Blue Crush (2002)
Blue Crush (2002)
Oder: Wasser, Wellen, Wilde Weiber
Die leicht traumatisierte Anne Marie (Kate Bosworth) trainiert für das Pipe Masters in Hawaii. Für Surfer ist dieser Wettbewerb vergleichbar mir dem Lauberhornrennen im alpinen Skisport. Man muss in etwa gleich tollkühn sein wie am Hundschopf, sich in diese Wellen zu wagen und Ruhm und Ehre ist einem beim Siegen gewiss.
Anne Maries Mutter ist nach Las Vegas abgehauen. Auf sich allein gestellt, zieht sie mit ihren zwei Freundinnen Eden (Michelle Rodriguez) und Lena (Sanoe Lake) das Schwesterchen auf und träumt von ihrem Bild auf dem Cover von Surfermagazinen. Die harte Realität bringt sie aber erstmal als Zimmermädchen in ein Hotel, wo zur gleichen Zeit eine Football Mannschaft abgestiegen ist. Deren Quaterback Matt (Matthew Davies) hat es bald einmal auf Anne Marie abgesehen. Bei für die Mädchen lukrativen Surflektionen kommen sich die beiden näher. Anne Marie lässt sich auf ein Abenteuer inklusive gratis Zimmerservice und Armanikleid ein und vergisst dabei das Training. Wird Eden sie rechtzeitig für das Masters wieder auf die richtige Wellenlänge bringen?
DVD-Rating
Surferfilme haben es im Binnenland Schweiz nicht einfach. Der Vergleich mit dem Skirennen in der Inhaltsangabe zeigt es: die hohen Berge sind dem Alpenvolk näher als das weite Meer. Blue Crush schaffte es denn auch nie in die Deutschweizer Kinos.
Geht's im Film ums Wellenreiten steht und fällt er mit den Aufnahmen im Wasser. Point Break bewies, dass der Thrill in spannungsarmen Thrillern mit Surfaufnahmen gerettet werden kann. Die bekannteste Surferfilmreihe Endless Summer verzichtet ganz auf eine wesentliche Handlung. Regisseur John Stockwell nimmt sich North Shore zum Vorbild und bettet die atemberaubenden Aufnahmen von der Nordküste O'ahus (Kamera Mike Stewart und Don King) in eine Geschichte um einen sportlichen Wettkampf ein, der mit Aschenputtelelementen aufgelockert wird.
Der zweite wesentliche Punkt bei einem Surferfilm sind die Strandhasen, die leicht bekleidet sporadisch durchs Bild hüpfen sollten. Nichts schadet einem Surferfilm mehr als Neoprenanzüge. Ewan McGregor und Catherine Zeta-Jones verschweigen deswegen ihre Zusammenarbeit für Blue Juice auf ihren Resumées. In Blue Crush ist alles im Lot in dieser Hinsicht. Die Bikinimädchen emanzipieren sich in den Hauptrollen, werden richtig nass und reiten die Wellen gleich selber.
Für Authenzität sorgen neben vielen hawaiianischen Lokalhelden, die weiblichen Stars in der immer noch vom Männern dominierten Szene. Keala Kennelly, Kate Skarratt und Rochelle Ballard spielen nicht nur mit, sondern fungierten auch als Body Double für Kate Bosworth und Michelle Rodriguez in den verwegensten Szenen. Digital wurden die Gesichter der Schauspielerinnen auf die Körper der Profis verpflanzt und es funktioniert prächtig. Die Macher vermelden aber mit Stolz, dass keine der Wellen vom Computer animiert werden musste. Ein bisschen Surfen haben Kate und Michelle aber auch gelernt. Die Dritte im Bunde, Sanoe Lake, wurde auf Hawaii geboren und hat das Wellenreiten sozusagen im Blut.
Den jungen Frauen muss sowieso ein Kränzchen gebunden werden. Die Übung am Strand hätte leicht ins baywatchige abgleiten könne. Die drahtigen Körper verhindern trotz mehrmaliger musikalischer Untermalung der Handlung Schlimmeres. Kein Zweifel, das sind richtige Surfer Chicks. Der Glüschtler-Vorwurf gilt nicht. Beim Surfen trägt auch der weibliche Profi ein Bikini.
