lebt 1950 gut behütet in Californien. Auch sie wird von Depressionen und Verzweiflung heimgesucht. Ihr Mann jedoch ignoriert ihren Zustand auf liebevolle Weise und ihr gemeinsamer Sohn klammert sich - wahrscheinlich die tragische Situation der Mutter erahnend - ständig an sie; dies umso mehr, da Laura ihrem Spross nur mässig Mutterliebe entgegenbringt. Lauras beinah apathische Verfassung wird am offensichtlichsten, als sie vergebens versucht, ihrem Mann einen einfachen Geburtstagskuchen zu backen... (Tja, die Geschichte der Mrs. Dalloway hat's wohl in sich.)
Die dritte Frau, Clarissa Vaughn (Meryl Streep) lebt im modernen Manhattan, zusammen mit ihrer Freundin Sally (Allison Janney) und ihrer Tochter (Claire Danes). Mit grosser Mühe und an Resignation grenzender Haltung bereitet sie eine Party für ihren Ex-Ehemann (Claire Danes) vor, der bald an AIDS sterben wird.
Kinofilm-Rating
Der mit dem Pulitzer-Preis beehrte Roman von Michael Cunningham - "The Hours" - nimmt die Novelle von Autorin Virginia Woolf "Mrs. Dalloway" als Inspirationsquelle: Die drei sich immer wieder überschneidenden Geschichten beziehen sich in irgendeiner Weise auf Virginia Woolf resp. ihre Novelle... und diese wiederum dient The Hours als Vorlage für den gleichnamigen Film von Stephen Daltry. Soweit alles klar? Okay...
Das dazugehörige Cast, bestehend aus reinster Frauen-Power, glänzt mit drei hochkarätigen Schauspielerinnen, welche Hollywood mit und durch ihren Charme beglücken: Kidman, Streep, Moore. Das Movie ist somit bereits in Rohfassung ein kleinerer ungeschliffener Juwel.
The Hours dreht sich nicht um irgendwelche angeklebte Nasen oder das viel um*gähnte* Emanzentum. So bringt z.B. Nicole Kidman die innere Zerrissenheit einer Filmversion der Virginia Woolf sehr glaubhaft rüber. Doch dermassen einseitig kann die Schriftstellerin in ihrem Gemüt nicht gewesen sein, oder? Vielleicht hätten mehr filmisch realisierte Einsichten ins Leben der Virginia Woolf noch mehr Interesse beim Publikum geweckt?! Who knows...
Nun. Dominant sind die verschiedenen Formen der Suizid-Gedanken, welche sich in den Gesichtern, der Mimik und der Gestik der Hauptdarstellerinnen wiederfinden. Diese Verzweiflung, gepaart mit dem Willen nach Selbstbestimmung, Wut und Kämpferdasein macht Eindruck und regt wirklich zum Nachdenken an. Diesbezüglich ist The Hours für Interpretationen offen und dient als gute Diskussionsgrundlage.
Fazit: Als Gesprächs-, Studier- und Therapiegrundlage (excüsé, ist meine Meinung) ist The Hours - nebst dem excellenten weiblichen Cast - sehr empfehlenswert. Gerade deshalb ist dieser Film einer der überzeugendsten Oscar-Anwärter des Jahres 2002/03.
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4.8 Sterne (67 Bewertungen) | 7 Kommentare



