Cinemania (2002)

Cinemania (2002)

Oder: Woody Allen ist erst der Anfang

Cinemania

Couch Potatoes

New York ist als Stadt, die niemals schläft, der beste Ort auf dieser Welt, für ein nicht enden wollendes Filmfestival. Jahr aus Jahr ein zeigen Multiplexe und Programmkinos, das Museum of Modern Art (MoMA) und das Museum of the Moving Image Kinokunst und weniger anspruchsvolles Filmmaterial aus allen Epochen. Ein Fest für die Augen aller Filmbuffs, Cineasten, Kinosüchtigen oder wie man sie auch immer nennen will. Cinemania beobachtet das Leben fünf dieser speziellen Art von Stadtneurotiker, die im Programmdschungel der Kinometropole ihr Paradies auf Erden gefunden zu haben scheinen.


DVD-Rating

Bist Du schon mal im Hochsommer in einem dunklen Kinosaal gesessen? Hast Du schon mal eine Party sausen lassen, um alleine einen Film anschauen zu gehen? Kennst Du Pootie Tang und Wong Kar Wai besser als Deine Arbeitskollegen? Dann ist Cinemania der Film für Dich, du kleiner Filmfreak. Die fünf ziemlich unattraktiven Menschen, um die es hier geht sind manisch-obsessive Spinner. Sie sind bis auf eine Person männlich, haben weder Freundin noch Frau, dafür alle eine Brille und sie kämpfen täglich gegen die Unvereinbarkeit des New Yorker U-Bahn-Fahrplans mit den Spielzeiten in den Kinos an.

Jack Angstreich füllt seinen Compi mit langen Referenzlisten der bald in die Kinos kommenden Streifen und denkt über die Anschaffung eines Hosentelefons nach, damit er nicht mehr Aufstehen muss, wenn was nicht stimmt mit der Projektion, sondern direkt dem Operateur anrufen kann. Bill Heidbreder nennt sich Philosoph und Autor. Das einzige was er aber während des ganzen Films schreibt, ist eine Kontaktanzeige, in der er sich zu seiner Liebe für alle europäischen Filme seit der "Nouvelle Vague" bekennt. Roberta Hill ist die einzige Frau im Bunde. Sie wird handgreiflich, wenn ihr ein Tickets zerrissen wird, und sass auch schon mal nur im BH im Kino, weil es ihr ein bisschen zu heiss wurde. Harvey Schwartz kennt die Laufzeit jedes nur erdenklichen Streifen und Eric Chadbourne ist ein Allesgucker, der auch vor The Amazing Crab Monster nicht zurückschreckt. Eric hat auch keine Skrupel, sich einen Film auf Video anzuschauen. Etwas, was die anderen vier nicht mal unter Todesandrohung tun könnten.

So lernt man die fünf langsam kennen und man beginnt sich zu Fragen, wie sie sich finanzieren, woher diese Leidenschaft kommt, was ihre Familien und Freunde wohl dazu sagen. Cinemania beantwortet nicht alle diese Fragen. Ausser Jack, der dank einer grossen Erbschaft überlebt, beziehen die anderen alle IV oder Arbeitslosenunterstützung. Was komplett fehlt sind Aussagen von Psychiatern oder Familiemitgliedern, die ein bisschen über die Hintergründe erzählt hätten. Denn seltsamerweise reden alle fünf nie über die Qualität eines Films an sich. Es geht nicht darum, ob ihnen der Film gefallen hat. Sie wollen ihn nur gesehen haben und zwar in der bestmöglichen Qualität. Diese Haltung widerspiegelt sich auch in der immensen Soundtracksammlung, die einer der fünf zuhause stehen hat. Einen Plattenspieler gibt's in der mit LPs vollgestopften Wohnung aber nicht. In diesen Momenten, denkt sich dann auch der grösste Filmfreak: So schlimm ist es bei mir zum Glück noch nicht.

Geradezu ein Hohn ist es, dass Cinemania auf Video gedreht wurde. Das sieht man dem Film auf der DVD auch an. Das Bonusmaterial umfasst 45 Minuten gelöschter Szenen, die man ohne weiteres auch noch dem Film hätte beifügen können. Am interessantesten sind die Szene, als die Hauptdarsteller nach einer Vorführung an einem Festival sich den Fragen des Publikums stellen.

4.4 Sterne 3.0 Sterne
4.4 Sterne (10 Bewertungen) | 10 Kommentare

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
02.03.2005 / rm


DVD-Infos

  • Bildformat: 1.70:1 (non-anamorphic Widescreen)
  • Sprachen: Englisch 2.0 Dolby Digital
  • Untertitel: Englisch, Deutsch, Holländisch, Französisch
  • Extras: Trailer, geschnittene Szenen