Die DVD-Features im einzelnen:
Das anamorphe Bild im Format 1,85:1 erstrahlt in den schönsten Farben. Ein Fest für die Augen, nur getrübt durch den Rauschfilter, der eingesetzt wurde. Beim Ton beginnt das Spektakel schon bei den verschiedenen Logos der Filmstudios. Ein kleiner Vorgeschmack auf die mit starken Bässen untermalten Wellen. Ein sehr aktives Klangfeld, dass über den ganze Film aufrecht erhalten wird. Wasser, Wind und Stimmen aus allen Kanälen. Hervorragend. Der deutsche Ton ist auf dem Center und den Frontspeakern lauter als der englische. Dies macht sich besonders bei der basslastigen Musik bemerkbar. Der englische Dolby Track ist da wesentlich subtiler.
Die beiden Audiokommentare könnten unterschiedlicher nicht sein. Regisseur John Stockwell macht sie scheinbar so gerne, dass er alle noch so kleinen Features auf der DVD auch gleich noch kommentiert. In "seinem" Kommentar kommen Produzent Rick Dallago und Stockwells zehnjähriger Sohn Casper fast nicht zu Wort. Die Wetterbedingungen und damit verbundenen Schwierigkeiten beim Dreh sind die Haupthemen. Mässig interessant.
Der zweite Kommentar erinnert an eine Pyjamaparty. Unsere drei Heldinnen sprechen über den Film, als seien es Ferien auf Hawaii gewesen. Kate Bosworth, Michelle Rodriquez und Sanoe Lake , die verspätet zur Aufnahme kam, zementieren dabei das Klischee, dass jede Frau Probleme mit ihrem Hintern hat, wenn sie ihn auf Fotos oder wie hier auf Grossleinwand sieht. Mindestens dreimal sind die wohlgeformten Füdli Thema. Rodriguez scheint zudem einen Tick zu haben. Immer wieder ruft sie "Yeah Man". Eine Qual.
Das auf der Rückseite der Hülle aufgelistete Zusatzmaterial ist auf Papier viel versprechender als in der Realität. Aber alles der Reihe nach. Das Making-of dauert 15 Minuten. Vor allem wenn man von den im Audiokommentar erwähnten Probleme mit dem Wellengang weiss, wäre eine etwas mehr in die Tiefe gehende Doku wünschenswert gewesen. Acht ultrakurze Filmchen zeigen viele ungenutzte Szenen und werden schamlos dazu benutzt, den Soundtrack zu pushen. Diese MTV-artigen Clips heissen Die Dreharbeiten zu Blue Crush (4 Minuten), Die Revolution im Frauensurfen (2 Minutes in denen man weibliche Surflegenden kennen lernen kann), Weggewischt (2 Minuten mit den besten Hoppalas. Autsch!), Auf den Wellen reiten (noch mehr Surfbilder, diesmal Boys against Girls), Skateboarding (2 Minuten ohne einen Surfer!), Blue Crush Promotion (ein 3- Minuten-Werbefilm, mit dem die Macher bei den Studios antrabten) und Surf Mode (5 Minuten Werbung für Billbong-Klamotten). Alles in nicht-anamorphen Widescreen und mit Kommentar von Stockwell.
Wie auch die acht gelöschten Szenen. 3-4 minütige Episoden, die den Film meist nur unnötig in die Länge gezogen hätten. Einige geben Anne Maries Figur aber ein bisschen mehr Tiefgang. Man darf drei mal raten, wer mittels Audiokommentar seinen Senf dazu gibt.
Zum Abschluss gibt's noch den Trailer und Lenny Kravitz' Musikvideo zu "If I could fall in love again". Lenny wie immer sexy mit Sonnenbrille und ein paar Models. Die drei Hauptdarstellerinnen von Blue Crush passen gut in die Video-Clip Szenerie.
John Stockwell hat schon mit Crazy/Beautiful sein Flair für Blondinen in Sorge gezeigt. Sein neuer Film über das Überwinden eines Traumas schlägt keine hohen Wellen, ins allzu seichte Gewässer wird man aber auch nicht geführt. Die Surfszenen balancieren die voraussehbare Liebesgeschichte aus. Blue Crush ist das Paradebeispiel für ein Guilty Pleasure. Man gibt nicht gerne zu, dass man den Film mag, aber man kann ihn mit guten Gewissen in die Sammlung nehmen, denn die DVD bietet exzellenten Surround-Sound. John Stockwell möchte man aber eine Weile nicht mehr sprechen hören nach dem Genuss des ganzen Zusatzmaterials.
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3.4 Sterne (15 Bewertungen) | 8 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 09.05.2006
- Bildformat: 1,85:1 (anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch 5.1, Englisch 5.1
- Untertitel: Deutsch, Englisch
- Extras: Audiokommentar von John Stockwell und Produzent Rick Dallago, Audiokommentar von Kate Bosworth, Michelle Rodriguez und Sanoe Lake; entfallene Szenen; Making Of; acht Kurz-Clips; Musikvideo;



