Dolls (2002)

Dolls (2002)

Oder: Eine japanische Modenschau

Dolls

On Jungflaujoch

Am Tag einer wegen geschäftlichen Interessen arrangierten Hochzeit erfährt Matsumoto, der Bräutigam, dass die Frau, die er wirklich liebt, nach einem Selbstmordversuch in die Irrenanstalt eingeliefert wurde. Hals über Kopf verlässt er deshalb die Festgesellschaft und eilt zu Sawako, die durch ihre unsterbliche Liebe komplett verrückt wurde. Er nimmt sich ihrer an und die beiden reisen von nun durch eine rote Kordel aneinander gebunden durch Japan.

Hiro, ein mächtiger Yakuza Boss mit einer Menge Leibwächter, denkt nur noch an ein Mädchen, das er einst vor langer Zeit auf einer Parkbank sitzen gelassen hat. Sie hat ihm jeden Samstag ein Lunchpaket gemacht und versprach ihm, dies auch bis ans Ende ihrer Tage weiterhin zu tun, bis er wieder kommt. Für Hiro ist die Zeit reif, seine verflossene Liebe wieder zu finden.

Nukui ist wahrscheinlich der grösste Fan vom Popstar Haruna Yamaguchi. Immer wieder hört er ihre Lieder und er verpasst keine Autogrammstunde. Als sein Idol bei einem Autounfall entstellt wird und den sofortigen Rücktritt aus dem Showgeschäft bekannt gibt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er ist zum äussersten bereit, Haruna wieder zu sehen, obwohl sie die Öffentlichkeit meidet seit dem Zwischenfall.


DVD-Rating

Dolls beginnt mit einer Szene aus einem Bunraku-Puppentheater. Da hört man soviel von den sehr gewalttätigen Filmen eines gewissen Takeshi Kitano und dann das. Einer über 300 Jahre alten japanischen Tradition folgend bewegen bis zu drei Puppenspieler lebensgrosse Puppen auf einer Bühne. Eine Stimme aus dem Off erzählt dabei eine Liebesgeschichte. Begleitet von den Klängen eines Zupfinstruments, der Shamisen. Diese Szenen setzen die Stimmung für den gesamten restlichen Film. (Fast) nichts mit der als Yakuza bekannten Mafia, für die Kitano so berühmt ist. Eine Schiesserei gönnt er sich trotzdem im Segment mit Hiro. Trotzdem nannte Regisseur Kitano den Film seinen "brutalsten". Das zeugt von einem seltsamen Humorverständnis. Aber er weiss sicher auch, dass die Liebe sehr brutal sein kann. Insbesonders in Japan, wo die Selbstaufopferung des Einzelnen der Kultur inhärent ist.

Alle, die beim Stichwort Puppentheater bereits eingeschlafen sind, sollten sich Dolls vielleicht nicht ansehen. Der Film ist definitiv nichts für Ungeduldige. Minutenlang stampfen Matsumoto und Sawako durch die Landschaft. Durch alle vier japanischen Jahreszeiten hindurch, die der Film prachtvoll ins Szene setzt. Es ist einer dieser StandbildeinzelrahmenzumanddieWandhängen-Filme. Mehr Modenschau als Spielfilm. Es überrascht nicht, dass der berühmte Fashion Designer Yohji Yamamoto für jede Saison im Film eine neues Kino massschneiderte, bis sich Matsumoto und Sawako vollends in zwei Bunraku-Figuren verwandeln. Trotzdem spielt der Film zur Jetztzeit. Die drei Episoden verbindet einzig und allein das Thema der uneingeschränkten Liebe. Nur die erste Geschichte nimmt direkten bezug auf das Puppenspiel und das auch nur gegen Ende. Davor sieht man auch mal sehr lange, wie eine Frau einen Plastikball bläst oder zwei Behinderte beim Schreien vor einer geschlossenen Türe. Oft mit so wenig Dialog, dass man den Film auch ohne Untertitel verstehen könnte, oder eben nicht. Denn ausser den schönen Bildern bleiben nach dem Film auch viele Fragenzeichen über den Sinn der Übung.

Die DVD kommt als doppelscheibige Collector's Edition in einer schönen Kartonschachtel ins Haus. Der fanatische Sammler wird sich über die unkommentierten Szenen von den Dreharbeiten (18 Min), den Impressionen vom Festival in Venedig (8 Min) und den ausführliche Interviews mit Kitano, Yamamoto, Miho Kanno und Hidetoshi Nishijima freuen. Weniger Freude, speziell bei dieser Art von Film, macht das nicht ganz makellose Bild, das zu allem übel unten einen Teil abgeschnitten bekommt im Vergleich zur US-Version. Trotzdem ist es begrüssenswert, das auch solch ein kleiner Kunstfilm, der nicht nur in Japan floppte, als etwas aufwendigere Version auf den Markt kommt.

4.2 Sterne 3.0 Sterne
4.2 Sterne (12 Bewertungen) | 5 Kommentare

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07.04.2005 / rm


DVD-Infos

Collectors Edition, erschienen am 02.11.2004

  • Bildformat: 1.85:1 (anamorphic Widescreen)
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1 und dts 5.1, Japanisch: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Interviews (dt. untertitelt) mit Regisseur Takeshi Kitano, Modeguru Yohji Yamamoto und den Hauptdarstellern Miho Kanno und Hidetoshi Nishijima, Making-of und Szenen von Filmfestival in Venedig